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Tandem 02H

  • Tandempartner*in 1: Kräckmann, Lucie
  • Tandempartner*in 2: Lopes Correia, Isabel

Entwurfsfassung Studienanalyse (freiwillig)

(1. Forschungsgegenstand und theoretische Verankerung)

2. Fragestellung und Forschungsperspektive

3. Feldzugang und Annäherung an das Feld

4. Erhebungsverfahren

5. Fixierung der Daten

6. Auswertungsverfahren und Interpretation

(7. Geltungsbegründung und Gütekriterien)

(8. Forschung als Diskurs)

(9. Sonstiges)

Literatur


Endfassung Studienanalyse (verpflichtend)

1. Forschungsgegenstand und theoretische Verankerung

In der Dissertation von Sue-Ann Bäsler mit dem Titel „Lernen und Lehren mit Medien über Medien. Der mediale Habitus und die Ausbildung medienpädagogischer Kompetenz bei angehenden Lehrkräften.“ wird schon im Vorwort die Relevanz der Sozialforschungsstudie deutlich gemacht (Bäsler, 2019, S.6 ff.). Die Forscherin erklärt die beiden Modelle, die ihrer Forschung zugrunde liegen, und fasst zu den in diesen Modellen behandelten Themen „medialer Habitus“ und „medienpädagogische Kompetenz“ den Forschungsstand zusammen (ebd., S.9 ff.). Sie erläutert anschließend die für die Arbeit zentralen Begriffe „Medienkompetenz“ und „Medienbildung“ (ebd., S.34 ff.). Zentrales Thema der Dissertation sind die Auswirkungen der medienpädagogischen Ausbildung der angehenden Lehrkräfte auf deren medialen Habitus (vgl. ebd., S.7). Sandra Brungräber und Olcay Karausta komprimieren: „Modell und Konzept werden definiert, der aktuelle Forschungsstände skizziert und dabei die Ergebnisse visualisiert und zusammengefasst dargestellt“ (Tandem 07h,2021).

Anhand des offenen Datenerhebungsverfahrens, einem Interview, lässt sich nach Flick erkennen, dass es sich um eine qualitative Forschungsanalyse handelt (vgl. Flick, 2009, S.26). Das einzelne Interview stellt eine Querschnittstudie dar. Bäsler kommt in ihrem Fazit zu dem Schluss, dass eine Längsschnittstudie zu dem behandelten Gegenstand zu konkreteren Ergebnissen kommen könnte und schafft somit Spielraum für an ihre eigene Forschung anschließende Arbeiten (vgl. Bäsler, 2019, S.187).

2. Fragestellung und Forschungsperspektive

Die Dissertation beinhaltet die Literaturstudie der Forscherin zu den Konzepten und dem jeweiligen Forschungsstand der einzelnen Bestandteile der Fragestellungen. Die beiden vorherrschenden Forschungsfragen wurden in insgesamt sechs Unterfragen untergliedert (vgl. ebd., S.59 f.). Durch diese Untergliederung werden die „entscheidenden Qualitäten von Fragestellungen“ erfüllt, sodass sie spezifisch und fokussiert formuliert sind (Flick, 2009, S.39). Gemäß Flick konzipierte Bäsler anhand der Fragen einen Interviewleitfaden für ihre Forschungsarbeit (ebd., S.38).

Die Forschungsperspektive ist „die Rekonstruktion deutungs- und handlungsgenerierender Tiefenstrukturen“ (Lüders und Reichertz, 1986, S.92 in Flick, 1995, S.152). Der Nutzen, der aus der Studie gezogen werden soll, ist die „Benennung von Implikationen im Sinne von Empfehlungen für die erste Phase der Lehrkräftebildung an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen“ (Bäsler, 2019, S.8). Bäsler macht schon mit dem Zitat, mit dem sie ihr Vorwort einleitet, deutlich, dass es sich bei der Fragestellung um eine gesellschaftlich relevante handelt (ebd., S.6). Diese Relevanz verdeutlicht sie im Laufe der Dissertation anhand des von der Kultusministerkonferenz formulierten Soll-Zustands für die Medienkompetenz von Lehrkräften (vgl. ebd., S.48).

