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Tandem 38

  • Tandempartner*in 1: Richter; Roman
  • Tandempartner*in 2: Schulte; Sandra

Entwurfsfassung

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Im September 2009, veröffentlichte Oliver Fähnrich, die Studie, „Jugendkriminalität“, „Biographische Kontexte straffälliger Jugendlicher“, „Merkmale und Selbstdeutungsmuster jugendlicher Wiederholungsstraftäter“. In der hermeneutisch-qualitativen Studie „Jugendkriminalität“ geht es um straffällige Jugendliche, die anhand ihrer Biografie und Erfahrung, eine Selbsteinschätzung ihrer Lebenssituation und ihrer Straftaten vornehmen sollen. „Seine Forschungsfragen formuliert Fähnrich eindeutig.“ (vgl. Flick 2016, S. 140) Die hier aufgeführte Studie beschäftigt sich mit den folgenden zwei Forschungsfragen:

• „Wie deuten die Jugendlichen ihre aktuellen Lebensumstände und biografischen Erfahrungen (einschließlich ihrer Straftaten) selbst?“ (Fähnrich 2009, S.103)

• Lassen sich typische Selbstdeutungsmuster der Jugendlichen bezüglich ihrer aktuellen Lebensumstände sowie biografischen Erfahrungen (einschließlich Straftaten) feststellen?“ (Fähnrich 2009, S.103)

Für die Durchführung seiner Studie, interviewte Fähnrich 11 jugendliche Straftäter, im Alter von 14 bis 18 Jahren, mit annähernd ähnlichen Profilen. Das Ziel des Leitfadeninterviews ist, durch den Dialog, die individuelle Sicht des Interviewpartners auf das Thema zu erhalten (vgl. Flick 2009, S.113).

„Das Ziel der Arbeit ist es, (1) herauszufinden, wie und unter welchen Bedingungen die Jugendlichen aufgewachsen sind; (2) zu beschrieben, wie die Jugendlichen ihre biografischen Erfahrungen und aktuellen Lebensumstände deuten und ihre Straftaten rechtfertigen. Anschließend sollen typische Beschreibungs- bzw. Selbstdeutungsmuster herausgearbeitet werden; (3) Anregungen zu aktuellen Diskussion um das Thema Jugendkriminalität zu liefern.“ (Fähnrich 2009, S.104)

Annäherung ans Feld

Fähnrich beginnt seine Arbeit damit, bereits publizierte Theorien und Vorschungsansätze, aus verschiedenen Fachbereichen, vorzustellen und kritisch zu beleuchten. „Die in Kapitel 2 beschriebenen Kriminalitätsmodelle verdeutlichen die Komplexität der Thematik und aus wie vielen Perspektiven man diese Problematik sehen, deuten und interpretieren kann.“ (Fähnrich 2009, S. 102). Fähnrich betont, wie vielfältig das Thema Kriminalität ist und man könne anhand verschiedener Theorien, immer nur Teilausschnitte des gesamten Themenkomplexes, betrachten. „Kriminalität ist in ihrer unterschiedlichsten Ausprägung so umfangreich und komplex, dass es wohl kaum möglich ist, sie mit einer einzigen Theorie zu erfassen und erklären.“ (Fähnrich 2009, S.101). Das bringt ihn letztlich zu der folgenden, entscheidenden These: „Es ist bislang weder möglich, rückfällige Jugendliche im Vorhinein zu identifizieren, noch zu ergründen, warum sich Jugendliche mit ähnlichen Problemlagen teils abweichend, teils konform verhalten.“ (Fähnrich 2009, S. 102) Denn „… die vorliegenden theoretischen Forschungsansätze berücksichtigen bislang nur unzulänglich die Selbstdeutungen der Jugendlichen für ihr kriminelles Verhalten.“ (Fähnrich 2009, S.103). Daher soll es nun „… darum gehen, wie die Jugendlichen selbst ihre Straftaten beschreiben und zum Teil aus ihrer Sicht begründen („subjektive Karriere“).“ (Fähnrich 2009, S.102). Indem Fähnrich die Jugendlichen, nach ihrem Alltag befragt, erlangt er Erkenntnispotentioal, sowie „Einnahmen und das Festhalten an einer Außenperspektive“. (Flick et al., 1995, S.154). Die Interviews sollen dabei helfen, „… die Lebenswelt der Jugendlichen zu erschließen“, um „… pädagogische Hilfsangebote – die zum Abbruch von kriminellen Karrieren führen sollen – anbieten zu können…“ (Fähnrich 2009, S.103). „Die Jugendlichen haben in ihrem bisherigen Leben biografische Erfahrungen gemacht, die sie geprägt und für ihr weiteres Leben bestimmt haben. Man kann aber davon ausgehen, dass die prägenden Ereignisse individuell bewertet und verarbeitet werden (Selbstdeutungsmuster).“ (Fähnrich 2009, S.103). Da jeder Mensch eine individuelle Vergangenheit und Herkunft hat und die Familienkonstellationen ebenso verschieden sind, hat man versucht, die Studie aussagekräftiger zu machen, indem man „…Jugendliche mit ähnlichen objektiven Strukturmerkmalen … sowie typischen Selbstdeutungsmustern…“ interviewt (Fähnrich 2009, S.103).

