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lehre:sose2017:sozialwissmeth:analysen:nader:tandem28

Tandem 28

  • Tandempartner*in 1: Siddiqui; Meryem
  • Tandempartner*in 2: Schopphoven, Elena

Entwurfsfassung

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Das Hauptanliegen der vorliegenden Studie liege in der empirischen Exploration des Feldes, was ehemaligen Schülern von der Volksschule in Erinnerung bleibt (vgl. Nader 2015, S.16). Somit ist der Untersuchungsgegenstand, die nachhaltigen Erinnerungen ehemaliger Volksschulschüler an ihre Volksschulzeit. Den theoretischen Bereich der Untersuchung bilden verschiedene Theorien über das Gedächtnis und Erinnerungen, sowie die Geschichte und Entwicklung der österreichischen Volksschule.

Die Erkenntnisse der Studie könnten primär die Theorie der Lehrprofessionalität bereichern (vgl. Nader 2015, S.12). Denn, vermuten zu können, was vom Lehrerhandeln bei Schülern langfristig bleibt, könnte zu einem vertieften Verständnis des eigenen Handelns von Lehrpersonen führen und somit professionelles Handeln von Volksschullehrern unterstützen.

Bisherige Theorien und Forschungen zu nachhaltigen Effekten von Volksschule lassen immer noch gewichtige Fragen unbeantwortet und damit viel Raum für Spekulationen (vgl. Nader 2015, S.12). Außerdem seien empirische Beweise für die langfristige Wirksamkeit von schulischen Interventionen auf Seiten der Schüler bisher nur sehr punktuell erbracht worden (vgl. Nader 2015, S.11). Daher sei es an der Zeit, das System Volksschule auch von einer empirischen Innenperspektive her zu betrachten und insbesondere den Schülern eine Stimme zu geben.

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Nader leitet seine Fragestellungen von den drei angeführten Paradigmen, welche nach Ecarius (2010) der historischen Sozialisationsforschung zu Grunde liegen, ab. Hierbei ist die erste Annahme, dass das Individuum und die Gesellschaft nicht getrennt voneinander zu betrachten sind, da sie im Wandel miteinander vereint sind und sich gegenseitig beeinflussen (vgl. Nader 2015, S.15). Die zentrale Fragestellung der Forschung Naders lautet: „Welche kollektiven Erinnerungen können in allen noch lebenden Alterskohorten hinsichtlich deren Volksschulzeit in Niederösterreich konstruiert werden?“(Nader 2015, S.16)

Die zweite Annahme der drei aufgeführten Paradigmen ist, dass es in der Gesellschaft Gruppen gibt, welche durch zeitliche und / oder räumliche Umstände vereint sind und dadurch vergleichbare kollektive Erfahrungshorizonte entwickeln (vgl. Nader 2015, S.15). Um die Ergebnisse aus der ersten Forschungsfrage nach zeitlichen Gruppen feiner ausdifferenzieren zu können, werden anschließend unter allen Forschungspartnern Alterskohorten gebildet (vgl. Nader 2015, S.17). Somit lauten die nächsten zwei Fragestellungen: „Welche Unterschiede in den kollektiven Erinnerungen an die Volksschule können in den verschiedenen Absolventenkohorten festgestellt werden?“ und „Welche Gemeinsamkeiten in den kollektiven Erinnerungen an die Volksschule können in den verschiedenen Absolventenkohorten festgestellt werden?“ (Nader 2015, S.17)

Der dritte Schwerpunkt in den angeführten Paradigmen untersucht die Generationenbeziehungen zwischen den alten und jungen Mitgliedern der Gesellschaft. Nach der Beantwortung der vorangegangenen Forschungsfragen wird versucht werden, eine Theorie von Volksschulerinnerungen aus der Perspektive der unterschiedlichen Absolventengeneration zu entwerfen und Erklärungen für die getätigten Beobachtungen zu finden. Die letzte Fragestellung lautet somit: „Welche Ursachen und Erklärungen können für die beobachteten Volksschulerinnerungen der unterschiedlichen Alterskohorten vermutet werden?“ (Nader 2015, S.17)

Insgesamt sind also vier Fragestellungen aufgeführt, welche zudem hintereinander ablaufen. Zu fast jedem Forschungsproblem können eine Vielzahl von Fragestellungen untersucht werden, jedoch nicht alle gleichzeitig (vgl. Flick 2009, S.64).

