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lehre:sose2017:sozialwissmeth:analysen:nader:tandem31

Tandem 31

  • Tandempartner*in 1: Schaffner; Wioletta
  • Tandempartner*in 2: Baumann; Alexandra Mechthild

Entwurfsfassung

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Gegenstand der Untersuchung „Erinnerungen an die Volksschule - Eine empirische Studie zur Lehrprofessionalität“, bilden die Volksschule und die nachhaltigen Erinnerungen an jene, welche bei den Schülern langfristig erhalten blieben. Diese Erinnernungen werden bei der vorliegenenden Studie in ihren unterschiedlichen Dimensionen und Facetten genauer empirisch untersucht und beschrieben. Es wird nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten in den Erinnerungen an den Besuch der Volksschule der verschiedenen Altersgruppen gesucht (vgl. Nader 2015, S.12).

Die theoretische Basis für die Untersuchung bilden zum einen verschiedene Theorien über das Gedächtnis und Erinnerungen, zum Anderen die Geschichte und Entwicklung der österreichischen Volksschule.

Der Verfasser der Studie vertieft sich zunächst in ein Modell des Gedächtnisses aus psychologischer Sicht. Er erklärt, wie die Informationsverarbeitung im Gedächtnis abläuft und geht im Folgenden genauer auf das Langzeitgedächtnis ein, in welchem die Erinnerungen gespeichert sind und somit für die Untersuchung ausschlaggebend ist. Im darauffolgenden nennt Nader die Kategorien von Erinnerungen, welche sich in persönliche-, allgemeine- und Fähigkeitserinnerungen unterteilen lassen. Er spricht die Ordnungsmerkmale autobiografischer Erinnerungen an, welche bei der für seine Forschung angewandte Methode bedeutend sind. Der Autor bennent die verschiedenen Problemfelder die bei der Forschung mit Erinnerungen auftreten können. Da bei manchen der Befragten Studienteilnehmern zwischen der Zeit, in welcher die Erfahrungen gemacht wurden und dem Zeitpunkt der Befragung mehrere Jahrzehnte liegen, ist es erforderlich sich mit der Validität dieser Aussagen zu befassen. Um dies zu ermöglichen, muss man sich über die Dynamik der Erinnerungen bewusst sein (vgl. Nader 2015, S. 25-32).

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Ausgangspunkt der Sozialforschung bietet immer ein vorhandenes Problem, welches untersucht werden muss (vgl. Flick 2019, S. 33-35). Das Forschungsproblem der vorliegenden Studie begründet sich auf dem Fehlen von Daten und empirischen Erkenntnissen zu den Auswirkungen (hier im Blick die Erinnerungen) auf die Schulkinder (vgl. Nader 2015, S. 12).

Die zentrale Fragestellung der zu untersuchenden Forschung, lautet: „Welche kollektiven Erinnerungen können in allen noch lebenden Alterskohorten hinsichtlich deren Volksschulzeit in Niederösterreich rekonstruiert werden?“. Sie behandelt die empirische Expolration des Feldes, was ehemaligen Schülern von der Volkshochschule in Erinnerung bleibt. Es ist die Suche nach kollektiven (schul-) biographischen Erfahurngshorizonten im Sinne der historischen Sozialisationsforschung, welche Absolventen dieses Schultypes gemeinsam haben (vgl. S. 16/18). Durch die Bildung von Alterskohorten (um zu einem differenzierteren Ergebnis zu gelangen) ergeben sich zwei weitere Forschungsfragen: Frage nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten in den kollektiven Erinnerungen an die Volksschule bei den verschiedenen Altersgruppen, sowie Frage: „Welche Ursachen und Erklärungen können für die beobachteten Volksschulerinnerungen der unterschiedlichen Alterskohorten vermutet werden?“ (vgl. Nader 2015, S. 17).

Primäres Ziel der Studie ist jedoch die Formulierung einer kategorisiert ausdifferenzierten Theorie von niederösterreichischen Volksschulerinnerungen aus der Perspektive ehemaliger Schüler aller noch lebenden Altersgruppen. Das weitere Ziel der Untersuchung ist, die Konstanten und Variablen in den Zusammensetzungen von Erinnerungen an die Volksschule auszumachen (vgl. Nader 2015, S. 18).