3. Feldzugang und Annäherung an das Feld

Bäslers Annäherung an das Feld begründet sie nicht durch persönliche Motive wie es andere ForscherInnen in ihren Forschungsarbeiten tun (vgl. Flick, 2009, S.33 ff.). Sie nimmt ihre persönlichen Ansichten zurück und verweist auf den „allgemeinen Konsens in Politik und Wissenschaft“, nachdem die Lehrkräfte die erforschte Medienkompetenz brauchen (Bäsler, 2019, S.6). Abgesehen von der unter „1.“ genannten Reflektion über die zeitliche Dimension des Forschungsdesign erfährt man generell wenig über die persönlichen Hintergründe und die Einschätzungen der Autorin. Nach Flick kann es jedoch sein, „dass der Forscher aufgrund seiner eigenen theoretischen Annahmen und Strukturen, die seine Aufmerksamkeit auf konkrete Punkte lenken, aber auch aufgrund eigener Ängste blind bleibt für die Strukturen im untersuchten Feld bzw. Subjekt“ (1995, S.151), was in der Forschungsarbeit nicht außer Acht gelassen werden sollte.

In ihrer Forschung nimmt Bäsler durch das einmalige telefonische Interview eine äußere Perspektive ein und damit die von Flick so genannte Rolle als fremde Besucherin (1995, S.154). Die zwangsläufig vorhandenen persönlichen Einflüsse der Forscherin wurden insgesamt wenig reflektiert (vgl. ebd., S.155). Die von Bäsler gewählte Methode des halb-offenen Interviews bietet Kapazitäten für verschiedene, von den Interviewten gesetzte Schwerpunkte (vgl. Flick, 2009, S. 27).

4. Erhebungsverfahren

Bäsler verwendet in ihrer Arbeit die qualitative Forschungsmethode, welche auf einem hypothesenorientierten Verfahren basiert (vgl. Bäsler, 2019, S. 61). Es wird die Methode eines halb-offenen Interviews für die Datenerhebung gewählt, wobei durch einen Interviewleitfaden ein anpassungsfähiger Interviewverlauf ermöglicht wird. Dadurch, dass bei jedem Interview die gleichen Hauptfragen gestellt werden, ist die Vergleichbarkeit der daraus erworbenen Daten sichergestellt (vgl. ebd. S. 62). Anhand von Probeinterviews wurde der Leitfaden mehrmals bearbeitet, wodurch sich vier bedeutende Fragen und eine These ergaben (vgl. ebd. S 64). Die Proband*innen wurden in zwei Phasen angeworben. Es wurden zehn telefonische Interviews mit Lehramtsstudent*innen mit integrierten Medienbezug in ihrem Studium verfügen (Medienuni) durchgeführt und aufgezeichnet und sechs telefonische Interviews mit Lehramtsstudent*innen ohne integrierten Medienbezug in ihrem Studium (Vergleichsuni) durchgeführt und aufgezeichnet (vgl. ebd. S. 63). Die Interviews mit der Stichprobe wurden mit einer Motivationsfrage eröffnet, die immer die gleiche ist. Alle zusätzlichen Fragen wurden ohne bestimmte Reihenfolge gestellt. Um die Proband*innen zum Reflektieren anzuregen wurden zusätzliche Impulsfragen gestellt (vgl. ebd. S. 65).