Annäherung ans Feld

Analog der Vorgangsweise der Grounded Theory geschieht der Feldeinstieg bei gleichzeitiger Literaturrecherche. Nader beschreibt, dass deshalb der aktuelle Stand der Forschung abgehandelt wird, der die neun Bereiche abdeckt, die aus einer vorangegangenen narrativen Interviewserie entwickelt wurden (vgl. Nader 2009, S.21). Im Anschluss der qualitativen Interviewserie, mit der induktive Erinnerungskategorien inhaltsanalytisch ausgearbeitet werden, wird eine quantitative Untersuchung durchgeführt, welche die induktiv entstandenen Annahmen ergänzen und auch prüfen soll (vgl. Nader 2009, S.21).

Sammlung der Daten

Bei der vorliegenden Studie wird ein Mixed-Method-Design angewendet, welches voraussetzt, dass qualitative und quantitative Methoden kombiniert werden. Dabei geht es vor allem darum, die Gegensätzlichkeit der qualitativen und quantitativen Forschung zu überwinden (vgl. Flick 2009, S.230).

Mittels vorangegangener, narrativer Interviews wird versucht, den Untersuchungsgegenstand aufzubereiten und die dabei induktiv entstandene Struktur mittels ergänzender Theoriearbeit zu festigen. Daran wird anschließend ein Interviewleitfaden entwickelt, der die herausgearbeiteten Kategorien abfragt. Das Leitfadeninterview wird mit einer Anzahl an Respondenten durchgeführt, transkribiert und inhaltlich analysiert (vgl. Nader 2009, S.131). Für das Leitfadeninterview wird eine Reihe von Fragen vorbereitet, die das thematisch relevante Spektrum des Interviews und seines Gegenstandes abdecken sollen, wozu ein Leitfaden erstellt wird, an dem der Interviewer sich orientiert (vgl. Flick 2009, S.113). Angesichts der in dieser Phase entstandenen Erkenntnisse wird eine Deskription der Zusammensetzungen von Volkschulerinnerungen der verschiedenen Alterskohorten erstellt. Aufgrund des Forschungsdesigns können allerdings nur Thematiken festgemacht werden, die für die jeweiligen Kohorten relevant waren, eine dezidierte Quantifizierung ist noch nicht möglich. Daher wird infolgedessen ein quantitativer Fragebogen entwickelt mit dem versucht wird, die auf qualitativ-explorativem Wege entstandene Theorie zu operationalisieren. Mit dieser Datenerhebung ist es dann möglich, die Volksschulerinnerungen zu quantifizieren und in zeitlichen Verläufen abzubilden. Das Ende der Arbeit bildet die Formung einer Theorie von Volksschulerinnerungen, welche die Erkenntnisse der beiden Analysen in sich zusammenführt (vgl. Nader 2009, S.131).

