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Tandem 13G

  • Tandempartner*in 1: Halime, Baykan
  • Tandempartner*in 2: Fareeha, Nabizada

Entwurfsfassung Studienanalyse (freiwillig)

(1. Forschungsgegenstand und theoretische Verankerung)

2. Fragestellung und Forschungsperspektive

3. Feldzugang und Annäherung an das Feld

4. Erhebungsverfahren

5. Fixierung der Daten

6. Auswertungsverfahren und Interpretation

(7. Geltungsbegründung und Gütekriterien)

(8. Forschung als Diskurs)

(9. Sonstiges)

Literatur


Endfassung Studienanalyse (verpflichtend)

1. Forschungsgegenstand und theoretische Verankerung

Der Forschungsgegenstand der Studie ist die Identifikation von Steuerungsmechanismen und ein‐ zusetzenden Instrumenten, die zur Sicherung der Medienbildung in der Institution Kindertagesstätte beitragen (vgl. Goetz 2017, S. 426). Die Studie entspricht der heuristischen Sozialforschung (vgl. Goetz 2017, S. 123). Hierbei ordnet Goetz die Dissertation in die Grounded Theory ein „gegenstandsverankerte Theorie, die aus der Untersuchung des Phänomens abgeleitet wird, welches sie abbildet […] und vorläufig bestätigt“ (vgl. Goetz 2017, S.127). Die Bildung und Überprüfung von Theorien soll in der qualitativen Forschung empirisch d.h. in den Daten verankert sein, so dass die Möglichkeit besteht Erkenntnisse zu entdecken und modifizieren. Hierfür gibt es verschiedene Methoden, die die empirische Verankerung gewährleisten z.B. die kodifizierte Methode, die Goetz anwendet und dabei die Grounded Theory nutzt (vgl. Steinke 2013, S.328). Goetz verwendet das triangulierte Verfahren zur Untersuchung des Forschungsgegenstandes. Das Verfahren gibt die Möglichkeit unterschiedliche Methoden, Zugänge und Sichtweisen zum Forschungsstand für einen größeren Erkenntnisgewinn zu erhalten (vgl. Goetz 2017, S. 141). Nach Flick (2009) soll der Forschende der Theorie gegenüber offen sein (vgl. S.150). Dies trifft ebenfalls auf Goetz zu. Sie erläutert ihre Vorannahmen und Wissen zum Forschungsgegentand und zeigt somit ihre Offenheit dabei (vgl. Goetz 2017, S.126).

2. Fragestellung und Forschungsperspektive

Goetz beginnt ihre Studie mit vier umfangreichen Fragestellungen, die jeweils weitere Unterfragen haben (vgl. Goetz 2017, S. 122). Die Fragestellungen sind präzise, zielgerichtet und eindeutig formuliert worden, sodass die Vorgaben „wer, wie, was“ gefragt werden können. Laut Flick (2009) muss eine Fragestellung diese Kriterien erfüllen, die von Goetz umgesetzt wurden. Allerdings ist Flick (2009) der Meinung, dass durch mehrere Unterfragen die Forschungsfrage ungenau bleibt und die Studie überladen wird (vgl. S. 39). Die Thematik der Studie und die dazu erstellten Fragen greifen gesellschaftliche relevante Problemstellungen auf, die für Flick beim Erstellen einer Fragestellung mit zuberücksichtigen ist (ebd., S. 38). Die Themen für die jeweiligen Gruppen und Mitglieder sollen spezifische Bedeutungen und Inhalte haben (ebd., S. 38). Die frühe Medienbildung ist ein aktuelles Thema in der Gesellschaft, daher sind die Fragestellungen passend gewählt. Fragestellungen können auf spezielle Teilgruppen der Gesellschaft gerichtet sein (ebd., S. 39). Demzufolge stellt Goetz nicht die Kinder im Mittelpunkt, sondern die Akteure der Kindertagesstätte, wie z.B. Erzieher/in, Leiter/in (vgl. Goetz 2017, S. 120). Die Fragestellung muss theoretisch begründet sein, sodass eine bestimmte Forschungsperspektive zu erkennen ist (vgl. Flick 2009, S. 38), da Goetz ihr Vorwissen und Annahmen offenlegt, wird ihre Perspektive zum Teil ersichtlich (vgl. Goetz 2017, S. 126). Ein weiteres Kriterium ist, dass die Fragestellung so formuliert sein muss, dass die Methoden der Sozialforschung anwendbar sind (vgl. Flick 2009, S. 39). Goetz wendet zur Untersuchung der Fragstellungen das triangulierte Verfahren an und stellt die zwei Methoden Stichprobenziehung und Sampling vor (vgl. Goetz, S.137-141) und führt dies an beiden aus, aber die quantitative Methode erwies sich als vorteilhafter (ebd., S. 427).