Sammlung der Daten

„Um einen umfassenden Überblick über jugendliche Wiederholungstäter zu erhalten, wurde im Frühjahr 2006 Kontakt mit einem hessischen Polizeipräsidium aufgenommen.“ (Fähnrich 2009, S.105). „Die Jugendlichen werden mithilfe des Projekts “Besonders auffällige Straftäter unter 21 Jahren“, künftig BASU 21 genannt, beschrieben… .“ (Fähnrich 2009, S. 105). Für die Studie wurden zunächst, anhand einer von der Polizeibehörde durchgeführten EDV-Recherche, 80 potentiellen Kandidaten ausselektiert. Die Beamten taten dies anhand der von ihnen regelmäßig geführten Kriminalakte, die unteranderem jeweils ein Personagram über den Jugendlichen enthält. Diese Personagramme enthalten wichtige Anhaltspunkte über die Person und Biographie, sowie aktuelle Daten zu den Angehörigen, dem sozialen Umfeld, dem Beruf oder schulischen Werdegang und natürlich die begangenen Straftaten.

Es handelt sich bei der Studie um einen qualitativen Forschungsprozess. Die Auswahl der Jugendlichen wurde zunächst durch Selektives Sampling getroffen. Nach Definition und Kriterien trafen die Forscher eine Auswahl, bei der jedoch nur vier Personen zusagten. Mithilfe weiterer Einrichtungen war es möglich, sieben Jugendliche heranzuziehen, die grundsätzlich zum Profil BASU 21 passen. Somit ergab die Auswahl der Jugendlichen eine Art Zufallsstichprobe, bei der elf Personen ausgewählt wurden (Fähnrich, 2009, S.119-120). „Im Hinblick auf die Stichprobenziehung kann schließlich festgehalten werden, dass die vorliegende Arbeit bedingt durch die sich ergebenden Umstände, vom Selektiven Sampling Abstand nehmen musste. Die Untersuchungsgruppe resultiert letztlich aus einer Art Zufallsstichprobe.“ (Fähnrich 2009,S.121).

Innerhalb der Studie lässt sich bei der Datenerhebung beobachten, dass sich während der Planung, für das Leitfadeninterview entscheiden wurde. Die Jugendlichen konnten somit besser durch die Situation geführt und motiviert werden.Wo hingegen das narrative Interview, die Jugendlichen zu sehr überfordert hätte. (vgl. Fähnrich, 2009, S.118). Gemäß Flick ist die Offenheit der Fragen bei qualitativer Forschung von wichtiger Bedeutung (Flick, 2012, S. 23). Die Fragen für das Interview sollen als Anhaltspunkte für das Gespräch dienen (Fähnrich, 2009, S. 122) und damit dem Jugendlichen dabei helfen, möglichst informativ am Interview teilzunehmen. Die Fragen zielen dabei auf ein problemzentriertes Anliegen ab (Flick, 2011, S. 210). Durch die ausdrückliche Garantie der Anonymisierung, erhofften sich die Forscher möglichst wahrheitsgemäße Aussagen. (vgl. Fähnrich, 2009, S.119). Während des Interviews, waren bloß der Interviewer und der Interviewte anwesend. Diese dauerten im Durchschnitt 45 Minuten. Im Vornherein präsentierte Fragen und Schwerpunkte führten die Probanden durch das Interview. Unklarheiten wurden erst im Anschluss daran geklärt, um den Interviewten nicht im Redefluss zu unterbrechen.