Fixierung der Daten

Im Rahmen der von Nader durchgeführten Seminare, wurden Studierende in einer Einheit beschult, wie ein Leitfadeninterview korrekt durchgeführt werden soll. (Vgl. Nader S.147). Flick sieht eine starke Abhängigkeit zwischen den Kompetenzen des Interviewers und der erfolgreichen Durchführung eines Interviews. (Vgl. (2) Flick 2007, S. 200) Er sieht durch Interviewtrainings die Möglichkeit, zu einheitlichen Zielvorgaben zu gelangen und so eine gute Vergleichbarkeit der gesammelten Daten gewährleistet. (Vgl. Ebd. S.200, 201) Die Interviews wurden in Form von Tonaufnahmen festgehalten. (Vgl. Nader S. 147). Auf diese Weise entstanden im ersten Schritt insgesamt 516 Interviews. In der Literatur findet man bezüglich der Aufzeichnung von Interviews unterschiedliche Sichtweisen. Einerseits sieht Flick, dass die Anwesenheit der weitverbreiteten Aufzeichnungsmedien während eines Interviews, heutzutage wohl niemanden mehr verunsichern. (Vgl. Flick 2007, S .372) Andererseits empfiehlt er den Einsatz von Technik während eines Interviews möglichst gering zu halten um die Rahmenbedingungen während des Gesprächs möglichst natürlich zu erhalten. (Vgl. Ebd. S. 373) Die Transkription der Daten erfolgte bei Nader ebenfalls durch die Studierenden. Diese nutzen dazu alle eine vorgegebene Software sowie ein „konsensuell finalisiertes, deduktives Kategoriensystem“. (Vgl. Nader S.147-148). In der Transkription von Daten gibt es keinen einheitlichen Standard. Flick erachtet es als Sinnvoll, den Umfang einer Transkription, bewusst in Relation zu seinem Nutzen zu wählen. (Vgl.(2) Flick 2007 S. 379-380) Die nächste Aufgabe der Studierenden war es nun, bis zum Ende des Semesters einen analytischen Bericht (nach Formatvorlage zwecks Einheitlichkeit) über das durchgeführte Interview zu verfassen. (Vgl. Nader S.147/148). „Die Texte, die auf diesem Weg entstehen, Konstruieren die untersuchte Wirklichkeit auf besondere Weise und machen sie als empirisches Material interpretativen Prozeduren zugänglich.“ (Vgl.(2) Flick 2007 S. 384)

Interpretation der Daten

Die darauffolgende Metaanalyse der eingereichten Berichte beschränkte sich nach Plagiatsprüfung, auf 262 und wurde von Nader selbst durchgeführt. (Vgl. Nader S. 139, S.152) Hierbei interpretierte Nader vorrangig die Kategorienbeschreibungen im qualitativen Sinn und betont, dass eine Quantifizierung der Daten in diesem Stadium der Forschung nicht möglich sei. (Vgl. Nader S. 152/153) Nader verfasste aus den Studierendenberichten einen Abschlussbericht und äußert, dass es nun Notwendig sei einen quantitativen Fragebogen zu erstellen, um Entwicklungsverläufe nach Häufigkeiten darstellen zu können. (Vgl. Nader S.154) Flick erachtet eine Kombination von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden, als sinnvoll, wenn in der Studie verschiedene Ansätze und Gesichtspunkte behandelt werden und diese nur mit Hilfe von verschiedener Methoden möglich ist. (Vgl.(1)Flick 2016, S. 235)

Geltungsbegründung

In Kapitel 6.3 seiner Dissertation, verweist Nader auf die kontroverse Diskussion, ob Gütekriterien der quantitativen Forschung auch zur Bewertung von qualitativer Forschung herangezogen werden können. (Vgl. Nader S. 139) Auch Flick diskutiert dieses Problem und sieht Vertrauenswürdigkeit als zentrales Kriterium der qualitativen Forschung um eine hohe Glaubwürdigkeit zu erlangen. (Vgl.(1) Flick 2016 S. 271 ff.) Nader geht bei der Beschreibung seiner Forschung sehr detailliert vor und benennt auch auftretende Probleme und seine Lösungen. Als Beispiel bei der Durchführung ist das Interviewtraining (Vgl. Nader S. 147) zu sehen – bei der Datenauswertung des quantitativen Fragebogens betont Nader bewusst, „dass die Respondenten beider Interviewserien nicht ident mit den Personen sind, die den quantitativen Fragebogen ausgefüllt haben. Wäre dies der Fall gewesen, so hätten sich die beiden Untersuchungen einen abgekapselten Referenzrahmen geschaffen, der sich selbst bestätigt hätte.“ (Vgl. Ebd. S.237f.)

Forschung als Diskurs

In seiner Studie nutzt Nader zunächst die qualitative Methode des Leitfadeninterviews um dann, mit Hilfe eines quantitativen Fragebogens die ersten Forschungsergebnisse zu bestätigen. Die Kombination beider Forschungsmethoden ist in diesem Zusammenhang sinnvoll und die Vorgehensweise erscheint schlüssig. Flick sieht eine solche Triangulation, methodisch ebenfalls als sinnvoll an verweist allerdings auf Forschungsbedarf in der Methodik und Vorgehensweise, um beiden „Forschungslagern“ gerecht zu werden. (Vgl.(2) Flick S. 557)

Literatur

- Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg. (2009).