Annäherung ans Feld

Der Feldeinstieg geschieht bei gleichzeitiger Literaturrecherche- nach der Vorgehensweise der Grounded Theory (vgl. Nader 2015,S.21). Die empirischen Zugänge bei der Untersuchung bilden zum einen die qualitative Inhaltsanalyse mit welcher die induktiven Erinnerungskategorien inhaltsanalytisch ausgearbeitet werden und zum anderen eine quantitative Untersuchung, welche die zuvor induktiv entstandenen Annahmen ergänzt und prüft (vgl. Nader 2015, S.18).

Sammlung der Daten

Bei der vorgelegten Untersuchung handelt es sich um eine Mixed-Method-Desing Studie, die primär eine pragmatische Verknüpfung von quantitativer und qualitativer Forschung ermöglicht. Dabei werden zunächst qualitative und anschließend quantitative Daten erhoben.

Nader greift bei seiner Studie auf eine Form des Mixed-Method-Designs, das Phasen-Design, zurückt. Bei dieser Form werden quantitative und qualitative Methoden (die aus mehreren Phasen bestehen können) voneinander getrennt und nacheinander angewandt (vgl. Flick 2016, S. 228- 230). Die dargestellte Studie beginnt mit einem Leitfadeninterview zur Erhebung qualitativer Daten und nutzt einen Fragebogen um diese mit qualitativen Daten zu untermauern (vgl. Nader, S. 131). Bei der Erstellung eines Fragebogens oder auch beim Durchführen eines Interviews ist es wichtig sich mit den Frageeffekten auseinander zu setzen, da sich diese erheblich auf die Antworten auswirken und damit die Ergebnisse verfälschen können (vgl. Diekmann, S. 458)

Fixierung der Daten

Alle, von Studenten durchgeführte problemzentrierter Leitfadeninterviews wurden mit Audioaufnahmegeräten aufgezeichnet und im Anschluss daran (von mehreren Codierer) transkribiert(vgl.Nader,S.142). Die Transkription orientierte sich an einer Basis-Transkriptionsvorlage, mitderen Hilfe der verbalen Daten eine einheitliche Zitation und Textaufbau verliehen wurde(vgl. Nader 2015, S.147-148).

Als Transkriptionshilfe fundierte das Transkriptionssoftware F4 (AUDIOTRANSKRIPTION.DE 2013), mit dem die Studierende vorab vertraut gemacht wurden. Die entstandene Transkripte und Audiodateien wurden auf die elektronische Lernplattform (MOODLE TRUST 2013) hochgeladen (vgl. Nader 2015, S.147).

Der Bericht über den analysierten Interview wurde ebenfalls nach vorgegebenen Kategorien verfasst. Die Entscheidung des Kodieren von der ganzen Seminargruppe diskutiert und anschließend verbindlich getroffen wurde (vgl. Nader 2015, S.151).

Auswertung und die Interpretation der Daten

In der vorliegenden Studie wurde Bezug auf die sozialwissenschaftliche Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach MAYRING genommen (vgl. Nader 2015, S.137). Zum Großteil handelt es sich um eine strukturierende qualitative Inhaltsanalyse, bei der ein großes Wert auf die Gütekriterien gelegt wurden (Vgl. Nader 2015, S.141, S.138).

Aspekte aus der Interpretation der Daten:

1. Die Studierenden wurden in die Qualitative-Daten-Analysesoftware „Atlas.ti“ (SCIENTIFIC SOFTWARE DEVELOPMENT GMBH 2013) vertraut gemacht (vgl. Nader 2015, S.147).

2. Entscheidungen bezüglich der Schritte des Forschungsprozesses (vgl. Nader 2015, S.147) und Lösung der damit verbundenen Probleme wurden immer von der ganzen Seminargruppe getroffen (Nader 2015, S. 148).

3. Berichte über jedes analysierte Interview sollte mithilfe exakten Kategorienbeschreibung, die alle deduktiven Kategorien explizit definieren, erstellt werden (vgl. Nader 2015, S.147). Dabei tauchte das Problem auf, dass qualitative Daten ausschließlich deduktiv bearbeitet werden müssen. Um dem gegenzusteuern wurde in Diskussionsrunden nach induktiven Kategorien gesucht, die sich noch im Datenmaterial befinden (vgl. Nader 2015, S.148). Gemeinsame Ziele und Wege der Forschung wurden auf den Plakaten aufgelistet und archiviert (vgl. Nader 2015, S.148).

