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Tandem 32

  • Tandempartner*in 1: Romina Khani
  • Tandempartner*in 2: Charlotte Galliker

Entwurfsfassung

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Die Dissertation „Jugendkriminalität – Biografische Kontexte straffälliger Jugendlicher“ von Oliver Fähnrich (2009) handelt von subjektiven Beweggründen von jugendlichen Wiederholungstäter_innen und deren Ursachen. Die Erklärungen für deren Straftaten werden meistens aus einer bekannten Kriminalitätstheorie abgeleitet und mit personenbezogenen Daten in Verbindung gestellt, woraus ein Kombinationsmuster entsteht. Fähnrich ist jedoch der Ansicht, dass ein Mangel von qualitativen Daten von Selbstdeutungen der betroffenen Jugendlichen existiert und sie deshalb die Möglichkeit haben sollten, aus ihrer Sicht erzählen zu können (vgl. Fähnrich 2009, S.7). Aus diesem Grund entstanden folgende zwei Forschungsfragen, einmal wie Jugendliche ihre Lebensverhältnisse und biografischen Erfahrungen sowie ihre Straftaten selbst wahrnehmen und begründen und zweitens, ob sich typische Selbstdeutungsmuster der Jugendlichen ergründen lassen (ebd. S.103). Ziel der Studie ist es, herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Jugendlichen aufgewachsen sind und mit welchen Begründungen sie ihre Straftaten rechtfertigen (ebd. S.8).

Annäherung ans Feld

Um eine Annäherung an das Untersuchungsfeld zu ermöglichen, orientierte sich der Autor an vorhandenen Theorien bezüglich des Themas Jugendkriminalität, um Erkenntnisse über den Forschungsstand zu erhalten. Diese Vorgehensweise wird von Flick als eine Kombination von gezielten Forschungsperspektiven und Methoden beschrieben, um die verschiedenen Perspektiven der Jugendlichen verstehen zu können (vgl. Flick 1995, S.153). Danach erfolgte eine Kontaktaufnahme mit dem hessischen Polizeikommissariat, um Daten von jugendlichen Wiederholungstätern zu erhalten(vgl.S.105 Fähnrich). Jedoch wurden die Daten der Jugendlichen aufgrund des Datenschutzes verändert. Der Autor beschreibt einige Kriterien, an denen sich die Beteiligten bei der Fallauswahl orientiert haben. Die Fallauswahl basierte auf dem von Ermittlern geleiteten Projekt BASU21. Dies bedeutet, dass bei der Fallauswahl nur besonders auffällige Straffällige unter 21 Jahren, welche mehr als fünf Straftaten innerhalb eines Jahres begangen haben, im Fokus waren. Es wurde dementsprechend nach „aktiven Straftätern“ geschaut(vgl. Fähnrich S.106). Bei der Auswahl der Jugendlichen traten einige Komplikationen auf. Ursprünglich war das Selektive Sampling vorgesehen, da „der Forscher vor der Erhebung relevante Merkmale der zu erhebenden Fälle und die Größe der Stichprobe kennt und er die Daten erst nach der Erhebung analysiert“(vgl.S.120 Fähnrich). Es werden also Personen ausgesucht, die wertvolle Informationen liefern könnten. Jedoch entwickelten sich Schwierigkeiten, da sich von den aus der Untersuchungsgruppe ausgewählten zehn Fälle nur vier Jugendliche zum Interview bereit erklärten(vgl. Fähnrich S.121). Aus diesem Grund mussten mehrere Institutionen in das Verfahren integriert werden, um die gewünschte Anzahl an Jugendlichen zu erhalten. Letztendlich konnten sieben weitere Jugendliche gefunden werden. Demnach konnte das selektive sampling nicht angewendet werden, sodass die Auswahl auf einer Zufallsstichprobe beruht(vgl. Fähnrich, S.121).

