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lehre:wise2016-17:gruppe5:station1

Gruppe 5 - Station 1

Namen des Tandems: Luisa Karl und Denise Schlapp

Schulzes Konzept zu einem ökologischen Ansatz der Erziehungswissenschaft

Wir, Luisa und Denise, bearbeiteten in unserem Zweier-Tandem das Thema zentrale Vertreter und ihre Grundaussagen. Nachdem wir uns damit in der Bibliothek auseinandersetzten, einigten wir uns auf Schulze, da wir eine gute Literatur über ihn und seinen ökologischen Ansatz fanden, welcher uns beide interessierte. Zunächst forschten wir über seine Person, wie er lebte und wirkte.

Biografie

Theodor Schulze ist 1926 in Hannover geboren. Im Alter von 18 Jahren zog er in den Krieg und war Luftwaffenhelfer, Soldat und Landarbeiter. Von 1946-1951 studierte er an der Universität Heidelberg und Göttingen Pädagogik, Philosophie, Germanistik und Geschichte. Sein Studium schließt er mit dem 1. Staatsexamen für Lehramt am Gymnasium (LaG) ab. 1955 promovierte er in Göttingen zum Thema „Die Dialektik in Schleiermachers Pädagogik“ und arbeitete dort bis 1961 als wissenschaftlicher Assistent. Von 1961-1971 war er Professor für Allgemeine Pädagogik in Flensburg und 1971 wurde er auf einen Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Didaktik an der Universität Bielefeld berufen. Dieses Amt hatte Theodor Schulze bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1991 inne. Er war zudem vier Jahre im Vorstand der deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften tätig. Zahlreiche Ehrungen bekam Theodor Schulze verliehen. Zuletzt 2006 den Ernst-Christian-Trapp Preis (Preis für hervorragende Erziehungswissenschaftler). Theodor Schulze hat erstmals die ökologischen Ansätze der Erziehungswissenschaft näher thematisiert. Seine Forschungsschwerpunkte lagen aber eher im Bereich der erziehungswissenschaftlichen Biographieforschung.

Schulzes Konzept

Zunächst muss erst einmal geklärt werden, dass man unter der Ökologischen Psychologie auch die Umweltpsychologie versteht, da es um die enge Mensch-Umwelt-Beziehung geht. alles was der Mensch erkennt und wie er sich verhält, bezieht sich auf seine Umwelt und andersherum wird auch die Umwelt durch die Handlung des Menschen strukturiert und ständig verändert. Diese Beziehung beruht also auf einem sehr komplexen Wechselverhältnis und um die Mehrdimensionalität zu fassen, müssen transdisziplinäre und interdisziplinäre Methoden angewendet werden. Die Umsetzung erfolgt mit psychologischen und soziologischen Ansätzen, worauf wir genauer eingehen möchten.

Die psychologischen Ansätze und Erkenntnisse befassen sich mit folgenden fragen: Wie wird die Umwelt aus Sicht des Individuums wahrgenommen, begriffen und gedeutet? Außerdem werden umweltbezogene Deutungsmuster, kognitive Landkarten und lebensräumliche Handlungsprogramme analysiert. Bei den umweltbezogenen Deutungsmustern wird geklärt, wie das Individuum seine Umwelt wahrnimmt und von welchen Faktoren dies abhängt. Die kognitiven Landkarten beziehen sich auf die innere Repräsentation der Umwelt, welche sich bei jedem Menschen aufgrund verschiedener Heimatorte und differenzierter Wahrnehmung unterscheidet. Lebensräumliche Handlungsprogramme drückt aus, was das Individuum in seinem sozialen Lebensraum unternimmt und welchen Bezug es zu seiner Umwelt hat. Die soziologischen Ansätze und Untersuchungen betrachten verschiedene Zonen, oder besser Systemebenen, der objektiven Umweltbedingungen. Systemebenen definieren die unterschiedlichen Systeme der Umwelt, die ein Individuum beeinflussen. Dies ist zu verdeutlichen anhand Bronfenbrenners Darstellung. Dieser unterteilt das Ganze in vier Systeme: Das Mikrosystem, sprich der unmittelbare Bezug des Individuums zu einer bestimmten Personengruppe, z.B. Familie oder beste Freunde. Das Mesosystem, welches die Gesamtheit der verschiedenen Mikrosysteme darstellt, meint also das engere soziale Umfeld. Das Exosystem, worunter man den indirekten Einfluss auf das Individuum versteht, ein Beziehungsgeflecht, wie die Arbeitsstelle der Mutter. Das Makrosystem stellt die Gesamtheit aller Beziehungen in der Gesellschaft dar, wobei auch Normen, Gesetze und Traditionen einbezogen werden. Um nun den Bezug zu den Erziehungswissenschaften darzustellen, führt Schulze in seinem Konzept die zwei Begriffe Soziosphäre und Situation ein. Die Soziosphäre ist kulturbedingt und besteht aufgrund des menschlichen Handelns. Sie befasst sich mit den Umweltbedingungen, die für das Individuum das erwachsen werden erstrebenswert machen, sprich: Was hat ein Mensch für Gründe reifen zu wollen, sich weiter entwickeln zu wollen? Schulze bezeichnet die Soziosphäre als „normativen Maßstab“, womit die Beschaffenheit der Umwelt geprüft werden kann: Inwieweit wird die Umwelt vom Heranwachsenden als sozial anregend und entwicklungsfreundlich angesehen? Unter der Situation versteht Schulze die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt in Bezug auf den zeitlichen Aspekt, da sich die Umwelt durch bestimmte Handlungen aktualisiert. Somit wird es zu einer herausfordernden Aufgabe, die nur mittels Lernen und Bildung bewältigt werden kann. Im Zusammenhang mit dem Begriff der Situation wird das „Prinzip der Handlungsorientierung“ aufgegriffen. Es finden durch Prozesse wechselseitige Einflüsse zwischen Mensch und Umwelt statt, die die Persönlichkeitsstruktur indirekt beeinflussen. Unter diesen Prozessen versteht man das Lernen, ein komplexer, vielseitiger und langfristiger Prozess. Schulze definiert Lernen als Prozess ökologisch orientierter Überlegungen. In alltäglichen Lebenssituationen finden immer Lernprozesse statt: Durch Beobachtungen werden Vorstellungen/Erfahrungen gewonnen. Diese Vorstellungen müssen auf weitere Lernprozesse übertragbar sein und anschließend muss es zur Reflexion der Erkenntnisse kommen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Erziehung, laut Schulze, weniger Wert auf die Lerneffekte legen sollte, sonder die Verbesserung und Kultivierung von Lernumwelten viel wichtiger sind, da das soziale Umfeld das Individuum sehr stark beeinflusst.

Für unsere Ausarbeitung nutzten wir folgende Quellen:

lehre/wise2016-17/gruppe5/station1.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/04 21:02 (Externe Bearbeitung)