4. Die Interpretation der Studierenden, die vor ihrem eigenem Erfahrungshorizont und/oder vor der Ausgangsliteratur entstanden sind ergeben viele kategorial vorstrukturierte Berichte, die im Form einer Metaanalyse im finalen Endbericht wiederum analysiert wurden (vgl. Nader 2015, S.148). Die zwei, aufeinanderfolgende Inhaltsanalysen münden in einem Finalem Abschlussbericht zusammen (vgl. Nader 2015, S.148).

5. Transkripte zur studentischen Inhaltsanalyse wurden mehrfach vergeben. Dies ermöglichte zum einem eine triangulierte Sichtweise auf die gleichen Daten und zum anderem eine Arbeit an großen Datenmenge. Allerdings führte das gleichzeitig dazu, dass das Verhältnis zwischen Freiheit und Regelleitung schwer zu bestimmen war (vgl. Nader 2015, S.149).

6. Der personenabhängiger Zugangs zum Thema beeinflusst die Stärke der vorliegenden qualitativen Forschung aber auch steigert das Risiko, dass das gemeinsame, festgelegter Ziel nicht erreicht werden kann (vgl. Nader, S.149). Um dem vorzubeugen, wurde ein Wechsel von Phasen der offenen Diskussion und Phasen der Regelleitung eingebaut (Sehe Abbildung Nr.21, Nader S.150).

7. Die Transkripte wurden auf seine Authentizität hin untersucht (vgl. Nader, S.150). Die Ableitung vom „konsensuellen Kodieren“ weist bei Nader folgende Abweichungen auf: - nicht jedes Interview wurde von den Kodierten selbst geführt. - die konsensuelle Kodierung wurde nur am Beginn des Kodierungsprozesses angewendet (vgl. Nader, S.151).

Geltungsbegründung

Im Kapitel 11 Interpretiert Nader die Erinnerungstheorie. Dabei begründet er Geltung seine Erkenntnisse anhand der Literaturrecherche und der Forschungsergebnisse. Zusätzlich untermauert er diese mit Thesen, Erinnerungsberichten, Untersuhungsergebnissen und Erkenntnissen anderen Autoren (vgl. Nader 2015, S.291-302).

Forschung als Diskurs

Nader setzt die Ergebnisse seiner Forschung in Beziehung zur vorliegenden Literatur und zur anderen einschlägigen Untersuchungen und versucht die Erklärung für entdeckte Zusammenhänge zu finden (vgl. Nader 2015, S.291-299).

Literatur

  • Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg. (2016).
  • Nader, Michael. „Was bleibt? Erinnerungen an die Volksschule : Eine empirische Studie zur Lehrprofessionalität“. Dresden.(2015)

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Ranking: 1. Platz- Tandem 28, 2. Platz- Tandem 9, 3. Platz- Tandem 18, 4. Platz- Tandem 45

Tandem 28, Platz 1

Sehr detailierte und verständlich verfasste Analyse. Besonders gelungen fanden wir das Kapitel: „Fragestellung, Forschungsperspektiven“. Einige Kapitel („Forschung als Diskurs“, „Geltungsbegründung“) sollten jedoch, nach dem Impuls aus dem Seminar, noch vervollstandigt werden. Im Kapitel „Annäherung ans Feld“ könnte der zweite (lange) Satz, verändert weren.

Tandem 9, Platz 2

Guter Aufbau, Aussagen werden auch immer mit Flick untermauert oder ausführlicher erklärt. Im ganzen schön abgerundet. Das Kapitel „Interpretation der Daten“ könnte noch vervollstandigt werden.

Tandem 18, Platz 3

Ein schöner Einstieg, der den Leser verstehen lässt, worum es in der Studie geht. Wenig Verweise auf Flick, worauf aber sicher im weiteren Verlauf vertieft eingegangen wird. Die Kapitel „Annäherung ans Feld“ und „Sammlung der Daten“ überschneiden sich ein wenig. Kapitel „Fixierung der Daten“ könnte noch vervollstandigt werden.

Tandem 45, Platz 4

Positiv aufgefallen sind uns die vielen Verweise auf Nader und Flick. Auch die Erklärung für die von Nader vorgenommene Unterteilung der Befragten in 2 Gruppen fanden wir einleuchtend. An dieser Stelle fanden wir die konkrete Benennung der zusätzlichen Forschungsfragen recht passend. Im Text bennent ihr die Perspektiven historischer Bildungsforschung - wie beeinfluessen diese Naders Arbeit?