Fixierung der Daten

Interpretation der Daten

Um die Typenbildung zu ermöglichen, war es nötig, die Daten in mehreren Auswertungsschritten zu verarbeiten. Dabei behalf sich die Studie von der thematischen Kodierung, die von Flick entwickelt wurde (Flick, 2012, S.448 ff.). In dem mehrstufigen Vorgehen, erstellten die Forscher zunächst Einzelfallporträts. Daraus trafen sie thematische Aussagen, die in Kategorien und Subkategorien geordnet wurden. Zuletzt fanden die Kategorien auf die anderen Einzelfällen Anwendung. Schließlich ermöglichte die Auswertung die Erstellung von ausführlichen Fallporträts, Mustern und Typen. Hierbei findet eine Unterscheidung zwischen Situationstypen und Biografietypen statt (Fähnrich, 2009, S. 126 ff., Flick 1995, S. 435 ff.).

Geltungsbegründung

Forschung als Diskurs

Literatur

  • Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg. (2014).
  • Flick, Uwe. „Qualitative Sozialforschung: Eine Einführung.“ 9. Aufl., Reinbek (2012).
  • Flick, Uwe; Kardoff, Ernst von; Steinke, Ines. „Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung.“ 4. Aufl., Reinbek. (2011).
  • Flick, Uwe; Kardoff, Ernst von; Keupp, Heiner; Rosenstiel, Lutz von; Wolff, Stephan. „Handbuch Qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen.“ Weinheim. (1995).
  • Flick, Uwe. Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Hamburg, Reinbek (2016).
  • Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen: Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg. (2009)
  • Fähnrich, Oliver. „Jugendkriminalität. Biografische Kontexte straffälliger Jugendlicher. Merkmale und Selbstdeutungsmuster jugendlicher Wiederholungstäter.“ Dortmund. (2009).

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Tandem 29, Platz 1

Die Entwurfsfassung des Tandems 29 belegt den ersten Platz. Der Text wurde verständlich und gut lesbar niedergeschrieben. Die Struktur ist sinnvoll aufgebaut und die Quellen gut eingesetzt. Die Einleitung ist knapp und informativ gehalten und erleichtert den Einstieg in den Text. Fähnrich sollte noch im Literaturverzeichnis ergänzt werden. (Fassung vom 2017/06/08, 17:12)

Tandem 33, Platz 2

Das Tandem 33 belegt den zweiten Platz. Unter der Verwendung von einiger Literatur, wurde die Studie umfassend beschrieben und aufgeschlüsselt. In der Fragestellung fiel uns auf, dass erwähnt wird, es seien wenige qualitative Zugänge zum Thema Jugendkriminalität verfügbar. Aber dies deckt sich nicht mit der Aussage der Dissertation. Außerdem empfehlen wir Abkürzungen und kleinere Zahlen auszuschreiben. Ein weiterer Vorschlag unsererseits für die Endfassung wäre, dass die Erklärungen in den Klammern in eigenen Sätzen ausformuliert werden, um das Verständnis zu verbessern. Uns sind außerdem Rechtschreibfehler aufgefallen. (Fassung vom 2017/06/08, 17:28)

Tandem 32, Platz 3

Der Text war gut lesbar und es wurde ausfürhlich erklärt. Er ließe sich allerding flüssiger lesen, wenn die Sätze kürzer formuliert wären. Zudem viel uns positiv auf, dass ausreichend Femdliteratur genutzt wurde. Etwas befremdlich schien uns aber das zitieren einer Website. Dort wurde der vollständige URL-Link in das Kurzzitat, im Text, beigefügt. Gut gefallen hat uns die akkurate Unterteilung der Textbausteine in die verschiedenen Textabschnitte. Doch leider ist im Abschnitt „Fragestellung“, die Einleitung in das Thema und die Fragestellung nicht deutliche geworden. (Fassung vom 2017/06/08)

Tandem 42, Platz 4

Durch die knappen Sätze, ließ sich eure Arbeit gut lesen. Es hätte mehr Fremdliteratur benutzt werden können und ihr hätte einige Punkte ausführlicher beschreiben können. Uns hat die Kritik an Fähnrich, zu Beginn eurer Arbeit gefallen. Nur denken wir, das es falsch ist zu sagen, die persönlichen Hintergrüde der Jugendlichen würden nicht berücksichtigt. Schließlich erstellt Fähnrich in seine Studie die Personagramme, welche die sozialen Hintergründe beleuchten. Ebenso positiv ist uns eure Interpretation der Daten aufgefallen, denn sie lassen sich schlüssig erfassen. Hier lässt sich allerding hinzufügen, dass Fähnrich durchaus eine Geltungsbegründung zur Verfügung stellt. (Fassung vom 2017/06/08)