- (2). Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg. (2016).

- (3). Flick, Uwe „qualitative Sozialforschung. Eine Einführung.“ Hamburg (2007)

- Nader, Michael (2015): Was bleibt? Erinnerungen an die Volksschule. Eine empirische Studie zur Lehrprofessionalität.

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Ranking:

1. Platz - Tandem 9

2. Platz - Tandem 45

3. Platz - Tandem 18

4. Platz - Tandem 31

Tandem 9, Platz 1

Die Analyse ist größtenteils verständlich verfasst worden und beinhaltet besonders in den ersten Analysekriterien gute inhaltliche Aspekte. Ihr solltet allerdings auf eine einheitliche Zitierweise achten ( in dieser Fassung mal mit Vgl. / und mal ohne Vgl. )und um die Lesbarkeit eures Textes zu erleichtern, Absätze einbringen. Unter dem Punkt Fixierung der Daten, wurde gar kein Beleg angegeben!

Fixierung der Daten, Interpretation der Daten und Geltungsbegründung wurden von euch rein Deskriptiv bearbeitet - Bezug zu Flick fehlt!

Tandem 45, Platz 2

Insgesamt ein verständlich verfasster Text mit guten Inhaltlichen Aspekten, der jedoch bezüglich der Zitierweise Mängel aufweist. Zum einen ist diese oft uneinheitlich (mal mit Vgl. / mal ohne ) und zum anderen ist die „Nachzitierung“ (Bsp.: „Flick zitiert nach Strauss…“) unschön und zu vermeiden. Im ersten Zitat des Analysepunkt Fragestellung fehlt die Quellenangabe. In einigen anderen Zitaten fehlt die Seitenangabe ganz bzw. die Abkürzung für die Seitenangabe.

Tandem 18, Platz 3

Euer Text ist verständlich formuliert. Im ersten Absatz sehen wir einige Punkte die eher in eine Einleitung passen würden als zu dem Punkt Fragestellung. Der Analysepunkt „Geltungsbegründung“ fehlt leider und die Punkte „Sammlung der Daten“, „Fixierung der Daten“, sowie „Interpretation der Daten“ wurden nur Deskriptiv bearbeitet( Bezug zu Flick fehlt! ). Unter „Annäherung ans Feld“ sehen wir einen inhaltlichen Fehler : „…quantitative Ergebnisse“.

Tandem 31, Platz 4

Der Text wurde fast ausschließlich deskriptiv verfasst und enthält kaum analytische Punkte - Der Bezug zu Flick fehlt! Im letzten Absatz des Punktes „Sammlung der Daten“ habt ihr einen inhaltlichen Fehler:es müsste eigentlich heißen: „…. Flick nutzt einen Fragebogen um diese mit quantitativen Daten zu untermauern“. Für den Abschnitt Auswertung und Interpretation der Daten gibt es sicherlich einen schöneren Weg als die von euch genutzte Aufzählung.

Dritter Text: Endfassung

Einleitung

In der im Juni 2015 veröffentlichten Dissertation „Was bleibt? Erinnerungen an die Volksschule„ erarbeitet der Autor Michael Nader empirisch, die Erinnerungen ehemaliger Volksschüler in Österreich. Sein Ziel ist es, ein erhöhtes Verständnis und Bewusstsein für langfristige Handlungskonsequenzen des Lehrpersonals zu schaffen, indem er Kollektivschicksale herausarbeitet. (Vgl. Nader 2015, S. 16)

Ziel dieser Studienanalyse ist es, Naders Vorgehen zu beschreiben und hinsichtlich der gängigen wissenschaftlichen Anforderungen und Erwartungen , gegenüber Forschungsstudien zu prüfen.

