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lehre:sose2021:sozialwissmeth:analysen:goetz:tandem02g

Tandem 02G

  • Tandempartner*in 1: Sajadian, Hiva
  • Tandempartner*in 2: Piskala, Rajshree

Entwurfsfassung Studienanalyse (freiwillig)

(1. Forschungsgegenstand und theoretische Verankerung)

Der Untersuchungsgegenstand bezieht sich bei Goetz auf Steuerungsmechanismen zur Sicherstellung der Medienbildung in Kindertagesstätten, hierbei werden Kindertagesbetreuungen bezüglich der Medienbildung- und Erziehung und den damit verbundenen Handlungspraktiken untersucht (Goetz, 2017, S.166). Die Studie lässt sich in die Grounded Theory einordnen, da es hierbei laut Flick (1995, S.150) keine Hypothesenbildung gibt und die gegenstandsnahe Theorienbildung das Ziel ist, welches auch die Autorin in der Dissertation bestätigt, dementsprechend gibt es also weder implizite noch explizite Hypothesen (Goetz, 2017, S.125 ff.). Die Autorin hat die heuristische Sozialforschung ausgewählt (Goetz, 2017, S.123). Indem die Autorin den Forschungsstand des Untersuchungsgegenstands aufzeigt lässt sich sagen, dass die Autorin ein gewissen Grad an Vorwissen besitzt (Goetz, 2017, S.120-122). Jedoch ist nicht explizit aus der Studie herauszufinden, wie viel Vorwissen die Autorin mit sich bringt. Laut Flick (1995) sei dies jedoch in Ordnung, da es wichtiger ist den Daten und dem untersuchten Gegenstand mehr Priorität zu geben als den theoretischen Annahmen. Diese sollen vielmehr durch die Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsgegenstand entdeckt werden (S. 150). Die Autorin macht deutlich, dass das Prinzip der Offenheit hinsichtlich dem Gegenstand und der Daten geachtet werden muss und Voreingenommenheiten vermieden werden sollten (Goetz, 2017, S.126).

2. Fragestellung und Forschungsperspektive

Laut Flick (2009) sollte die Fragestellung am besten ein gesellschaftlich relevantes Problem aufweisen und theoretisch begründet sein (S.38). Das Ziel der Fragestellung besteht darin, einen Nutzen und Erkenntnisse zu erzielen (Flick, 2009, S.38). In der Dissertation wird die Relevanz des Themas deutlich von der Autorin geschildert (Goetz, 2017, S.120 f.). Die Autorin hat jedoch nicht nur eine Fragestellung verwendet, sondern mehrere (Goetz, 2017, S.120 f.). Diese Fragestellungen wurden jeweils präzise formuliert und enthalten dazu weitere Unterfragen, es gibt also eine klare Struktur und die Fragestellungen sind auch theoretisch begründet. In der Studie wird die Integration der Medienbildung in einem Mehrebenenmodell realisiert mit besonderem Fokus der Steuerungsmöglichkeiten auf der Mesoebene (Goetz, 2017, S.120). Kritisiert muss werden, dass die Autorin jedoch zu viele Fragestellungen verwendet. Dies kann zur zur Verwirrung führen, da man den Überblick leicht verlieren kann. Laut Flick (2009) ist es in Ordnung, mehrere Fragestellungen und Unterfragen zu integrieren, jedoch sollten es nicht zu viele sein (S.39), welches die Autorin nur teils erfüllt. Das Ziel ihrer Arbeit ist es zu erläutern, auf welchem Stand sich die Medienbildung in Berlin befindet und welche Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung identifiziert werden (Goetz, 2017, S.120). Die Forschungsperspektive ist bei der Studie die Deskription sozialen Handelns und sozialer Milieus (sozialer Sinn), da laut Lamnek & Krell (2016) Gruppendiskussionen, Beobachtungsmethoden und Interviews Erhebungsmethoden sind, welche auch bei der vorliegenden Forschung angewandt werden (Lamnek & Krell, 2016, S.42). In der Dissertation wurden sowohl qualitative Forschungen (bei Gruppendiskussionen), als auch quantitative Forschungen (Fragebögen) angewandt, sie geht nach dem Ablaufmodell von Mayring (2001) vor (Goetz, 2017, S.123). In der Forschung erfolgt der Zugang nur über die Leitungsperson der jeweiligen Kita (Goetz, 2017, S.142). Auch die Zusammensetzung der Gruppen erfolgt durch die Leitung, dem „Gatekeeper“ (Goetz, 2017, S.142). Die Autorin ist sehr transparent dem Forschungsausschnitt, der Forschungsperspektive und der Fragestellung gegenüber, da sie Offenheit verdeutlicht. Ebenso merkt man, dass sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat, da sie alles detailliert vorstellt. Das Basisdesign dieser Forschung ist eine Momentaufnahme.