Dritter Text: Endfassung

Einleitung

Im September 2009, veröffentlichte Oliver Fähnrich, die Studie, „Jugendkriminalität“, „Biographische Kontexte straffälliger Jugendlicher“, „Merkmale und Selbstdeutungsmuster jugendlicher Wiederholungsstraftäter“. In der hermeneutisch-qualitativen Studie „Jugendkriminalität“ geht es um straffällige Jugendliche, die anhand ihrer Biografie und Erfahrung, eine Selbsteinschätzung ihrer Lebenssituation und ihrer Straftaten vornehmen sollen.

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Die Dissertation wurde in einer Phase geschrieben, in der die Kriminalität junger Personen in Deutschland ihre Hochphase erlebte (bpb, 2016). Fähnrich beschäftigte sich im Genaueren damit, welche Gründe Wiederholungstäter vorweisen, die sie dazu führen, rückfällig zu werden (Fähnrich, 2009, S. 6). Der Gegenstand der Forschung ist also die Jugendkriminalität.

Fähnrich beginnt seine Arbeit damit, bereits publizierte Theorien und Vorschungsansätze, aus verschiedenen Fachbereichen, vorzustellen und kritisch zu beleuchten. „Die in Kapitel 2 beschriebenen Kriminalitätsmodelle verdeutlichen die Komplexität der Thematik und aus wie vielen Perspektiven man diese Problematik sehen, deuten und interpretieren kann.“ (Fähnrich 2009, S. 102). Fähnrich betont, wie vielfältig das Thema Kriminalität ist und man könne anhand verschiedener Theorien, immer nur Teilausschnitte des gesamten Themenkomplexes, betrachten. „Kriminalität ist in ihrer unterschiedlichsten Ausprägung so umfangreich und komplex, dass es wohl kaum möglich ist, sie mit einer einzigen Theorie zu erfassen und erklären.“ (Fähnrich 2009, S.101). Das bringt ihn letztlich zu der folgenden, entscheidenden These: „Es ist bislang weder möglich, rückfällige Jugendliche im Vorhinein zu identifizieren, noch zu ergründen, warum sich Jugendliche mit ähnlichen Problemlagen teils abweichend, teils konform verhalten.“ (Fähnrich 2009, S. 102) Denn „… die vorliegenden theoretischen Forschungsansätze berücksichtigen bislang nur unzulänglich die Selbstdeutungen der Jugendlichen für ihr kriminelles Verhalten.“ (Fähnrich 2009, S.103). Daher soll es nun „… darum gehen, wie die Jugendlichen selbst ihre Straftaten beschreiben und zum Teil aus ihrer Sicht begründen („subjektive Karriere“).“ (Fähnrich 2009, S.102).

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Seine Forschungsfragen formuliert Fähnrich eindeutig (vgl. Flick 2016, S. 140). Die hier aufgeführte Studie beschäftigt sich mit den folgenden zwei Forschungsfragen:

• „Wie deuten die Jugendlichen ihre aktuellen Lebensumstände und biografischen Erfahrungen (einschließlich ihrer Straftaten) selbst?“ (Fähnrich 2009, S.103)

• Lassen sich typische Selbstdeutungsmuster der Jugendlichen bezüglich ihrer aktuellen Lebensumstände sowie biografischen Erfahrungen (einschließlich Straftaten) feststellen?“ (Fähnrich 2009, S.103)

Für die Durchführung seiner Studie, interviewte Fähnrich 11 jugendliche Straftäter, im Alter von 14 bis 18 Jahren, mit annähernd ähnlichen Profilen. Das Ziel des Leitfadeninterviews ist, durch den Dialog, die individuelle Sicht des Interviewpartners auf das Thema zu erhalten (vgl. Flick 2009, S.113).