5. Fixierung der Daten

Die Interviews die Bäsler mit den Proband*innen über die Plattform Skype durchgeführt hat, werden als mp3-Format aufgezeichnet. Am Telefon abgehaltene Interviews werden als amr-Format aufgezeichnet und anschließend in das mp3-Format konvertiert (vgl. Bäsler, 2019, S. 67). Mit dieser Form der Datenaufzeichnen versucht Bäsler eine „vermeidlich neutralistische Aufzeichnung des Geschehens“ (Flick, 1995, S. 161) zu schaffen und somit möglichst natürliche Daten sammeln zu können. Die Daten der Interviews werden von „verschiedenen externen, nicht-projektbezogenen Personen“ (Bäsler, 2019, S. 67) verschriftlicht. Dazu wird das Programm f4 eingesetzt. Zur besseren Orientierung haben die externen Personen „Beispielinterviews aus einem anderen Projekt“ (Bäsler, 2019, S. 67) bekommen. Die Regeln zur Transkription hält Bäsler einfach und zeichnet Sprechpausen oder Überlappungen nicht auf. Allerdings werden Aussagen, die beispielsweise lachend getroffen wurden herausgehoben. Insgesamt kamen für jedes Interview ungefähr 8-13 Seiten Worddokumente in rf-Format zusammen. Auffällig ist, dass Interviews mit Student*innen von der Medienuni deutlich mehr Datenmaterial ergaben (vgl. Bäsler, 2019, S. 67).

6. Auswertungsverfahren und Interpretation

Die durch die Interviews erworbenen Daten werden mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2000, 2003, 2005, 2010) ausgewertet. Die qualitative Inhaltsanalyse „stellt ein Bündel an Verfahrensweisen zur systematischen Textanalyse dar“ (Mayring, 2000. S. 1). Die Entstehung einer QIA basiert auf vier Grundprinzipien:

1.Einordnung in ein Kommunikationsmodell

2.Regelgeleitetheit

3.Kategorien im Zentrum

4.Gütekriterien

Diese „Bausteine […] sollten beibehalten werden, um darauf qualitative Verfahren aufzubauen“ (Mayring, 2000, S. 3). Dabei stehen die induktive Kategorienentwicklung und deduktive Kategorienanwendung im Mittelpunkt (vgl. Mayring, 2000, S. 3). In ihrer Forschungsarbeit verwendet Bäsler die induktive Kategorienentwicklung. Durch das mehrmalige Durchgehen der Materialien bilden sich Haupt- und Subkategorien, wodurch sich ein Kategoriesystem bildet. Nachdem dieses System geprüft wurde, werden die Interviewtexte den Kategorien zugeordnet (vgl. Bäsler, 2019, S. 68). Damit die Nachvollziehbarkeit sichergestellt ist, wird sich Analyse an das Ablaufmodell gehalten (vgl. ebd. 2019, S. 69). Für die Computerunterstützte Auswertung wird das Programm MAXQDA verwendet wird. Bälser erwähnt, dass Kuckartz (2012) beschreibt, wie mithilfe dieses Programmes in sieben Schritten eine qualitative Auswertung des Materials durchgeführt werden kann (vgl. Bäsler, 2019, S. 70-75).

7. Geltungsbegründung und Gütekriterien

Bäsler teilt die Gütekriterien in Validität (Gültigkeit von Ergebnissen) und Reliabilität (Zuverlässigkeit eines Instruments) ein (vgl. Bäsler, 2019, S.76). So hebt sie den Widerspruch zwischen „gegenstands-, situations- und milieuanhängige Charakter qualitativer Forschung, […] unterschiedlicher qualitativer Forschungsprogramme […] und die stark eingeschränkte Standardisierbarkeit methodischer Vorgehensweisen“ (Steinke, 2013, S. 223) auf, indem sie die Kriterien und Prüfungsverfahren untersuchungsspezifisch anpasst (vgl. Steinke, 2013, S. 24). Sie erklärt, durch welche Methoden die Reliabilität ermittelt werden kann:

1. Re-Test

2. Parallel-Test

3. Konsistenz/Split-half

Allerdings betont Bälser, dass diese Methoden nicht unbedingt zielführend bei der qualitativen Inhaltsanalyse sind (vgl. Bäsler, 2019, S. 76). Aus diesem Grund wendet Bäsler die Methode der induktiven Kategorienbildung an und lässt diese von einer anderen Person durchführen (vgl. Bäsler, 2019, S.76). Dabei handelt es sich um eine Technik, welche ein Teil der qualitativen Inhaltsanalyse ist, wobei sich Kategorien anhand des Materials entwickeln (vgl. Philip, 2020). Auch diese Methode weist eine problematische Anwendung auf, da sie eher bei primitiven Analysen zum Ziel führt (vgl. Bäsler, 2019, S. 76).