3. Feldzugang und Annäherung an das Feld

Der Feldzugang erfolgt durch die Leitung, hierbei gibt es einen begrenzten Zugang zu den Eltern (Goetz, 2017, S.142). Die Autorin gestaltet ihre Rolle als eine offene/teilnehmende Beobachterin. In der Warming-up Phase vor Beginn der Gruppendiskussion und bei der Aufklärung der Teilnahme wird ein Vertrauens- und Interessenschutz gewährleistet (Goetz, 2017, S.351/361 & 372). Für eine gute Balance des Verhältnisses von Nähe und Distanz braucht man eine gewisse Professionalität (Hausknecht, 2012, S.7). Dies erfüllt die Forscherin sehr gut. Vertrauen ist auch ein Kernpunkt, der auf die Nähe verweist, welches die Autorin in den Warming-up Phasen bedacht hat (Hausknecht, 2012, S.9). Eine gewisse Distanz hilft auch dabei, professionell arbeiten zu können (Hausknecht, 2012, S.5). Dies erfüllt die Forscherin, in dem sie oft die Beobachter Rolle einnimmt. Auch die Wahl der Gruppengröße ist entscheidend für das Vertrauen. Der Fremdenstatus ergibt sich daraus, dass sie nicht Teil der Gruppen ist, sonst wäre die Umfrage verfälscht. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Leiter*innen die Erzieher aussuchen und dadurch die Gruppenverteilung möglicherweise ungleich verteilt ist.

4. Erhebungsverfahren

Die Autorin führt eine Kombination aus einer schriftlichen Befragung, sowie einer Gruppendiskussion durch (Goetz, 2017, S.139). Die schriftliche Befragung wird nach der quantitativ orientierten deskriptiven Statistik erhoben und die Gruppendiskussion wird entsprechend der qualitativen Inhaltsanalyse, sowie der dokumentarischen Interpretation erhoben (Goetz, 2017, S.123) Für die schriftliche Befragung wird eine Paper-Pencil-Methode angewendet, welches im Feld stattfindet (Goetz, 2017, S.142). Die Gruppendiskussion hingegen findet im Praxisfeld statt und ist in den Tagesablauf der Teilnehmer eingebunden (Goetz, 2017, S.124). Durch die Gruppendiskussion gewährleistet die Autorin eine Multiperspektivität der Teilnehmer (Flick, 2009, S.122). Die Autorin entscheidet sich außerdem bewusst für das „Prinzip der Naturalistizität“, welches versucht ein realitätsgerechtes Bild der Wirklichkeit abzubilden und künstliche Situationen meidet (Lamnek, 1995, S.19). Jedoch ist anzumerken, dass die Versuchsleiterin die Teilnehmer für die Gruppendiskussion rekrutiert hat und somit möglicherweise ein Bias seitens der Versuchsleiterin liegen kann. Die Autorin verwendet rekonstruktive und interpretative Verfahren an und die Auswertung der Gruppendiskussionen erfolgt in einem zirkulären Prozess (Goetz, 2017, S.156). Die Daten werden hauptsächlich vom Subjekt (Gruppenteilnehmer) und der jeweiligen Situation erhoben (Flick, 1995, S.159). Die Forscherin hält sich im Wesentlichen zurück und nimmt einen Beobachterstatus ein. Die Autorin thematisiert detailliert, ob Verzerrungen auftreten können und macht deutlich, dass die Gruppendiskussion sich ungewöhnlich darstellt. Das Verfahren der Datensammlung scheint angemessen zu sein, da die verwendete Methoden- Triangulation eine tiefere Analyse des Forschungsgegenstands ermöglicht (Goetz, 2017, S. 138). Entsprechende Verzerrungen werden spezifisch genannt und somit reflektiert die Autorin, wie ihre Forschung damit beeinflusst wird. Es ist nicht aus der Studienanalyse herauszufinden, ob die Autorin ausreichend qualifiziert ist. Die Autorin zeigt auf, dass sie theoretisches Wissen in Bezug auf Sozialforschung besitzt, jedoch ist nicht deutlich verschriftlicht, inwiefern diese bei der Ausübung der Forschung verwendet wurden.