Dritter Text: Endfassung

Einleitung

Die Grundidee für Naders empirischen Studie zur Lehrprofessionalität „Was bleibt? Erinnerungen an die Volksschule“ entwickelte sich im Tagesgeschehen: im Rahmen der Lehrveranstaltungen einer Pädagogischen Hochschule in Österreich (vgl. Nader, S.13) wurde eine “ Frage nach nachhaltigen, unvergesslichen Erlebnissen (…)“ (Nader, S.14) aufgestellt. Sie gab den Anstoß für die Forschungsideen (vgl. ebd.). Nach Flick ist der Alltag die häufigste Quelle von Forschungsinteressen, Forschungsideen und Fragestellungen (vgl. Flick 2016, S.35). Den Ausgangspunkt der Sozialforschung bietet meistens ein allgemeines Interesse, persönliche oder soziale Hintergründe des Forschers, welche untersucht werden müssen/sollen (vgl. ebd., S.33).

Mit seiner Forschung zu den Erinnerungen der ehemaligen Volksschüler beabsichtigt Nader die Lücke, die aus dem Fehlen von Daten und empirischen Erkenntnissen besteht, in der aktuellen „Forschungsfrage zu nachhaltigen Effekten von Volksschule“ (vgl. Nader, S.12) zu schließen.

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Gegenstand der Untersuchung „Erinnerungen an die Volksschule - Eine empirische Studie zur Lehrprofessionalität“, bilden die Volksschule und die nachhaltigen Erinnerungen an jene, welche bei den Schülern langfristig erhalten blieben (vgl. Nader, S.12). Diese Erinnernungen werden bei der vorliegenenden Studie in ihren unterschiedlichen Dimensionen und Facetten genauer empirisch untersucht und beschrieben. Es wird nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten in den Erinnerungen an den Besuch der Volksschule der verschiedenen Altersgruppen gesucht (vgl. Nader 2015, S.12).

Die theoretische Basis für die Untersuchung bilden zum einen verschiedene Theorien über das Gedächtnis und Erinnerungen, zum Anderen die Geschichte und Entwicklung der österreichischen Volksschule. (vgl. Nader, S.1)

Erkenntnisse der Studie könnten zu einer Verbesserung in der Ausbildung für LehrerInnen führen, da aus der Dissertation Informationen für neue Handlungstheorien entnommen werden können. (vgl. ebd., S.12)

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Das Formulieren einer Fragestellung muss so geschehen, dass diese durch die zu Verfügung stehenden Methoden beantwortet werden kann (vgl. Flick, S. 39). Die Fragestellung muss sehr spezifisch und zielgerichtet formuliert werden, da sie sonst zu viele weitere Fragen offen lässt. Zudem sollte sie gleichzeitig Aspekte, welche nicht relevant sind ausschließen (vgl. ebd., S.39).

Die zentrale Fragestellung der zu untersuchenden Forschung, lautet: „Welche kollektiven Erinnerungen können in allen noch lebenden Alterskohorten hinsichtlich deren Volksschulzeit in Niederösterreich rekonstruiert werden?“ (vgl. Nader, S.16). Sie behandelt die empirische Expolration des Feldes, was ehemaligen Schülern von der Volkshochschule in Erinnerung bleibt. Es ist die Suche nach kollektiven (schul-) biographischen Erfahurngshorizonten im Sinne der historischen Sozialisationsforschung, welche Absolventen dieses Schultypes gemeinsam haben (vgl.ebd., S. 16-18). Durch die Bildung von Alterskohorten (um zu einem differenzierteren Ergebnis zu gelangen) ergeben sich zwei weitere Forschungsfragen: Frage nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten in den kollektiven Erinnerungen an die Volksschule bei den verschiedenen Altersgruppen, sowie Frage: „Welche Ursachen und Erklärungen können für die beobachteten Volksschulerinnerungen der unterschiedlichen Alterskohorten vermutet werden?“ (vgl. Nader 2015, S. 17).

Annäherung ans Feld

Der Feldeinstieg geschieht bei gleichzeitiger Literaturrecherche- nach der Vorgehensweise der Grounded Theory (vgl. Nader 2015,S.21). Die empirischen Zugänge bei der Untersuchung bilden zum einen die qualitative Inhaltsanalyse mit welcher die induktiven Erinnerungskategorien inhaltsanalytisch ausgearbeitet werden und zum anderen eine quantitative Untersuchung, welche die zuvor induktiv entstandenen Annahmen ergänzt und prüft (vgl. Nader 2015, S.18).