3. Feldzugang und Annäherung an das Feld

Nach Flick (2009) muss bei Forschungen in Institutionen zu allererst der Zugang zur Institution organisiert werden (vgl. S.66). Goetz hat die Kindertagesstätte als Institution gewählt und die erste Annäherung zur Untersuchung hat durch die Leiterin stattgefunden (vgl. Goetz 2017, S. 427). Darauf basierend wurde ein Zugang zu Einzelpersonen gewährleistet, die auch an der Forschung teilnehmen z.B. Erzieher/innen, Eltern. Dies ist eine weitere Annäherung an das Feld (vgl. Flick 2009, S.66). Durch die Warming–up Phase vor Anfang der Gruppendiskussion hat sich ein Vertrauen- und Interessenschutz zwischen den Teilnehmenden gebildet und somit Harmonie verschaffen (vgl. Goetz 2017, S.372). Durch die Aufklärung vor Beginn der Befragungen, wird die Genehmigung abgeklärt, die gleichzeitig die Seriosität der Forschung verdeutlicht (vgl. Flick 2009, S. 66). Goetz setzt das Nähe und Distanz Verhältnis angemessen um, indem sie im Geschehen der Diskussion mit dabei ist, aber gleichzeitig die Distanz behält, währendsie nur beobachtet und sich zurückhält, somit wird Professionalität erwiesen(vgl. Goetz 2017, S.372).

4. Erhebungsverfahren

Allgemein wird für die Beschaffung der Forschungsgegenstände sowohl die Grounded Theory als auch die heuristische Sozialforschung gewählt (vgl. Goetz, 2017, S. 426.). Für die quantitative Datenerhebung verwendet Goetz die schriftliche Fragebogenmethode (vgl. Goetz, 2017, S.142.) und die Gruppendiskussionsmethode zur Herausarbeitung von kollektiven Orientierungen (vgl. Goetz, 2017, S. 149.). Die Paper-Pencil-Methode dient in diesem Fall als eine schriftliche Befragung und kann zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt und ohne die Anwesenheit der forschenden Person durchgeführt werden (vgl. Goetz, 2017, S. 142f.). Für Flick (2009) ist die Nutzung von Fragebögen ein Teil der quantitativen Forschung und ist eine geeignete Methode der Datenerhebung (vgl. S. 62ff.). Für die qualitative Forschung entscheidet sich Frau Goetz für die Gruppendiskussion, indem die beforschten Personen über ein bestimmtes Thema diskutieren, ihre Meinungen austauschen und kollektive Orientierungen herausarbeiten (vgl. Goetz, 2017, S.149.). Im Allgemeinen gilt die Gruppendiskussion als eine angemessene Vorgehensweise in der Forschung, doch auch hier sollte zwischen einer homogenen und heterogenen Gruppe differenziert werden (vgl. Flick, 2009, S. 122.). Diese Gruppendiskussion kann als eine homogen betrachtet werden, da nur Individuen in diesem Tätigkeitsbereich an der Diskussion teilnehmen (vgl. Goetz, 2017, S.150.). Auch wenn diese Menschen konkrete Erfahrungen und Wissen in diesem Bereich mitbringen, kann es trotzdem zu einer Verfälschung bzw. zu einem homogenen Austausch kommen.

5. Fixierung der Daten

Laut Flick (2009) spielt die richtige Dokumentation der erhobenen Daten, ihre Codierung und ihre Auswertung eine essenzielle Rolle für die Qualität der empirischen Forschung (vgl. S.67.). Hierbei sollten Tonbänder oder Videoaufnahmen, für eine bessere Nachvollziehung, bevorzugt werden (vgl. Flick, 2009, S.138f.), an das sich Goetz mit einem Audio-Mitschnitt einhält (vgl. Goetz, 2017, S.372.). „Die Auswertung der Daten aus den Gruppendiskussionen erfolgte softwareunterstützt (MAXQDA) auf Basis der qualitativen Inhaltsanalyse. Dabei wurde nah an den Daten gearbeitet, in mehreren Zyklen codiert und ausgewertet.“ (Goetz, 2017, S. 428.) Die Dokumentation erfolgte also auf einem geeigneten, und nachvollziehbaren Weg.