5. Fixierung der Daten

Die Dokumentation der Gruppendiskussion erfolgt über einen Audiomitschnitt, welches anschließend transkribiert wird (Goetz, 2017, S. 154). Die Dokumentation wird entsprechend einer Software „MAXQDA“ realisiert und ermöglicht eine transparente und nachvollziehbare Darstellung (Goetz, S. 128). Die Daten werden somit nachvollziehbar und angemessen aufbereitet (Flick, 2009, S.67).

6. Auswertungsverfahren und Interpretation

Die Autorin stützt sich bei der Datenauswertung auf die heuristische Sozialforschung mit Bezügen der „Grounded Theory“ (Goetz, 2017, S. 123). Die Gruppendiskussion erfolgte softewareunterstützt auf Basis der qualitativen Inhaltsanalyse (Goetz, 2017, S.428). Für die Interpretation der Daten nach der Grounded Theory erfolgt dies in drei Prozeduren: offenes Kodieren, axiales Kodieren und selektives Kodieren. Dadurch erlangt die Forscherin ein tieferes Verständnis von Inhalt und Gehalt des Textes jenseits seiner Paraphrase und Zusammenfassung (Flick, 2016, S.167). Die Autorin entwickelt die Codes durch ein induktives Verfahren, womit Aussagen gekennzeichnet und im weiteren Verlauf Kategorien abgeleitet werden. Somit erfüllt Goetz das Kriterium der Offenheit, da sie sicherstellt, dass die erhobenen Daten/Codes natürlich aus dem Kontext abgeleitet und interpretiert werden (Lamnek & Krell, 2016). Des weiteren benutzt die Autorin Code-Notizen (Memos), um Auffälligkeiten zu notieren und die Beziehung zwischen den Codes und Kategorien darzustellen (Goetz, 2017, S.128). Außerdem macht sie deutlich, dass das Material nicht vollständig in seinem Umfang auszuwerten ist und es auch nicht möglich ist den gemeinten Sinn gänzlich zu erfassen (Goetz, 2017, S.156). Aus dem Forschungsvorhaben ist nicht zu erkennen, ob mehrere Personen an der Forschung beteiligt sind und inwiefern eine gesättigte Theorie stattgefunden hat, da dieses Kriterium nur durch den Austausch mit anderen Forschern vollständig gewährleistet werden kann (Dimbath, Ernst-Heidenreich & Roche, 2018).

(7. Geltungsbegründung und Gütekriterien)

Die Gütekriterien Reliabilität, Validität und Objektivität werden von der Autorin thematisiert, jedoch nicht verwendet und deshalb andere Kriterien herangezogen. Nach Steinke (2013) sollte man durchaus Kriterien verwenden, die deren eigenem Profil der Forschung entsprechen. Hierbei ist es wichtig ein System von Kriterien zu entwickeln, das möglichst viele Aspekte der Bewertung der qualitativen Forschung abdeckt (S.322-333). Diese drei Kriterien sind deshalb nur bedingt auf qualitative Kriterien übertragbar. Nach Steinke (2013) gibt es sieben Kernkriterien für die qualitative Forschung (S.323-331). Goetz (2017) thematisiert hierbei vier der sieben Aspekte: Angemessenheit, empirische Verankerung, Verallgemeinerbarkeit und die intersubjektive Nachvollziehbarkeit (S. 164-165). Da die Forschung hauptsächlich in Berlin stattfand und somit an einem spezifischen Handlungsfeld gebunden ist, lassen sich die Ergebnisse nicht auf die Gesamtbevölkerung verallgemeinern.Für die Verallgemeinerung bedarf es weiterführender Forschung und Ausdifferenzierung (Goetz, 2017, S. 429). Und dadurch, dass die Leitung die Teilnehmer für die Studie aussuchte könnten interessante Fälle unberücksichtigt bleiben (Flick, 2009, S.95).