Sammlung der Daten

Die Methoden zur Datenerhebung in der qualitativen Sozialforschung werden drei wichtigen Gruppen zugeordnet. Dabei handelt es sich um die Befragung, die Beobachtung sowie die Analyse und Nutzung der Materialien(vgl. Flick 2009, S.102). Bei nichtstandardisierter Befragung eignen sich oftmals verschiedene Interviewformen(vgl.Flick 2009,S.113). Die Wahl einer bestimmten Interviewform hängt stets vom jeweiligen Forschungsfeld ab. Für Fähnrich ergeben sich zwei mögliche Arten der Datenerhebung. Zum Einen könnte das narrative Interview in Frage kommen, zum Anderen das Leitfadeninterview. Der Autor entscheidet sich für die Erhebung der Daten bewusst gegen das narrative Interview, da es sich für diese Forschung weniger anbietet. Während der Durchführung fiel dem Autor die Überforderung und Unsicherheit der Jugendlichen auf, die Schwierigkeiten mit dem freien Erzählen hatten(vgl. Fähnrich, S.118). Letztendlich entschied sich der Autor für das Leitfadeninterview, um Orientierung und Struktur zu schaffen. Diese Interviewform erwies sich als gelungenes und angemessenes Datenerhebungsverfahren, da der Autor so „möglichst authentische, informative Aussagen über die Jugendlichen“ erhalten konnte(vgl. Fähnrich, S.122). Durch kritisches Nachfragen bei fehlenden Informationen erhielt das Interview den Charakter eines Gesprächs. Typisch ist der dazugehörige erstellte Leitfaden. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Formulierung von „offenen oder halbstrukturierten Fragen“(vgl. Flick 2009, S.114). Dadurch soll ermöglicht werden, dass der Interviewte so frei und ausführlich antworten kann, ohne in eine gewisse Richtung gelenkt oder beeinflusst zu werden und einen „suggestiven Charakter“ zu vermeiden (Flick 2009, S.114). Die Interviews fanden in einem geschlossenen Büro statt und dauerten ungefähr 45 Minuten. Um eine vertrauenswürdige Atmosphäre herzustellen wurde den Jugendlichen zu Beginn die Schweigepflicht zugesichert(vgl.Fähnrich S.123). Es fällt auf, dass der Autor den zirkulären Prozess, ein wichtiges Kriterium der qualitativen Sozialforschung, erst im Nachhinein in die Forschung integriert, was im nächsten Abschnitt näher erläutert wird. Typisch für den zirkulären Ablauf ist, dass Datenerhebung und Datenauswertung nicht klar voneinander getrennt sind. Ein weiteres Kennzeichen ist, dass es ein im Vorfeld angelegtes Untersuchungsfeld gibt, welches jedoch flexibel an die aktuelle Situation angepasst wird. Demnach kann es sein, dass der Forscher mehrere Male in das Untersuchungsfeld zurückkehrt, um weitere Daten zu erheben und diese dann auszuwerten. Es ist also keine klare Abfolge oder Trennung der einzelnen Elemente vorhanden(vgl.http://www.univie.ac.at/ksa/elearning/cp/ksamethoden/ksamethoden-74.html,18.06.2010). Diese flexible Anpassung wird in Fähnrichs Studie gut verdeutlicht, da während der Datenerhebung einige Komplikationen auftreten, weshalb das Verfahren spontan umgeändert werden muss.Bezüglich der Struktur fällt auf, dass das Auswahlverfahren der Jugendlichen in die Datenerhebung integriert wurde, wobei dieser Schritt unter die Stichprobenziehung fällt. Die Frage, an welchen Gruppen die Untersuchung durchgeführt werden soll, wird als sampling bezeichnet (vgl. Flick 2009, S.72).