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Das Hauptanliegen der vorliegenden Studie liege in der empirischen Exploration des Feldes, was ehemaligen Schülern von der Volksschule in Erinnerung bleibt (vgl. Nader 2015, S.16). Somit ist der Untersuchungsgegenstand, die nachhaltigen Erinnerungen ehemaliger Volksschulschüler an ihre Volksschulzeit. Den theoretischen Bereich der Untersuchung bilden verschiedene Theorien über das Gedächtnis und Erinnerungen, sowie die Geschichte und Entwicklung der österreichischen Volksschule.

Die Erkenntnisse der Studie könnten primär die Theorie der Lehrprofessionalität bereichern (vgl. Nader 2015, S.12). Denn, vermuten zu können, was vom Lehrerhandeln bei Schülern langfristig bleibt, könnte zu einem vertieften Verständnis des eigenen Handelns von Lehrpersonen führen und somit professionelles Handeln von Volksschullehrern unterstützen.

Bisherige Theorien und Forschungen zu nachhaltigen Effekten von Volksschule lassen immer noch gewichtige Fragen unbeantwortet und damit viel Raum für Spekulationen (vgl. Nader 2015, S.12). Außerdem seien empirische Beweise für die langfristige Wirksamkeit von schulischen Interventionen auf Seiten der Schüler bisher nur sehr punktuell erbracht worden (vgl. Nader 2015, S.11). Daher sei es an der Zeit, das System Volksschule auch von einer empirischen Innenperspektive her zu betrachten und insbesondere den Schülern eine Stimme zu geben.

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Nader leitet seine Fragestellungen von den drei angeführten Paradigmen, welche nach Ecarius (2010) der historischen Sozialisationsforschung zu Grunde liegen, ab. Hierbei ist die erste Annahme, dass das Individuum und die Gesellschaft nicht getrennt voneinander zu betrachten sind, da sie im Wandel miteinander vereint sind und sich gegenseitig beeinflussen (vgl. Nader 2015, S.15). Die zentrale Fragestellung der Forschung Naders lautet: „Welche kollektiven Erinnerungen können in allen noch lebenden Alterskohorten hinsichtlich deren Volksschulzeit in Niederösterreich konstruiert werden?“(Nader 2015, S.16)

Die zweite Annahme der drei aufgeführten Paradigmen ist, dass es in der Gesellschaft Gruppen gibt, welche durch zeitliche und / oder räumliche Umstände vereint sind und dadurch vergleichbare kollektive Erfahrungshorizonte entwickeln (vgl. Nader 2015, S.15). Um die Ergebnisse aus der ersten Forschungsfrage nach zeitlichen Gruppen feiner ausdifferenzieren zu können, werden anschließend unter allen Forschungspartnern Alterskohorten gebildet (vgl. Nader 2015, S.17). Somit lauten die nächsten zwei Fragestellungen: „Welche Unterschiede in den kollektiven Erinnerungen an die Volksschule können in den verschiedenen Absolventenkohorten festgestellt werden?“ und „Welche Gemeinsamkeiten in den kollektiven Erinnerungen an die Volksschule können in den verschiedenen Absolventenkohorten festgestellt werden?“ (Nader 2015, S.17)

Der dritte Schwerpunkt in den angeführten Paradigmen untersucht die Generationenbeziehungen zwischen den alten und jungen Mitgliedern der Gesellschaft. Nach der Beantwortung der vorangegangenen Forschungsfragen wird versucht werden, eine Theorie von Volksschulerinnerungen aus der Perspektive der unterschiedlichen Absolventengeneration zu entwerfen und Erklärungen für die getätigten Beobachtungen zu finden. Die letzte Fragestellung lautet somit: „Welche Ursachen und Erklärungen können für die beobachteten Volksschulerinnerungen der unterschiedlichen Alterskohorten vermutet werden?“ (Nader 2015, S.17)

Insgesamt sind also vier Fragestellungen aufgeführt, welche zudem hintereinander ablaufen. Zu fast jedem Forschungsproblem können eine Vielzahl von Fragestellungen untersucht werden, jedoch nicht alle gleichzeitig (vgl. Flick 2009, S.64).