6. Auswertungsverfahren und Interpretation

Das Forschungsprojekt basiert auf die heuristische Sozialforschung (vgl. Krotz, 2005; Kleining 1994, zitiert nach Goetz, 2017, S.123.) und bezieht sich auf wesentliche Positionen der Grounded Theory (vgl. Glaser & Strauss, 2008; Strübing 2014, zitiert nach Goetz, 2017, S. 123.) In der Grounded Theory ist das Kodieren ein sehr wichtiger Punkt und wird in drei Abschnitten vollzogen: das offene, axiale und selektive Kodieren (vgl. Goetz, 2017, S.128.). Nach Flicks (2009) Überzeugung ist die Kodierung bzw. die Kategorisierung für die Auswertung der Daten unumgänglich (vgl. S. 67f.) und findet nach seinen Vorschriften in der Dissertationen statt. In diesem Fall wird „In der Auswertung der Gruppendiskussion wird zwischen zwei Sinnebenen unterschieden: der wörtliche, immanente Sinngehalt der Aussagen sowie der dokumentarische, „konjunktive“.“(vgl. Bohnsack & Schäffer 2001, S. 333, zitiert nach Goetz, 2017, S. 157.) Die ganze Interpretation wird durch mehrere Schritte ermöglicht und liefert mögliche Typenbildungen und Ergebnisse (vgl. Goetz, 2017, S. 157.) und ermöglicht auch somit eine Erklärung der Zusammenhänge, die ohne die Interpretation keinerlei Bedeutung hätten (vgl. Flick, 2009, S. 68.). Dennoch wird in der Dissertation erwähnt, dass eine vollständige Auswertung unmöglich ist und beweist damit Transparenz in ihrem Vorgehen (vgl. Goetz, 2017, S. 156.).

7. Geltungsbegründung und Gütekriterien

Steinke benennt Objektivität, Reliabilität und Validität als zentrale Kriterien der qualitativen Forschung (vgl. Steinke 2013, S.320). Die Studie von Goetz ist der qualitativen Forschung einzuordnen, aber laut ihn sind diese Kriterien nicht deutlich wieder zuerkennen (vgl. Goetz 2017, S.164). Hierfür sind andere Bewertungskriterien wieder zu finden z.B. intersubjektive Nachvollziehbarkeit, Empirische Verankerung, Verallgemeinbarkeit der entwickelten Theorie und die Indikation der Methoden (ebd., S.164,165). Die Dokumentation der Forschung wurde präzise und detailliert dokumentiert, das heißt der Leser kann Schritt für Schritt Goetz Verfahrensrichtlinien und Interpretation verstehen und nachvollziehen. Die Grounded Theory ist laut Steinke eine Methode, um die empirische Verankerung zu gewährleisten (vgl. Steinke 2013, S. 328) und diese Theorie wird von Goetz angewandt. Dadurch, dass Goetz sich für das triangulierte Verfahren entschieden hat, werden unterschiedliche Methoden zur Auswertung der Daten genutzt (z.B. Sampling). Die Warming-Up Phase zum Vertrauensaufbau zwischen Forschenden und Teilnehmenden sprechen ebenfalls für das Bewertungskriterium Indikation (vgl. Goetz 2017, S. 372).

8. Forschung als Diskurs

Bei der Forschung als Diskurs wird das Subjektverständnis der Forschung erneut thematisiert und erneut die Menge an Einbeziehung der Erforschten angeschaut (vgl. Flick, 1995, S.170.). In der Dissertation gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Ergebnisse der Forschung in Nachhinein mit den Erforschten besprochen worden sind (vgl. Goetz, 2017, S. 349.), obwohl für Flick (1995) eine Rückmeldung nach dem Abschluss der Datenerhebung für die Validität der Arbeit sehr wichtig ist (vgl. S. 170.). Es ist durchaus möglich, dass die Verfasserin sich bewusst für keine Rückmeldung entschieden hat, da sich die Meinungen zur Validität durch Rückmeldung spalten. Eine Rückmeldung könnte auch zur einer Fehlinterpretation führen und somit nur wenig über die Qualität der Forschung aussagen (vgl. Miethe, 2003, S. 227.)

9. Sonstiges

Literatur

Flick, U. (1995). Stationen des qualitativen Forschungsprozesses. In U. Flick, E. Kardorff, H. Keupp, L. von Rosenstiel & S.W. (Hrsg.), Handbuch qualitative Sozialforschung: Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen (2. Aufl.). S. 148-173. Beltz Verlag.

Flick, U. (2009). Sozialforschung: Methoden und Anwendungen: Ein Überblick für die BA-Studiengänge. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Goetz, I. (2017). Steuerungsmechanismen zur Sicherstellung der Medienbildung in Kindertagesstätten: Eine empirische Studie zur Kindertagesbetreuung im Land Berlin (Inaugural-Dissertation). https://d-nb.info/116800960X/34. abgerufen am 13.09.2021.

Miehte, I. (2003). Das Problem der Rückmeldung: forschungsethische und -praktische Erfahrungen und Konsequenzen in der Arbeit mit hermeneutischen Fallrekonstruktionen. Zeitschrift für qualitative Bildungs-, Beratungs- und Sozialforschung, 4 (2003) 2, (S.223-240). https://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/27948. abgerufen am 13.09.2021.

Steinke, I. (2013): Gütekriterien qualitativer Forschung. In: Flick, U., von Kardorff, E. & Steinke, I. (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch (S. 319-331). Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch.


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