„Das Ziel der Arbeit ist es, (1) herauszufinden, wie und unter welchen Bedingungen die Jugendlichen aufgewachsen sind; (2) zu beschrieben, wie die Jugendlichen ihre biografischen Erfahrungen und aktuellen Lebensumstände deuten und ihre Straftaten rechtfertigen. Anschließend sollen typische Beschreibungs- bzw. Selbstdeutungsmuster herausgearbeitet werden; (3) Anregungen zu aktuellen Diskussion um das Thema Jugendkriminalität zu liefern.“ (Fähnrich 2009, S.104)

Annäherung ans Feld

Um an die benötigten Informationen über jugendliche Wiederholungstäter zu gelangen, wurde mit der hessischen Polizei Kontakt aufgenommen (Fähnrich 2009, S.105). „Die Jugendlichen werden mithilfe des Projekts “Besonders auffällige Straftäter unter 21 Jahren“, künftig BASU 21 genannt, beschrieben… .“ (Fähnrich 2009, S. 105). Für die Studie wurden zunächst, anhand einer von der Polizeibehörde durchgeführten EDV-Recherche, 80 potentiellen Kandidaten ausselektiert. Die Beamten taten dies anhand der von ihnen regelmäßig geführten Kriminalakte, die unter anderem jeweils ein Personagram über den Jugendlichen enthält. Diese Personagramme enthalten wichtige Anhaltspunkte über die Person und Biographie, sowie aktuelle Daten zu den Angehörigen, dem sozialen Umfeld, dem Beruf oder schulischen Werdegang und die begangenen Straftaten.

Sammlung der Daten

Es handelt sich bei der Studie um einen qualitativen Forschungsprozess. Die Auswahl der Jugendlichen wurde zunächst durch Selektives Sampling getroffen. Nach Definition und Kriterien trafen die Forscher eine Auswahl, bei der jedoch nur vier Personen zusagten. Mithilfe weiterer Einrichtungen war es möglich, sieben Jugendliche heranzuziehen, die grundsätzlich zum Profil BASU 21 passen. Somit ergab die Auswahl der Jugendlichen eine Art Zufallsstichprobe, bei der elf Personen ausgewählt wurden (Fähnrich, 2009, S.119-120). „Im Hinblick auf die Stichprobenziehung kann schließlich festgehalten werden, dass die vorliegende Arbeit bedingt durch die sich ergebenden Umstände, vom Selektiven Sampling Abstand nehmen musste. Die Untersuchungsgruppe resultiert letztlich aus einer Art Zufallsstichprobe.“ (ebd., S.121).

Innerhalb der Studie lässt sich bei der Datenerhebung beobachten, dass sich während der Planung für das Leitfadeninterview entscheiden wurde. Die Jugendlichen konnten somit besser durch die Situation geführt und motiviert werden. Wohingegen das narrative Interview die Jugendlichen zu sehr überfordert hätte (Fähnrich, 2009, S.118). Gemäß Flick ist die Offenheit der Fragen bei qualitativer Forschung von wichtiger Bedeutung (vgl. Flick, 2012, S. 23). Die Fragen für das Interview sollen als Anhaltspunkte für das Gespräch dienen (vgl. Fähnrich, 2009, S. 122) und damit dem Jugendlichen dabei helfen, möglichst informativ am Interview teilzunehmen. Die Fragen zielen dabei auf ein problemzentriertes Anliegen ab (Flick, 2011, S. 210). Die Interviews dauerten im Durchschnitt 45 Minuten. Im Vornherein präsentierte Fragen und Schwerpunkte führten die Probanden durch das Interview. Unklarheiten wurden erst im Anschluss daran geklärt, um den Interviewten nicht im Redefluss zu unterbrechen.

Indem Fähnrich die Jugendlichen, nach ihrem Alltag befragt, erlangt er Erkenntnispotentioal, sowie „Einnahmen und das Festhalten an einer Außenperspektive“. (Flick et al., 1995, S.154). Die Interviews sollen dabei helfen, „… die Lebenswelt der Jugendlichen zu erschließen“, um „… pädagogische Hilfsangebote – die zum Abbruch von kriminellen Karrieren führen sollen – anbieten zu können…“ (Fähnrich 2009, S.103). „Die Jugendlichen haben in ihrem bisherigen Leben biografische Erfahrungen gemacht, die sie geprägt und für ihr weiteres Leben bestimmt haben. Man kann aber davon ausgehen, dass die prägenden Ereignisse individuell bewertet und verarbeitet werden (Selbstdeutungsmuster).“ (ebd., S.103). Da jeder Mensch eine individuelle Vergangenheit und Herkunft hat und die Familienkonstellationen ebenso verschieden sind, hat man versucht, die Studie aussagekräftiger zu machen, indem man „…Jugendliche mit ähnlichen objektiven Strukturmerkmalen … sowie typischen Selbstdeutungsmustern…“ interviewt (ebd., S.103).