Sammlung der Daten

Bei der vorgelegten Untersuchung handelt es sich um eine Mixed-Method-Desing Studie, die primär eine pragmatische Verknüpfung von quantitativer und qualitativer Forschung ermöglicht. Dabei werden zunächst qualitative und anschließend quantitative Daten erhoben (vgl. Flick, S. 228).

Nader greift bei seiner Studie auf eine Form des Mixed-Method-Designs, das Phasen-Design, zurückt. Bei dieser Form werden quantitative und qualitative Methoden (die aus mehreren Phasen bestehen können) voneinander getrennt und nacheinander angewandt (vgl. Flick 2016, S. 229 - 230). Die dargestellte Studie beginnt mit einem Leitfadeninterview zur Erhebung qualitativer Daten und nutzt einen Fragebogen um diese mit qualitativen Daten zu untermauern (vgl. Nader,S. 131). Bei der Erstellung eines Fragebogens oder auch beim Durchführen eines Interviews ist es wichtig sich mit den Frageeffekten auseinander zu setzen, da sich diese erheblich auf die Antworten auswirken und damit die Ergebnisse verfälschen können (vgl. Diekmann, S. 458)

Fixierung der Daten

Alle, von Studenten durchgeführte Leitfadeninterviews wurden mit Audioaufnahmegeräten aufgezeichnet und im Anschluss transkribiert (vgl. Nader ,S.142). Die Transkription orientierte sich an einer Basis-Transkriptionsvorlage, mit dessen Hilfe der verbalen Daten eine einheitliche Zitation und Textaufbau verliehen wurde(vgl. Nader 2015, S.147-148).

Als Transkriptionshilfe fundierte das Transkriptionssoftware F4, mit dem die Studierende vorab vertraut gemacht wurden. Die entstandenen Transkripte und Audiodateien wurden auf die elektronische Lernplattform hochgeladen (vgl. Nader 2015, S.147).

Der Bericht über den analysierten Interview wurde ebenfalls nach vorgegebenen Kategorien verfasst. Die Entscheidung des Kodieren wurde von der ganzen Seminargruppe verbindlich getroffen (vgl. Nader 2015, S.151).

Flick befürwortet die Datenfixierung durch eine Aufzeichnung, weil diese Genauigkeit und einen natürlichen Gesprächsablauf während des Interviews ermöglicht (Vgl. Flick 1995, S.161). Laut Flick ist die Verschriftlichung eines Interviews vorteilhaft, jedoch nicht vorgeschrieben (vgl. Flick 1995, S. 161).

Interpretation der Daten

Nach Flick befindet sich die qualitative Forschung immer in einem Spannungsverhältnis zwischen „einem zu untersuchenden Fall auf der einen Seite und andererseits allgemeinen Zusammenhängen, die untersucht werden sollen, sowie allgemeinen Aussagen, die angestrebt werden“ (Flick 1995, S. 163).

In der vorliegenden Studie wurde Bezug auf die sozialwissenschaftliche Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach MAYRING genommen (vgl. Nader 2015, S.137). Zum Großteil handelt es sich um eine strukturierende qualitative Inhaltsanalyse, bei der ein großes Wert auf die Gütekriterien gelegt wurden (Vgl. Nader 2015, S.141, S.138).

Geltungsbegründung

Die Frage nach der Geltungsbegründung beinhaltet die Fragen nach Absicherung der Erkenntnisse sowie der Transparenz der Gewinnung von Daten, Interpretationen und Erkenntnissen (vgl. Flick, 1995, S.167). Auch die Gewährleistung eines bestimmten Grades an Authentizität begünstigt die Absicherung der Datengewinnung (Vgl. Flick 1995, S.167-168). Um den Authentizitätverlust in dem Leitfadeninterview (der von Nader verwendet wurde) nachträglich aufzufangen, schlägt Flick die Einführung kommunikativer Validierung vor (vgl. edb. S.168). Dafür solle nach „Abschluss der Interviews und der Transkription (…) die inhaltliche Zustimmung des beforschten Subjekts zu seinen Aussagen“ (ebd.) eingeholt werden. Nader entscheidet sich für eine andere Vorgehensweise und lässt die Transkripte zur studentischen Inhaltsanalyse von mehreren Studenten bearbeiten (vgl. Nader 2015, S. 149). An diese Stelle ist zu ergänzen, dass vor der Bearbeitung der Transkripte das Datenmaterial auf seine Authentizität hin überprüft wurde (vgl. ebd. S.150). Dabei wurde der „Informationswert der Quelle hinsichtlich Autorenschaft, Echtheit, Entstehungszeit und Provenienz geprüft“ (ebd.). Diese Vorgehensweise entspricht der Empfehlung von Flick: „Als Ansatzpunkt für die Validierung biographischer Äußerungen ist die Untersuchung der Interviewsituation darauf hin notwendig, inwieweit darin „die Voraussetzung nicht-strategischer Kommunikation“ gegeben waren und „Ziele der Besonderheiten des Interviews(…) in Form eines mehr oder weniger expliziten (…) ,Arbeitsbündnisses‘ (…) ausgehandelt werden“ (Flick 1995, S 167).