Im weiteren Verlauf beschreibt Bäsler auf die unterschiedlichen Herangehensweisen der Validität:

1. Außenkriterium

2. Vorhersagevalidität

3. Extremgruppe

4. Konzeptvalidität

Sie verdeutlicht, dass in ihrer Forschungsarbeit die Methode des Außenkriteriums angewandt wird und belegt dies mit einer Schweizer Studie, in der Studierende auf ihre Einstellung zu Medien beforscht wurden (vgl. ebd. 2019, S, 76-77).

8. Forschung als Diskurs

Nach Flick „sollte bei qualitativer Forschung die Rückmeldung an die Betroffenen nach Abschluß des Forschungsprozesses eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein“ (1995, S.170). In Bäslers Dissertation ist jedoch kein Austausch mit den im Interview befragten Studierenden vermerkt, weshalb sie wie es scheint auf die „Rolle von Datenlieferanten“ reduziert wurden (ebd.). Demnach ist nicht ersichtlich, ob die Interviewten ihre Zustimmung zu den Interpretationen, beziehungsweise zu den Ergebnissen, die Bäsler aus ihrer Studie zieht geben. Obwohl die Perspektive der Forschung zum Handeln anregen sollte (vgl. Flick, 1995, S.152), scheint es so, als hätte Bäsler ihre Forschung nicht nur nicht in den Fachdiskurs eingebracht, sondern auch die Chance die 16 befragten Studierenden zu mehr Medienbildung anzuregen vertan. Zwar heißt es, dass diese die Medienangebote an ihren jeweiligen Universitäten mit einem Blick von außen reflektierten, jedoch „was genau diese Grenzerfahrung bei den Studierenden auslöst, kann nicht mit Eindeutigkeit benannt werden“ (Bäsler, 2019, S.184).

9. Sonstiges

Literatur


Bäsler, Sue-Ann (2019): Lernen und Lehren mit Medien und über Medien: Der mediale Habitus und die Ausbildung medienpädagogischer Kompetenz bei angehenden Lehrkräften. Online im Internet. URL: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D1178524981 Letzter Zugriff: 11.05.2021.

Flick, U. (1995): Stationen des qualitativen Forschungsprozesses. München, Deutschland: Beltz - Psychologie Verl. Union.

Flick, U. (2009): Sozialforschung. Methoden und Anwendungen. Ein Überblick für die BA-Studiengänge. Hamburg: Rowolth.

Mayring, Philipp. (2000): Qualitative Inhaltsanalyse. Forum Qualitative Sozialforschung/ Forum: Qualitative Sozial Research. Online im Internet. URL: https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1089/2384 Letzter Zugriff: 15.09.2021.

Philip (2020): Induktive Kategorienbildung nach Mayring (Beispiel Qualitative Inhaltsanalyse) Online im Internet. URL: https://shribe.de/induktive-kategorienbildung/#Induktive_Kategorienbildung_nach_Mayring Letzter Zugriff: 15.09.2021.

Steinke, I. (2000): Gütekriterien qualitativer Forschung. In Flick U., von Kardorff E., Steinke I. (Hrsg.): Qualitativer Forschung. Ein Handbuch. Hamburg, Deutschland: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Tandem 07h: Brungräber, Sandra & Karausta, Olcay (2021): Hyperlink: https://dokuwiki.edulog-darmstadt.de/doku.php?id=lehre:sose2021:sozialwissmeth:analysen:baesler:tandem07h Letzter Zugriff: 15.09.2021.

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