Fixierung der Daten

Die Daten wurden bei den durchgeführten Interviews durch Tonträger aufgezeichnet, um eine vollständige und genaue Speicherung der Informationen zu erhalten (Fähnrich, 2009, S. 122). Während der Interviews wurden Notizen angefertigt, die es ermöglichten, auf Unklarheiten einzugehen und im Nachhinein Fragen an die Jugendlichen zu stellen (ebd. S. 123). Im Anschluss fertigten die Forscher Transkripte der Aufnahmen an und stellten für jeden Jugendlichen individuell die Materialien zusammen (ebd.). Dazu gehörten auch die gewonnen Daten aus den beteiligten Institutionen und der hessischen Polizei (ebd.). Damit war die Grundlage für die Typenbildung geschaffen.

Interpretation der Daten

Um die Typenbildung zu ermöglichen, war es nötig, die Daten in mehreren Auswertungsschritten zu verarbeiten. Dafür behalfen sich die Forscher zunächst einmal der „Konzeptualisierung der Daten“ (Strauss/Corbin). Die Grundlage für die Auswertung der Leitfadennterviews bildet die Methode des theoretischen Kodierens nach Flick und Strauss. „Im Ansatz von Strauss (1991) ist die Interpretation von Daten der Kern des empirischen Vorgehens, das dabei jedoch explizite Erhebungsverfahren wie Interviews und Beobachtungen einschließt.“ (Flick, 2014, S.386). In dem mehrstufigen Vorgehen, erstellten die Forscher zunächst Einzelfallporträts. Diese fassten sie mit eigenen Worten auf jeweils vier bis sechs Seiten zusammen, um die Daten kompakter zu gestalten. Daraus trafen sie thematische Aussagen, die in Kategorien und Subkategorien geordnet wurden. „Die Interpretation von Texten dient der Theorieentwicklung und gleichzeitig als Basis für die Entscheidung, welche Daten zusätzlich erhoben werden sollen… .“(Flick, 2014, S.387). Zuletzt fanden die Kategorien auf die anderen Einzelfällen Anwendung. Schließlich ermöglichte die Auswertung, eine Erstellung von ausführlichen Fallporträts, Mustern und Typen. Hierbei fand eine Unterscheidung zwischen Situationstypen und Biografietypen statt (Fähnrich, 2009, S. 126 ff., Flick 1995, S. 435 ff.).

Schließlich konnte Fähnrich aus seiner Studie drei Lebenslagentypen herausbilden. „Der subkulturell verhaftetete Typ“, „Der biografisch belastete und subkulturell verhaftete Typ“ und „Der biografisch belastetete Typ mit ausstiegsorientierten Tendenzen“ (Fähnrich, 2009, S. 215). „Verallgemeinerung bei qualitativer Forschung liegt in der schrittweisen Übertragung von Erkenntnissen aus Fallstudien und ihrem Kontext in allgemeinere und abstraktere Zusammenhänge, z.B. eine Typologie… .“ (Flick, 2014, S.524). Genau das brachte Fähnrich in seiner Studie hervor. Er verallgemeinerte die verschiedenen Fallportraits und formulierte daraus Thesen für die jeweiligen Lebenslagenypen. Daraus gab Fähnrich schließlich eine Prognose ab. Er legt Voraussetzungen fest, welche für die jugendlichen unumgehbar sind, um künftig in Straffreiheit leben zu können und nicht in alte Negativmuster zu verfallen.

Geltungsbegründung

„Ein Ansatz der Validitätsbestimmung bei Interviews ist die formale Überprüfung, ob es in deren Verlauf gelungen ist, den angestrebten Grad an Authentizität zu gewährleisten. Im Rahmen biographischer Forschung mit narrativen Interviews wird dies etwa über die Beantwortung der Frage realisiert… .“ (Flick, 2014, S. 494). Durch den gut strukturierten Verlauf der Interviews, konnte eine hohe Validität der Antworten gewährleistet werden. Es wurden im Vornhinein Interviewfragen und -schwerpunkte festgelegt, sodass es sich bei der enthaltenen Darstellung um eine ungehinderte Erzählung handelt (Flick, 2014, S. 494). Auch die Reliabilität und Objektivität sichert Fähnrich in seinem Verfahren.