Die Erkenntnisse sind ausreichend empirisch verankert, da die Autorin ihre Fragestellung durch empirische Daten und der systematischen Datenanalyse beantwortet. Darüberhinaus verwendet Goetz hinreichende Textbelege, um ihre Aussagen zu bekräftigen (Steinke, 2013, S.328). Laut Steinke (2013) sollte man auf quantitative Methoden zurückgreifen (S. 327), die Autorin hat sich jedoch für die qualitative Variante nach Mayring (2001) entschieden. Die dokumentierten Prozesse der Erkenntnisgewinnung sind nachvollziehbar, da vor Allem die erhobenen Daten sorgfältig verschriftlicht worden sind und man somit ihren Aussagen gut folgen kann. Dadurch macht die Autorin ihr Forschungsvorhaben auch transparent.

(8. Forschung als Diskurs)

Laut Flick (1995) ist es wichtig die erhobenen Daten des Forschers den Teilnehmern rückzumelden. Durch den Dialog mit den Teilnehmern gelingt es dem Forscher die Daten besser zu interpretieren. Auch soll damit sichergestellt werden, dass die erhobenen Daten für die Forschungsteilnehmer zugänglich gemacht werden und nachvollziehbar aufbereitet worden sind (S.170). In der Dissertation wird jedoch nicht darauf eingegangen inwiefern die erhobenen Daten und Ergebnisse der Forschung den Forschungsteilnehmer rückgemeldet worden sind. Somit sinkt die Qualität der kommunikativen Validierung (Flick, 1995, S.170).

(9. Sonstiges)

Literatur

Dimbath, O., Ernst-Heidenreich, M. & Roche, M. (2018). Praxis und Theorie des Theoretical Sampling: Methodologische Überlegungen zum Verfahren einer verlaufsorientierten Fallauswahl. Forum Qualitative Sozialforschung, 19(3). https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/2810/431.

Flick, U. (1995). Stationen des qualitativen Forschungsprozesses. In U. Flick, E. Kardorff, H. Keupp, L. von Rosenstiel & S.W. (Hrsg.), Handbuch qualitative Sozialforschung: Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen (2. Aufl., S. 148-173). Beltz Verlag.

Flick, U. (2009). Sozialforschung: Methoden und Anwendungen. Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Flick, U. (2016). Sozialforschung: Methoden und Anwendungen: Ein Überblick für die BA-Studiengänge (3. Aufl.). Rohwolt Taschenbuch Verlag.

Goetz, I. (2017, Dezember). Steuerungsmechanismen zur Sicherstellung der Medienbildung in Kindertagesstätten: Eine empirische Studie zur Kindertagesbetreuung im Land Berlin (Inaugural-Dissertation). https://d-nb.info/116800960X/34.

Hausknecht, Bianca (2012): Balanceakt Nähe und Distanz -Eine Herausforderung in der Sozialen Arbeit-; Masterstudiengang „Social Work“.

Lamnek, S. (1995). Qualitative Sozialforschung: Band 1 Methodologie (Bd. 1). Beltz Verlag.

Lamnek, S. & Krell, C. (2016). Qualitative Sozialforschung (6. Aufl.). Beltz Verlag.

Steinke, I. (2013). Gütekriterien qualitativer Forschung. In U. Flick, E. von Kardorff & I. Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung: Ein Handbuch (10. Aufl., S. 322–333). Rohwohlt Taschenbuch Verlag.