Annäherung ans Feld

Analog der Vorgangsweise der Grounded Theory geschieht der Feldeinstieg bei gleichzeitiger Literaturrecherche. Nader beschreibt, dass deshalb der aktuelle Stand der Forschung abgehandelt wird, der die neun Bereiche abdeckt, die aus einer vorangegangenen narrativen Interviewserie entwickelt wurden (vgl. Nader 2009, S.21). Im Anschluss der qualitativen Interviewserie, mit der induktive Erinnerungskategorien inhaltsanalytisch ausgearbeitet werden, wird eine quantitative Untersuchung durchgeführt, welche die induktiv entstandenen Annahmen ergänzen und auch prüfen soll (vgl. Nader 2009, S.21).

Sammlung der Daten

Bei der vorliegenden Studie wird ein Mixed-Method-Design angewendet, welches voraussetzt, dass qualitative und quantitative Methoden kombiniert werden. Dabei geht es vor allem darum, die Gegensätzlichkeit der qualitativen und quantitativen Forschung zu überwinden (vgl. Flick 2009, S.230).

Mittels vorangegangener, narrativer Interviews wird versucht, den Untersuchungsgegenstand aufzubereiten und die dabei induktiv entstandene Struktur mittels ergänzender Theoriearbeit zu festigen. Daran wird anschließend ein Interviewleitfaden entwickelt, der die herausgearbeiteten Kategorien abfragt. Das Leitfadeninterview wird mit einer Anzahl an Respondenten durchgeführt, transkribiert und inhaltlich analysiert (vgl. Nader 2009, S.131). Für das Leitfadeninterview wird eine Reihe von Fragen vorbereitet, die das thematisch relevante Spektrum des Interviews und seines Gegenstandes abdecken sollen, wozu ein Leitfaden erstellt wird, an dem der Interviewer sich orientiert (vgl. Flick 2009, S.113). Angesichts der in dieser Phase entstandenen Erkenntnisse wird eine Deskription der Zusammensetzungen von Volkschulerinnerungen der verschiedenen Alterskohorten erstellt. Aufgrund des Forschungsdesigns können allerdings nur Thematiken festgemacht werden, die für die jeweiligen Kohorten relevant waren, eine dezidierte Quantifizierung ist noch nicht möglich. Daher wird infolgedessen ein quantitativer Fragebogen entwickelt mit dem versucht wird, die auf qualitativ-explorativem Wege entstandene Theorie zu operationalisieren. Mit dieser Datenerhebung ist es dann möglich, die Volksschulerinnerungen zu quantifizieren und in zeitlichen Verläufen abzubilden. Das Ende der Arbeit bildet die Formung einer Theorie von Volksschulerinnerungen, welche die Erkenntnisse der beiden Analysen in sich zusammenführt (vgl. Nader 2009, S.131).

Fixierung der Daten

Im Rahmen der von Nader durchgeführten Seminare, wurden Studierende in einer Einheit beschult, wie ein Leitfadeninterview korrekt durchgeführt werden soll. (Vgl. Nader S.147). Flick sieht eine starke Abhängigkeit zwischen den Kompetenzen des Interviewers und der erfolgreichen Durchführung eines Interviews. (Vgl. (2) Flick 2007, S. 200) Er sieht durch Interviewtrainings die Möglichkeit, zu einheitlichen Zielvorgaben zu gelangen und so eine gute Vergleichbarkeit der gesammelten Daten gewährleistet. (Vgl. Ebd. S.200, 201) Die Interviews wurden in Form von Tonaufnahmen festgehalten. (Vgl. Nader S. 147). Auf diese Weise entstanden im ersten Schritt insgesamt 516 Interviews. In der Literatur findet man bezüglich der Aufzeichnung von Interviews unterschiedliche Sichtweisen. Einerseits sieht Flick, dass die Anwesenheit der weitverbreiteten Aufzeichnungsmedien während eines Interviews, heutzutage wohl niemanden mehr verunsichern. (Vgl. Flick 2007, S .372) Andererseits empfiehlt er den Einsatz von Technik während eines Interviews möglichst gering zu halten um die Rahmenbedingungen während des Gesprächs möglichst natürlich zu erhalten. (Vgl. Ebd. S. 373) Die Transkription der Daten erfolgte bei Nader ebenfalls durch die Studierenden. Diese nutzen dazu alle eine vorgegebene Software sowie ein „konsensuell finalisiertes, deduktives Kategoriensystem“. (Vgl. Nader S.147-148). In der Transkription von Daten gibt es keinen einheitlichen Standard. Flick erachtet es als Sinnvoll, den Umfang einer Transkription, bewusst in Relation zu seinem Nutzen zu wählen. (Vgl.(2) Flick 2007 S. 379-380) Die nächste Aufgabe der Studierenden war es nun, bis zum Ende des Semesters einen analytischen Bericht (nach Formatvorlage zwecks Einheitlichkeit) über das durchgeführte Interview zu verfassen. (Vgl. Nader S.147/148). „Die Texte, die auf diesem Weg entstehen, Konstruieren die untersuchte Wirklichkeit auf besondere Weise und machen sie als empirisches Material interpretativen Prozeduren zugänglich.“ (Vgl.(2) Flick 2007 S. 384)