Fixierung der Daten

Interpretation der Daten

Zuerst werden die jugendlichen Wiederholungstäter_innen in verschiedene Problemlagen eingeteilt und daraus werden „typische kriminelle Karriereverläufe“ herausgefiltert und erklärt, sogenannte Typenbildung (vgl. Fähnrich 2009, S. 123). Bei dem Auswertungsverfahren verwendet Fähnrich das von Flick entworfene zirkuläre Vorgehen (vgl. Flick 2009, S.72-75). Dabei geht Fähnrich auf manche Aspekte des „thematischen Kodierens“ (vgl. Flick 2007, S.402-408) ein und erstellt, in Bezug auf die durchgeführten Interviews, Einzelfallanalysen und vergleicht diese. Daraufhin werden sogenannte Feinanalysen errichtet, die in thematische Haupt-und Subkategorien (z.B. Familie: Mutter, Geschwister etc.) unterteilt und nach Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht werden, wofür er die Vorgehensweise der Konzeptualisierung von Strauss und Corbin (1996) benutzt. Danach bildet er Situationstypen (Ebene 1), indem er die Gruppen festlegt, die Fälle analysiert, und diejenigen, die ähnliche Merkmale haben, zusammenfasst. Ebenso werden Biografietypen (Ebene 2) gebildet, bei denen auf biografische Informationen geachtet wird. Diese beiden Ebenen werden verbunden und verglichen, woraus zwei Situationstypen und drei Lebenslagentypen entstehen (vgl. Fähnrich 2009, S.123-134). Die drei Lebenslagentypen sind erstens „subkulturell verhafteter Lebenslagetyp“, der in Begleitung von Freunden straffällig wurde, zweitens ein „biographisch belasteter und subkulturell verhafteter Lebenslagetyp“, der ebenfalls im Umkreis von Freunden straffällig wurde, aber auch familiäre Probleme aufweist und drittens ein „biographisch belasteter Lebenslagetyp mit ausstiegsorientierten Tendenzen“, der starke Konflikte innerhalb der Familie hat, aber auf gutem Wege ist, strafffrei zu werden. Insgesamt wird Fähnrich Flick gerecht und hält sich an seine Richtlinien. Laut Flick kann es auch zu Problemen bei der Methode kommen (vgl. Flick 2009, S.174), die Fähnrich aber nicht anspricht.

Geltungsbegründung

Forschung als Diskurs

Literatur

  • Fähnrich, Oliver (2009): „Jugendkriminalität. Biografische Kontexte straffälliger Jugendlicher“.Dissertation. Dortmund: Technische Universität Dormund.
  • Flick, Uwe (2007): „Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung“. Hamburg: Rowohlts Enzyklopädie.
  • Flick, Uwe (2009): „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg: Rowohlts Enzyklopädie.
  • Institut für Kultur- und Sozialanthropologie: Online im Internet: http://www.univie.ac.at/ksa/elearning/cp/ksamethoden/ksamethoden-74.html (letzter Zugriff:07.06.2016)

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Ranking: 1. Platz, 33 2. Platz, 29 3. Platz, 38 4. Platz 42 (jeweils Tandem-Nummer eintragen)

Tandem 33, Platz 1

Tandem 33 liefert einen guten Überblick über Fähnrichs Studie in der Einleitung sowie in der Fragestellung. Das Ziel und das Vorgehen werden gut verdeutlicht, da das Prinzip der „Grounded Theory“ in diesem Zusammenhang gut veranschaulicht wurde. Das Tandem erläutert, dass „quantitative Erkenntnisse (Kriminalitätstheorien, abgeleitete Interpretationen und Kausalitäten) erweitert werden sollen, jedoch sind Theorien und vor allem Interpretationen nicht immer quantitativ. Begriffe wie das selektive Sampling und das theoretische Sampling werden gut erläutert sowie in den Kontext integriert. Zur Erläuterung der Datensammlung nimmt das Tandem Bezug auf die Fragestellung, indem es erklärt, dass das Vorgehen in der Fragestellung begründet ist. Somit stellt das Tandem einen guten Vergleich zwischen dem Vorgehen von Flick und dem Vorgehen von Fähnrich her. Außerdem erwähnt und erläutert das Tandem das Prinzip des zirkulären Prozesses und erläutert sehr gut die Interviewformen. Im Literaturverzeichnis sind uns jedoch Uneinheitlichkeit aufgefallen.