Die Ergebnisse stellt Nader oft tabellarisch dar(Nader 2015, S. 156-157). Zusätzlich greift er auf das Prinzip der selektiven Plausibilisierung (vgl. Flick 1995, S. 169) , bei der die relevanten Ergebnisse mithilfe passenden Interview - Passagen belegt werden (vgl.ebd., S 166-173). Für Flick ist unklar, wie der Forscher “ in Fällen und Ausschnitten umgegangen ist, von denen er „meint“ sie seien nicht so anschaulich für das Typische, davon abweichend oder dazu im Widerspruch“ (Flick 1995, S. 169)0 verhält. Dieser Aspekt wurde ebenfalls von Nader nicht thematisiert.

Forschung als Diskurs

Im Aufsatz: „Forschung als sozialer und kommunikativer Prozess“ (Flick 1995) spricht Flick von einem „Diskurs nach außen“ (ebd., S.171) und bezeichnet damit den „Diskurs mit den Beforschten“ (ebd., S.170), bei dem es um das Subjektverständnis der Forschung und die Einbeziehung der Erforschten geht (ebd.). Bei Naders Studie werden die Befragten als Datenlieferanten charakterisiert. Weitere Beteiligung der Befragten an der Forschung wird in der Studie nicht genannt. Größere Bedeutung für Naders Forschung räumt der „Diskurs nach innen- zwischen beteiligten Forschern eine Gruppe“ (Flick 2005, S.171) ein. Als „Forscher einer Gruppe“ können hier Studierenden angesehen werden, zu deren Aufgaben die Durchführung der Interviews, deren elektronische Aufzeichnung und die Transkription gehörte (Nader 2015, S.146). Alle aufgeführten Forschungsprozesse wurden von Studenten gemeinsam besprochen und partizipativ entwickelt. Dabei entstandene Probleme wurden in Diskussionsrunden besprochen (vgl. ebd., S.148). Flick befürwortet die Beteiligung mehrerer Forscher an solchen Entscheidungsprozessen, da dieses die „Erweiterung der Perspektiven auf den Gegenstand“ (Flick 1995, S.171) begünstigt. Die „gemeinsamen Ziele und Wege “ des Forschungsprozesses wurden auf Plakaten, die als Forschungstagebücher fungierten archiviert (Nader, S.148). Aus der Studie geht nicht hervor, in welcher Regelmäßigkeit die Plakate vervollständigt und verändert wurden. Flick befürwortet eine Art der Dokumentation, in der unterschiedliche Forschungs-Sichtweisen festgehalten und methodische Entscheidungen begründet werden (vgl. Flick, 1995 S. 171). Ob die, während Naders Forschung angefertigte Plakate dem Anspruch von „Forschungstagebüchern“ im Sine von Flick gerecht werden kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden.

Im Kapitel 12 der Studie wurden Bereiche aufgeführt, die von dem erforschten Wissen beeinflusst werden könnten (Nader 2015, S.300). Es handelt sich dabei um den Kontext der „bildungshistorischen Perspektive“, „Lehrprofessionalität“ und des „pädagogischen Handelns“ (ebd.)

Literatur

  • Diekmann, Andreas. „Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen“. Hamburg.(2011)
  • Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg.(2014)
  • Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg.(2016)
  • Flick, Uwe. „Stationen des qualitativen Forschungsprozesses„. In: Flick, U./von Kardoff, E./Keupp, H./von Rosenstiel, L./Wolff, St. (Hrsg.): Handbuch qualitative Sozialforschung. Weinheim. (1995)
  • Nader, Michael. „Was bleibt? Erinnerung an die Volksschule. Eine empirische Studie zur Lehrprofessionalität“. Dresden. (2015)

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