Endfassung Studienanalyse (verpflichtend)

1. Forschungsgegenstand und theoretische Verankerung

Der Untersuchungsgegenstand bezieht sich bei Goetz auf Steuerungsmechanismen zur Sicherstellung der Medienbildung in Kindertagesstätten, hierbei werden Kindertagesbetreuungen bezüglich der Medienbildung- und Erziehung und den damit verbundenen Handlungspraktiken untersucht (Goetz, 2017, S.166). Die Studie lässt sich in die Grounded Theory einordnen, da es hierbei laut Flick (1995, S.150) keine Hypothesenbildung gibt und die gegenstandsnahe Theorienbildung das Ziel ist, welches auch die Autorin in der Dissertation bestätigt, dementsprechend gibt es also weder implizite noch explizite Hypothesen (Goetz, 2017, S.125 ff.). Die Autorin hat die heuristische Sozialforschung ausgewählt (Goetz, 2017, S.123). Indem die Autorin den Forschungsstand des Untersuchungsgegenstands aufzeigt lässt sich sagen, dass die Autorin ein gewissen Grad an Vorwissen besitzt (Goetz, 2017, S.120-122). Jedoch ist nicht explizit aus der Studie herauszufinden, wie viel Vorwissen die Autorin mit sich bringt. Laut Flick (1995) sei dies jedoch in Ordnung, da es wichtiger ist den Daten und dem untersuchten Gegenstand mehr Priorität zu geben als den theoretischen Annahmen. Diese sollen vielmehr durch die Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsgegenstand entdeckt werden (S. 150). Die Autorin macht deutlich, dass das Prinzip der Offenheit hinsichtlich dem Gegenstand und der Daten geachtet werden muss und Voreingenommenheiten vermieden werden sollten (Goetz, 2017, S.126).

2. Fragestellung und Forschungsperspektive

Laut Flick (2009) sollte die Fragestellung am besten ein gesellschaftlich relevantes Problem aufweisen und theoretisch begründet sein (S.38). Das Ziel der Fragestellung besteht darin, einen Nutzen und Erkenntnisse zu erzielen (Flick, 2009, S.38). In der Dissertation wird die Relevanz des Themas deutlich von der Autorin geschildert (Goetz, 2017, S.120 f.). Die Autorin hat jedoch nicht nur eine Fragestellung verwendet, sondern mehrere (Goetz, 2017, S.120 f.). Diese Fragestellungen wurden jeweils präzise formuliert und enthalten dazu weitere Unterfragen, es gibt also eine klare Struktur und die Fragestellungen sind auch theoretisch begründet. In der Studie wird die Integration der Medienbildung in einem Mehrebenenmodell realisiert mit besonderem Fokus der Steuerungsmöglichkeiten auf der Mesoebene (Goetz, 2017, S.120). Kritisiert muss werden, dass die Autorin jedoch zu viele Fragestellungen verwendet. Dies kann zur zur Verwirrung führen, da man den Überblick leicht verlieren kann. Laut Flick (2009) ist es in Ordnung, mehrere Fragestellungen und Unterfragen zu integrieren, jedoch sollten es nicht zu viele sein (S.39), welches die Autorin nur teils erfüllt. Das Ziel ihrer Arbeit ist es zu erläutern, auf welchem Stand sich die Medienbildung in Berlin befindet und welche Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung identifiziert werden (Goetz, 2017, S.120). Die Forschungsperspektive ist bei der Studie die Deskription sozialen Handelns und sozialer Milieus (sozialer Sinn), da laut Lamnek & Krell (2016) Gruppendiskussionen, Beobachtungsmethoden und Interviews Erhebungsmethoden sind, welche auch bei der vorliegenden Forschung angewandt werden (Lamnek & Krell, 2016, S.42). In der Dissertation wurden sowohl qualitative Forschungen (bei Gruppendiskussionen), als auch quantitative Forschungen (Fragebögen) angewandt, sie geht nach dem Ablaufmodell von Mayring (2001) vor (Goetz, 2017, S.123). In der Forschung erfolgt der Zugang nur über die Leitungsperson der jeweiligen Kita (Goetz, 2017, S.142). Auch die Zusammensetzung der Gruppen erfolgt durch die Leitung, dem „Gatekeeper“ (Goetz, 2017, S.142). Die Autorin ist sehr transparent dem Forschungsausschnitt, der Forschungsperspektive und der Fragestellung gegenüber, da sie Offenheit verdeutlicht. Ebenso merkt man, dass sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat, da sie alles detailliert vorstellt. Das Basisdesign dieser Forschung ist eine Momentaufnahme.