Tandem 29, Platz 2

Tandem 29 verdeutlicht gut die Interessen und Ziele des Autors in der Fragestellung und erläutert, wie sich die Fragen entwickelt haben. Zudem erwähnt das Tandem im Kontext des Vorgehens bzw. der Stichprobenziehung das selektive Sampling sowie die Zufallsstichprobe. In diesem Zusammenhang werden die Vorteile des Leitfadeninterviews gut aufgeführt. Allerdings wird nicht erwähnt, dass der Autor ursprünglich das narrative Interview in Erwägung gezogen hat. Sehr gelungen ist die Beschreibung der Interpretation der erhobenen Daten, da sehr informativ die Entstehung der Lebenslagetypen erläutert wird. Jedoch ist im Literaturverzeichnis die Punkt Setzung nicht identisch.

Tandem 38, Platz 3

Tandem 38 hat die Ziele und Absichten Fähnrichs gut herausgearbeitet. Der rote Faden ist in der Analyse deutlich erkennbar, jedoch wiederholt sich die Formulierung des Ziels in der Fragestellung. In der Beschreibung der Annäherung ans Feld hätte man einige Zitate in eigenen Worten formulieren und zusammenfassen können. Das Tandem erwähnt in der Datensammlung nicht den zirkulären Prozess, jedoch wird das Verfahren Fähnrichs gut verdeutlicht. Außerdem sind uns einige Rechtschreibfehler sowie Uneinheitlichkeit bei den Belegen (Kommasetzung und vgl.) aufgefallen.

Tandem 42, Platz 4

Das Tandem führt zwar die Ziele Fähnrichs auf, jedoch erläutert es in diesem Abschnitt nicht die Beweggründe. Diese werden im Theorie-Gegenstandsverhältnis ausgeführt, was thematisch besser zum Abschnitt „Fragestellung“ passen würde. Das Tandem erläutert gut die thematische Kodierung gemäß Flick, behauptet dabei gleichzeitig, es handle sich um keine Zufallsstichprobe, was jedoch in der Studie genau der Fall ist. Zudem ist das Tandem nicht auf die Rahmenbedingungen des Interviews eingegangen und hat die Interviewformen nicht erwähnt. Außerdem sind uns einige Rechtschreibfehler aufgefallen, und es sind zu wenige Belege vorhanden. Zusätzlich ist der Bezug zu Flick nicht ausreichend ausgearbeitet.

Dritter Text: Endfassung

Einleitung

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Zu Beginn jeder Forschung entwirft der Forscher ein Modell, an dem er sich orientiert, diese dient dabei hauptsächlich der Bildung und Ableitung von Theorien und Hypothesen sowie der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Erkenntnisstand (vgl. Flick, 1996, S.150). Fähnrich versucht durch die Auseinandersetzung mit bereits vorhandenen Kriminalitätstheorien, einen Einblick in das Thema zu bekommen. Er verwendet die Grounded Theory als Basis, dessen Methodik die Entwicklung einer in Daten gegründeten Theorie ist. Im wiederholten Prozess der Datenerhebung und -analyse werden Kategorien gebildet, welche zu einer Theorie verdichtet werden. Im Falle von Fähnrichs Forschungsvorgehen sind das die unterschiedlichen Lebenslagetypen. Die steigende Jugendkriminalität stellt den Forschungsgegenstand dar.