Forschung als Diskurs

Bei der Forschung als Diskurs steht der Einbezug der Jugendlichen zum erforschten Thema im Vordergrund (Flick, 1995, S. 170). Den Jugendlichen wurde ermöglicht, freiwillig und authentisch auf die Fragen zu antworten und Fähnrich übernahm direkte Zitate in seine Forschung. Dafür wurde das Gespräch aufgezeichnet, um nachträglich genauer auf das Gesprochene zurückzugreifen (Fähnrich, 2009. S. 123). Ob eine Rückmeldung am Ende der Forschung erfolgte (Flick, 1995, S. 170), wird nicht klar. Durch die ausdrückliche Garantie der Anonymisierung, erhofften sich die Forscher möglichst wahrheitsgemäße Aussagen (Fähnrich, 2009, S.119). Während des Interviews, waren bloß der Interviewer und der Interviewte anwesend (ebd., S. 123).

Literatur

  • Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg.(2014)
  • Flick, Uwe. „Qualitative Sozialforschung: Eine Einführung.“ 9. Aufl., Reinbek (2012).
  • Flick, Uwe; Kardoff, Ernst von; Steinke, Ines. „Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung.“ 4. Aufl., Reinbek (2011).
  • Flick, Uwe; Kardoff, Ernst von; Keupp, Heiner; Rosenstiel, Lutz von; Wolff, Stephan. „Handbuch Qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen.“ Weinheim. (1995).
  • Flick, Uwe. Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Hamburg, Reinbek (2016).
  • Flick, Uwe. „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen: Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg. (2009)
  • dbd: Jugendkriminalität - Zahlen und Fakten. https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gangsterlaeufer/203562/zahlen-und-fakten?p=all (Vom 18.10.2016, Letzter Zugriff: 14.09.2017, 19:15)
  • Fähnrich, Oliver. „Jugendkriminalität. Biografische Kontexte straffälliger Jugendlicher. Merkmale und Selbstdeutungsmuster jugendlicher Wiederholungstäter.“ Dortmund. (2009).

Kommentare

Diskussion

Sveva Chantal Stauch, 2017/07/12 12:41

Tandem 38, Platz 3 Tandem 38 erhält den dritten Platz. Positiv aufgefallen sind uns die zahlreichen Literaturangaben und die damit verbundene Menge an Belegen innerhalb des Textes. Jedoch hätte man einige Aussagen Fähnrichs in eigenen Worten beschreiben können, anstatt Belege zu verwenden. Leider ändert sich die Form der Quellenangabe ab dem zweiten Abschnitt des Kapitels „Sammlung der Daten“. Fehler in Formulierungen und Kommasetzung hindern den Lesefluss und machen einige Aussagen unverständlich. Anstatt die Studie im Kapitel der „Fragestellung, Forschungsperspektive“ kurz zu erläutern, wäre es unserer Meinung nach von Vorteil gewesen, am Anfang der Analyse eine Einleitung zu formulieren, um gut in das Thema einsteigen zu können.Trotz der formalen Defizite sind wir der Ansicht, dass die wichtigsten Kriterien der Analyse erfüllt worden sind. (Letzter Zugriff: 05.07.17, 15:25 Uhr)

Naheela Ulrich, 2017/07/13 16:36

Tandem 38, Platz 3

Die Analyse wurde sinnvoll strukturiert, allerdings gibt es grobe Mängel bei der Zitation und Rechtschreibung. Z.B. sollte man die Quellenangabe mit einem Punkt abschließen oder den Verlag im Literaturverzeichnis erwähnen. Dem Tandem ist es gelungen ihr eigenes Gedankengut deutlich von fremden zu differenzieren, allerdings sollte versucht werden den Inhalt mehr in eigenen Worten wiederzugeben (zu viele direkte Zitate). Außerdem sollte hinterfragt werden, ob die 11 Personen nur durch die Zufallsstichprobe ausgewählt wurden. Zudem handelt es sich bei der Zufallsstichprobe um eine quantitative und nicht qualitative Forschungsmethode (siehe Flick, 2009, S.87). Das Interviewverfahren wurde gut beschrieben, jedoch sollte erwähnt werden um welche Form des Leitfadeninterviews es sich handelt. Die Interpretation der Daten sollte ausführlicher bearbeitet werden.

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