3. Feldzugang und Annäherung an das Feld

Der Feldzugang erfolgt durch die Leitung, hierbei gibt es einen begrenzten Zugang zu den Eltern (Goetz, 2017, S.142). Die Autorin gestaltet ihre Rolle als eine offene/teilnehmende Beobachterin. In der Warming-up Phase vor Beginn der Gruppendiskussion und bei der Aufklärung der Teilnahme wird ein Vertrauens- und Interessenschutz gewährleistet (Goetz, 2017, S.351/361 & 372). Für eine gute Balance des Verhältnisses von Nähe und Distanz braucht man eine gewisse Professionalität (Hausknecht, 2012, S.7). Dies erfüllt die Forscherin sehr gut. Vertrauen ist auch ein Kernpunkt, der auf die Nähe verweist, welches die Autorin in den Warming-up Phasen bedacht hat (Hausknecht, 2012, S.9). Eine gewisse Distanz hilft auch dabei, professionell arbeiten zu können (Hausknecht, 2012, S.5). Dies erfüllt die Forscherin, in dem sie oft die Beobachter Rolle einnimmt. Auch die Wahl der Gruppengröße ist entscheidend für das Vertrauen. Der Fremdenstatus ergibt sich daraus, dass sie nicht Teil der Gruppen ist, sonst wäre die Umfrage verfälscht. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Leiter*innen die Erzieher aussuchen und dadurch die Gruppenverteilung möglicherweise ungleich verteilt ist.

4. Erhebungsverfahren

Die Autorin führt eine Kombination aus einer schriftlichen Befragung, sowie einer Gruppendiskussion durch (Goetz, 2017, S.139). Die schriftliche Befragung wird nach der quantitativ orientierten deskriptiven Statistik erhoben und die Gruppendiskussion wird entsprechend der qualitativen Inhaltsanalyse, sowie der dokumentarischen Interpretation erhoben (Goetz, 2017, S.123) Für die schriftliche Befragung wird eine Paper-Pencil-Methode angewendet, welches im Feld stattfindet (Goetz, 2017, S.142). Die Gruppendiskussion hingegen findet im Praxisfeld statt und ist in den Tagesablauf der Teilnehmer eingebunden (Goetz, 2017, S.124). Durch die Gruppendiskussion gewährleistet die Autorin eine Multiperspektivität der Teilnehmer (Flick, 2009, S.122). Die Autorin entscheidet sich außerdem bewusst für das „Prinzip der Naturalistizität“, welches versucht ein realitätsgerechtes Bild der Wirklichkeit abzubilden und künstliche Situationen meidet (Lamnek, 1995, S.19). Jedoch ist anzumerken, dass die Versuchsleiterin die Teilnehmer für die Gruppendiskussion rekrutiert hat und somit möglicherweise ein Bias seitens der Versuchsleiterin liegen kann. Die Autorin verwendet rekonstruktive und interpretative Verfahren an und die Auswertung der Gruppendiskussionen erfolgt in einem zirkulären Prozess (Goetz, 2017, S.156). Die Daten werden hauptsächlich vom Subjekt (Gruppenteilnehmer) und der jeweiligen Situation erhoben (Flick, 1995, S.159). Die Forscherin hält sich im Wesentlichen zurück und nimmt einen Beobachterstatus ein. Die Autorin thematisiert detailliert, ob Verzerrungen auftreten können und macht deutlich, dass die Gruppendiskussion sich ungewöhnlich darstellt. Das Verfahren der Datensammlung scheint angemessen zu sein, da die verwendete Methoden- Triangulation eine tiefere Analyse des Forschungsgegenstands ermöglicht (Goetz, 2017, S. 138). Entsprechende Verzerrungen werden spezifisch genannt und somit reflektiert die Autorin, wie ihre Forschung damit beeinflusst wird. Es ist nicht aus der Studienanalyse herauszufinden, ob die Autorin ausreichend qualifiziert ist. Die Autorin zeigt auf, dass sie theoretisches Wissen in Bezug auf Sozialforschung besitzt, jedoch ist nicht deutlich verschriftlicht, inwiefern diese bei der Ausübung der Forschung verwendet wurden.