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Die Dissertation „Jugendkriminalität – Biografische Kontexte straffälliger Jugendlicher“ von Oliver Fähnrich (2009) handelt von subjektiven Beweggründen von jugendlichen Wiederholungstäter_innen und deren Ursachen. Die Erklärungen für deren Straftaten werden meistens aus einer bekannten Kriminalitätstheorie abgeleitet und mit personenbezogenen Daten in Verbindung gestellt, woraus ein Kombinationsmuster entsteht. Fähnrich ist jedoch der Ansicht, dass ein Mangel an qualitativen Daten von Selbstdeutungen der betroffenen Jugendlichen existiert und sie deshalb die Möglichkeit haben sollten, aus ihrer Sicht erzählen zu können. (vgl. Fähnrich, S.7). Aus diesem Grund entstanden folgende zwei Forschungsfragen, einmal wie Jugendliche ihre Lebensverhältnisse und biografischen Erfahrungen sowie ihre Straftaten selbst wahrnehmen und begründen und zweitens, ob sich typische Selbstdeutungsmuster der Jugendlichen ergründen lassen (ebd. S.103). Ziel der Studie ist es, herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Jugendlichen aufgewachsen sind und mit welchen Begründungen sie ihre Straftaten erläutern (ebd. S.8).

Annäherung ans Feld

Um eine Annäherung an das Untersuchungsfeld zu ermöglichen, orientiert sich der Autor an vorhandenen Theorien bezüglich des Themas Jugendkriminalität, um Erkenntnisse über den Forschungsstand zu erhalten. Diese Vorgehensweise wird von Flick als eine Kombination von gezielten Forschungsperspektiven und Methoden beschrieben, um die verschiedenen Perspektiven der Jugendlichen verstehen zu können (vgl. Flick 1995, S.153). Danach erfolgt eine Kontaktaufnahme mit dem hessischen Polizeikommissariat, um Daten von jugendlichen Wiederholungstätern zu erhalten, welche aufgrund des Datenschutzes verändert wurde (vgl. Fähnrich, S.105). Die Fallauswahl, welche nach Kriterien von Fähnrich stattfand, basiert auf dem von Ermittlern geleiteten Projekt BASU21. Dies bedeutet, dass bei der Fallauswahl nur besonders auffällige Straffällige unter 21 Jahren, welche mehr als fünf Straftaten innerhalb eines Jahres begangen haben, im Fokus waren („aktive Straftäter“). (ebd. S.106). Ursprünglich war das Selektive Sampling vorgesehen, da „der Forscher vor der Erhebung relevante Merkmale der zu erhebenden Fälle und die Größe der Stichprobe kennt und er die Daten erst nach der Erhebung analysiert“ (ebd. S.120). Es werden also Personen ausgesucht, die wertvolle Informationen liefern könnten. Jedoch entwickelten sich Schwierigkeiten, da sich von den aus der Untersuchungsgruppe ausgewählten zehn Fällen nur vier Jugendliche zum Interview bereit erklärten. Aus diesem Grund mussten mehrere Institutionen in das Verfahren integriert werden, um die gewünschte Anzahl an Jugendlichen zu erhalten, wodurch sieben weitere Jugendliche zusagten. Demnach konnte das Selektive Sampling nicht angewendet werden, sodass die Auswahl auf einer Zufallsstichprobe beruht. (ebd. S.121).