Interpretation der Daten

Die darauffolgende Metaanalyse der eingereichten Berichte beschränkte sich nach Plagiatsprüfung, auf 262 und wurde von Nader selbst durchgeführt. (Vgl. Nader S. 139, S.152) Hierbei interpretierte Nader vorrangig die Kategorienbeschreibungen im qualitativen Sinn und betont, dass eine Quantifizierung der Daten in diesem Stadium der Forschung nicht möglich sei. (Vgl. Nader S. 152/153) Nader verfasste aus den Studierendenberichten einen Abschlussbericht und äußert, dass es nun Notwendig sei einen quantitativen Fragebogen zu erstellen, um Entwicklungsverläufe nach Häufigkeiten darstellen zu können. (Vgl. Nader S.154) Flick erachtet eine Kombination von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden, als sinnvoll, wenn in der Studie verschiedene Ansätze und Gesichtspunkte behandelt werden und diese nur mit Hilfe von verschiedener Methoden möglich ist. (Vgl.(1)Flick 2016, S. 235)

Geltungsbegründung

In Kapitel 6.3 seiner Dissertation, verweist Nader auf die kontroverse Diskussion, ob Gütekriterien der quantitativen Forschung auch zur Bewertung von qualitativer Forschung herangezogen werden können. (Vgl. Nader S. 139) Auch Flick diskutiert dieses Problem und sieht Vertrauenswürdigkeit als zentrales Kriterium der qualitativen Forschung um eine hohe Glaubwürdigkeit zu erlangen. (Vgl.(1) Flick 2016 S. 271 ff.) Nader geht bei der Beschreibung seiner Forschung sehr detailliert vor und benennt auch auftretende Probleme und seine Lösungen. Als Beispiel bei der Durchführung ist das Interviewtraining (Vgl. Nader S. 147) zu sehen – bei der Datenauswertung des quantitativen Fragebogens betont Nader bewusst, „dass die Respondenten beider Interviewserien nicht ident mit den Personen sind, die den quantitativen Fragebogen ausgefüllt haben. Wäre dies der Fall gewesen, so hätten sich die beiden Untersuchungen einen abgekapselten Referenzrahmen geschaffen, der sich selbst bestätigt hätte.“ (Vgl. Ebd. S.237f.)

Forschung als Diskurs

In seiner Studie nutzt Nader zunächst die qualitative Methode des Leitfadeninterviews um dann, mit Hilfe eines quantitativen Fragebogens die ersten Forschungsergebnisse zu bestätigen. Die Kombination beider Forschungsmethoden ist in diesem Zusammenhang sinnvoll und die Vorgehensweise erscheint schlüssig. Flick sieht eine solche Triangulation, methodisch ebenfalls als sinnvoll an verweist allerdings auf Forschungsbedarf in der Methodik und Vorgehensweise, um beiden „Forschungslagern“ gerecht zu werden. (Vgl.(2) Flick S. 557)

Literatur

- Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg. (2009).

- (2). Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg. (2016).

- (3). Flick, Uwe „qualitative Sozialforschung. Eine Einführung.“ Hamburg (2007)

- Nader, Michael (2015): Was bleibt? Erinnerungen an die Volksschule. Eine empirische Studie zur Lehrprofessionalität.

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