5. Fixierung der Daten

Die Dokumentation der Gruppendiskussion erfolgt über einen Audiomitschnitt, welches anschließend transkribiert wird (Goetz, 2017, S. 154). Die Dokumentation wird entsprechend einer Software „MAXQDA“ realisiert und ermöglicht eine transparente und nachvollziehbare Darstellung (Goetz, S. 128). Die Daten werden somit nachvollziehbar und angemessen aufbereitet (Flick, 2009, S.67).

6. Auswertungsverfahren und Interpretation

Die Autorin stützt sich bei der Datenauswertung auf die heuristische Sozialforschung mit Bezügen der „Grounded Theory“ (Goetz, 2017, S. 123). Die Gruppendiskussion erfolgte softewareunterstützt auf Basis der qualitativen Inhaltsanalyse (Goetz, 2017, S.428). Für die Interpretation der Daten nach der Grounded Theory erfolgt dies in drei Prozeduren: offenes Kodieren, axiales Kodieren und selektives Kodieren. Dadurch erlangt die Forscherin ein tieferes Verständnis von Inhalt und Gehalt des Textes jenseits seiner Paraphrase und Zusammenfassung (Flick, 2016, S.167). Die Autorin entwickelt die Codes durch ein induktives Verfahren, womit Aussagen gekennzeichnet und im weiteren Verlauf Kategorien abgeleitet werden. Somit erfüllt Goetz das Kriterium der Offenheit, da sie sicherstellt, dass die erhobenen Daten/Codes natürlich aus dem Kontext abgeleitet und interpretiert werden (Lamnek & Krell, 2016). Des weiteren benutzt die Autorin Code-Notizen (Memos), um Auffälligkeiten zu notieren und die Beziehung zwischen den Codes und Kategorien darzustellen (Goetz, 2017, S.128). Außerdem macht sie deutlich, dass das Material nicht vollständig in seinem Umfang auszuwerten ist und es auch nicht möglich ist den gemeinten Sinn gänzlich zu erfassen (Goetz, 2017, S.156). Aus dem Forschungsvorhaben ist nicht zu erkennen, ob mehrere Personen an der Forschung beteiligt sind und inwiefern eine gesättigte Theorie stattgefunden hat, da dieses Kriterium nur durch den Austausch mit anderen Forschern vollständig gewährleistet werden kann (Dimbath, Ernst-Heidenreich & Roche, 2018).

7. Geltungsbegründung und Gütekriterien

Die Gütekriterien Reliabilität, Validität und Objektivität werden von der Autorin thematisiert, jedoch nicht verwendet und deshalb andere Kriterien herangezogen. Nach Steinke (2013) sollte man durchaus Kriterien verwenden, die deren eigenem Profil der Forschung entsprechen. Hierbei ist es wichtig ein System von Kriterien zu entwickeln, das möglichst viele Aspekte der Bewertung der qualitativen Forschung abdeckt (S.322-333). Diese drei Kriterien sind deshalb nur bedingt auf qualitative Kriterien übertragbar. Nach Steinke (2013) gibt es sieben Kernkriterien für die qualitative Forschung (S.323-331). Goetz (2017) thematisiert hierbei vier der sieben Aspekte: Angemessenheit, empirische Verankerung, Verallgemeinerbarkeit und die intersubjektive Nachvollziehbarkeit (S. 164-165). Da die Forschung hauptsächlich in Berlin stattfand und somit an einem spezifischen Handlungsfeld gebunden ist, lassen sich die Ergebnisse nicht auf die Gesamtbevölkerung verallgemeinern.Für die Verallgemeinerung bedarf es weiterführender Forschung und Ausdifferenzierung (Goetz, 2017, S. 429). Und dadurch, dass die Leitung die Teilnehmer für die Studie aussuchte könnten interessante Fälle unberücksichtigt bleiben (Flick, 2009, S.95).