Sammlung der Daten

Die Methoden zur Datenerhebung in der qualitativen Sozialforschung werden drei wichtigen Gruppen zugeordnet, der Befragung, Beobachtung sowie Analyse und Nutzung der Materialien (vgl. Flick 2009, S.102). Bei nichtstandardisierter Befragung eignen sich oftmals verschiedene Interviewformen, die Wahl ist abhängig vom jeweiligen Forschungsfeld (ebd. S.113). Für Fähnrich ergeben sich zwei mögliche Arten der Datenerhebung, das narrative Interview und das Leitfadeninterview. Während der Durchführung fiel dem Autor die Überforderung und Unsicherheit der Jugendlichen auf, die Schwierigkeiten mit dem freien Erzählen hatten, wodurch sich Fähnrich für das Leitfadeninterview entschied (vgl. Fähnrich, S.118). Diese Interviewform erwies sich als gelungenes und angemessenes Datenerhebungsverfahren, da der Autor so „möglichst authentische, informative Aussagen über die Jugendlichen“ erhalten konnte (ebd. S.122). Durch kritisches Nachfragen bei fehlenden Informationen erhielt das Interview den Charakter eines Gesprächs. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Formulierung von „offenen oder halbstrukturierten Fragen“, wodurch der Interviewte frei und ausführlich antworten kann, ohne in eine gewisse Richtung gelenkt oder beeinflusst zu werden um einen „suggestiven Charakter“ zu vermeiden (vgl. Flick, 2009, S.114). Die Interviews fanden in einem geschlossenen Büro statt und dauerten ungefähr 45 Minuten und es wurde den Jugendlichen zu Beginn die Schweigepflicht zugesichert (vgl. Fähnrich S.123). Es fällt auf, dass der Autor den zirkulären Prozess, ein wichtiges Kriterium der qualitativen Sozialforschung, erst im Nachhinein in die Forschung integriert hat. Typisch für den zirkulären Ablauf ist, dass Datenerhebung und Datenauswertung nicht klar voneinander getrennt sind und dass es ein im Vorfeld angelegtes Untersuchungsfeld gibt, welches jedoch flexibel an die aktuelle Situation angepasst wird. Demnach kann es sein, dass der Forscher mehrere Male in das Untersuchungsfeld zurückkehrt, um weitere Daten zu erheben und diese dann auszuwerten. Es ist also keine klare Abfolge oder Trennung der einzelnen Elemente vorhanden (vgl. Institut für Kultur- und Sozialanthropologie). Diese flexible Anpassung wird in Fähnrichs Studie gut verdeutlicht, da während der Datenerhebung einige Komplikationen auftreten, weshalb das Verfahren spontan umgeändert werden muss. Bezüglich der Struktur fällt auf, dass das Auswahlverfahren der Jugendlichen in die Datenerhebung integriert wurde, wobei dieser Schritt unter die Stichprobenziehung fällt. Die Frage, an welchen Gruppen die Untersuchung durchgeführt werden soll, wird als Sampling bezeichnet (vgl. Flick 2009, S.72).

Fixierung der Daten

Fähnrich nutzt die Tonaufzeichnung als Fixierung der Daten, um bessere Möglichkeiten zur „interpretativen Überprüfung von Interpretationen“ zu erhalten (vgl. Flick 2007, S.372). Da sämtliche Sprechpausen, Unterbrechungen, Tonfall, Sprechtempo sowie andere viele Merkmale aufgezeichnet werden, ergeben sich so für den Forscher vielfältige Interpretationsmöglichkeiten, welche anhand allein von Notizen nicht möglich wären. Daher hat die Fixierung großen Einfluss auf die Qualität der Daten. Flick erklärt, dass durch Aufzeichnungsgeräte erst Methoden der objektiven Hermeneutik angewendet werden können wodurch eine intersubjektive, neutrale Textauslegung ermöglicht wird. Demnach wird die Fixierung der Daten von Sichtweisen unabhängig gemacht, weswegen unverfälschte Forschungsergebnisse entstehen können (ebd.). Jedoch betont Flick in diesem Zusammenhang, es sei wichtig, das Aufzeichnungsgerät nicht großartig zu präsentieren, um das natürliche Auftreten der Probanden nicht zu behindern (ebd.). In Fähnrichs Forschungsvorgehen wurden die Ergebnisse wörtlich transkribiert (vgl. Fähnrich 2009, S. 123). Anhand des Interviewmaterials wurden die Lebenslagen und biographischen Erfahrungen typisiert, sodass eine Bildung verschiedener Deutungsmuster ermöglicht wurde.

Interpretation der Daten

Zuerst werden die jugendlichen Wiederholungstäter_innen in verschiedene Problemlagen eingeteilt und daraus werden „typische kriminelle Karriereverläufe“ herausgefiltert und erklärt, sogenannte Typenbildung (vgl. Fähnrich, S. 123). Bei dem Auswertungsverfahren verwendet Fähnrich das von Flick entworfene zirkuläre Vorgehen (vgl. Flick 2009, S.72-75). Dabei geht Fähnrich auf manche Aspekte des „thematischen Kodierens“ (vgl. Flick 2007, S.402-408) ein und erstellt, in Bezug auf die durchgeführten Interviews, Einzelfallanalysen und vergleicht diese. Daraufhin werden sogenannte Feinanalysen errichtet, die in thematische Haupt-und Subkategorien (z.B. Familie: Mutter, Geschwister etc.) unterteilt und nach Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht werden, wofür er die Vorgehensweise der Konzeptualisierung von Strauss und Corbin (1996) benutzt. Danach bildet er Situationstypen (Ebene 1), indem er die Gruppen festlegt, die Fälle analysiert, und diejenigen, die ähnliche Merkmale haben, zusammenfasst. Ebenso werden Biografietypen (Ebene 2) gebildet, bei denen auf biografische Informationen geachtet wird. Diese beiden Ebenen werden verbunden und verglichen, woraus zwei Situationstypen und drei Lebenslagentypen entstehen (vgl. Fähnrich, S.123-134). Die drei Lebenslagentypen sind erstens „subkulturell verhafteter Lebenslagetyp“, der in Begleitung von Freunden straffällig wurde, zweitens ein „biographisch belasteter und subkulturell verhafteter Lebenslagetyp“, der ebenfalls im Umkreis von Freunden straffällig wurde, aber auch familiäre Probleme aufweist und drittens ein „biographisch belasteter Lebenslagetyp mit ausstiegsorientierten Tendenzen“, der starke Konflikte innerhalb der Familie hat, aber auf gutem Wege ist, strafffrei zu werden. Insgesamt wird Fähnrich Flick gerecht und hält sich an seine Richtlinien. Laut Flick kann es auch zu Problemen bei der Methode kommen (vgl. Flick, 2009, S.174), die Fähnrich aber nicht anspricht.

Geltungsbegründung

Um eine qualitative Studie bewerten zu können, sollte man deren Verallgemeinerungen überprüfen (vgl. Flick, 2009, S.257f), sowie die klassischen Kriterien wie Reliabilität, Validität und Objektivität oder methodenangemessene Gütekriterien (ebd. 2011, S. 489). Unser Eindruck ist, dass es sich bestenfalls um Einzelanalysen handelt, die kaum Verallgemeinerungen erlauben. Das zeigt sich schon bei der Auswahl der Jugendlichen. Dabei handelt es sich um alles andere als um eine „Zufallsstichprobe“ (vgl. Fähnrich, S. 120f.). Von den 80 jugendlichen Mehrfachtätern der von vornherein festgelegten Untersuchungsgruppe stellten sich schließlich für die Untersuchung nur ganz wenige zur Verfügung (ebd. S. 121). Aufschlussreich wäre vielleicht gewesen, wenn man den Jugendlichen, die nicht in die Untersuchung einwilligten, die Frage gestellt hätte, warum sie nicht teilnehmen wollen, und die Antworten aufgelistet und kategorisiert hätte. Den Jugendlichen sei die „Schweigepflicht zugesichert“ worden. Andererseits sei es Bestandteil des Gesprächs gewesen, dass „nur befugte Personen Zugang zu den Aufzeichnungen haben“ (ebd. S. 123). Doch was heißt dies genau? Wurde den Jugendlichen zugesichert, dass Polizei, Gerichte und andere staatliche Stellen, nichts von ihren Aussagen erfahren? Wenn ja, war dies dann auch wirklich der Fall? Selbst wenn der Forscher gegenüber den Jugendlichen ehrlich war, kann man nicht davon ausgehen, dass die Jugendlichen ihm gegenüber kein Misstrauen haben und ihm ehrliche und authentische Antworten geben (können/wollen). Nur schon aus den genannten Gründen ist die Gültigkeit der Daten fragwürdig bzw. die interne Validität gering.