Die Erkenntnisse sind ausreichend empirisch verankert, da die Autorin ihre Fragestellung durch empirische Daten und der systematischen Datenanalyse beantwortet. Darüberhinaus verwendet Goetz hinreichende Textbelege, um ihre Aussagen zu bekräftigen (Steinke, 2013, S.328). Laut Steinke (2013) sollte man auf quantitative Methoden zurückgreifen (S. 327), die Autorin hat sich jedoch für die qualitative Variante nach Mayring (2001) entschieden. Die dokumentierten Prozesse der Erkenntnisgewinnung sind nachvollziehbar, da vor Allem die erhobenen Daten sorgfältig verschriftlicht worden sind und man somit ihren Aussagen gut folgen kann. Dadurch macht die Autorin ihr Forschungsvorhaben auch transparent.

8. Forschung als Diskurs

Laut Flick (1995) ist es wichtig die erhobenen Daten des Forschers den Teilnehmern rückzumelden. Durch den Dialog mit den Teilnehmern gelingt es dem Forscher die Daten besser zu interpretieren. Auch soll damit sichergestellt werden, dass die erhobenen Daten für die Forschungsteilnehmer zugänglich gemacht werden und nachvollziehbar aufbereitet worden sind (S.170). In der Dissertation wird jedoch nicht darauf eingegangen inwiefern die erhobenen Daten und Ergebnisse der Forschung den Forschungsteilnehmer rückgemeldet worden sind. Somit sinkt die Qualität der kommunikativen Validierung (Flick, 1995, S.170).

9. Sonstiges

Literatur

Dimbath, O., Ernst-Heidenreich, M. & Roche, M. (2018). Praxis und Theorie des Theoretical Sampling: Methodologische Überlegungen zum Verfahren einer verlaufsorientierten Fallauswahl. Forum Qualitative Sozialforschung, 19(3). https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/2810/431.

Flick, U. (1995). Stationen des qualitativen Forschungsprozesses. In U. Flick, E. Kardorff, H. Keupp, L. von Rosenstiel & S.W. (Hrsg.), Handbuch qualitative Sozialforschung: Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen (2. Aufl., S. 148-173). Beltz Verlag.

Flick, U. (2009). Sozialforschung: Methoden und Anwendungen. Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Flick, U. (2016). Sozialforschung: Methoden und Anwendungen: Ein Überblick für die BA-Studiengänge (3. Aufl.). Rohwolt Taschenbuch Verlag.

Goetz, I. (2017, Dezember). Steuerungsmechanismen zur Sicherstellung der Medienbildung in Kindertagesstätten: Eine empirische Studie zur Kindertagesbetreuung im Land Berlin (Inaugural-Dissertation). https://d-nb.info/116800960X/34.

Hausknecht, B. (2012, August). Balanceakt Nähe und Distanz: Eine Herausforderung in der Sozialen Arbeit (Masterarbeit, Social Work). https://digibib.hs-nb.de/file/dbhsnb_derivate_0000001276/Masterarbeit-Hausknecht-2012.pdf

Lamnek, S. (1995). Qualitative Sozialforschung: Band 1 Methodologie (Bd. 1). Beltz Verlag.

Lamnek, S. & Krell, C. (2016). Qualitative Sozialforschung (6. Aufl.). Beltz Verlag.

Steinke, I. (2013). Gütekriterien qualitativer Forschung. In U. Flick, E. von Kardorff & I. Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung: Ein Handbuch (10. Aufl., S. 322–333). Rohwohlt Taschenbuch Verlag.


Feedback

- es wird viel mit Textstellen gearbeitet und Aussagen werden gut belegt - fließender Text - für die Form könnte man mehr Absätze einbauen, um es flüssiger lesen zu können

Diskussion

Anke Schröer, 2021/06/22 14:15

Hallo ihr Lieben =) das liest sich doch sehr gut =) denkt daran, eure Literatur zu ergänzen

Anastasia Duka-Wolf, 2021/06/22 14:33

Hallo :) Das sieht wirklich super aus!!! Nur ein paar kleine Anmerkungen. Bei Punkt 2 sind wir der Meinung dass es sich hierbei um eine Momentaufnahme handelt, statt einer retrospektiven Studie. Bei Punkt 3 müsste durchgängig gegendert werden. Auch lassen sich einige Sätze durch ihre Länge schwer lesen.

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