Forschung als Diskurs

Die Forschung als Diskurs befasst sich mit dem Subjektverständnis der Forschung und inwiefern diese in die Thematik mit einbezogen wurde (vgl. Flick, 1996, S. 170). Zuerst werden die Jugendlichen um ihre Einwilligung gebeten (vgl. Fähnrich, S. 121), diese Vorgehensweise wird von Flick als kommunikative Validierung beschrieben (vgl. Flick, 1996, S.170). Diese Daten werden vertraulich behandelt und danach ausgewertet, zusammengeführt und in Übersichten und Tabellen dokumentiert (vgl. Fähnrich, S. 108f). Nach Abschluss der Studie sollte laut Flick eine Rückmeldung erfolgen, ob diese von Fähnrich vorgenommen wurde, wird in der Studie nicht erwähnt (vgl. Flick, 1996, S.170).

Literatur

  Fähnrich, Oliver (2009): „Jugendkriminalität. Biografische Kontexte straffälliger Jugendlicher“.Dissertation. Dortmund: Technische Universität Dormund.
  Flick, Uwe (1995): Stationen des qualitativen Forschungsprozesses. In: Flick, U./von Kardoff, E./Keupp, H./von Rosenstiel, L./Wolff, St. (Hrsg.): Handbuch qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen. 2. Aufl. Weinheim: Beltz, PVU, S. 148-173.
  Flick, Uwe (2007 sowie 2011): „Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung“. Hamburg: Rowohlts Enzyklopädie.
  Flick, Uwe (2009 sowie 2014): „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg: Rowohlts Enzyklopädie.
  Institut für Kultur- und Sozialanthropologie: Online im Internet: http://www.univie.ac.at/ksa/elearning/cp/ksamethoden/ksamethoden-74.html (letzter Zugriff:07.06.2016).

Kommentare

Diskussion

Sveva Chantal Stauch, 2017/07/12 12:40

Tandem 32, Platz 2 Tandem 32 bewerten wir mit dem zweiten Platz, da die Analyse insgesamt gut gelungen ist. Die Aussagen sind überwiegend verständlich, vereinzelt lassen zu lange und kommareiche Sätze den Text jedoch unübersichtlich wirken. Die Gedanken des Autors sind klar gekennzeichnet und heben sich dadurch von den eigenen Gedanken des Tandems ab . Die verwendete Fachliteratur wurde im Literaturverzeichnis zwar einheitlich angegeben, leider jedoch nicht innerhalb des Textes (Bsp.: Im Kapitel „Annäherung an das Feld“: „vgl. Flick 1995, S.153“ Zeile 4f und „vgl. S.105 Fähnrich“ Zeile 6). Trotz der kleinen Mängel ist festzuhalten, dass die Inhalte Flicks augenscheinlich verstanden wurden und auf Fähnrichs Studie angewendet werden konnten. (Letzter Zugriff: 05.07.17, 15:07 Uhr)

Naheela Ulrich, 2017/07/13 16:35

Tandem 32, Platz 1

Die Analyse hat durch ihre gute Verständlichkeit, Einheitlichkeit und das analytische Vorgehen überzeugt. Das Tandem hat forschungsmethodische Literatur genutzt und sich mit dieser auseinandergesetzt. Größter Kritikpunkt stellt die Zitation dar, hier sollte man sich für einen einheitlichen Stil entscheiden (ebd. weiterführen oder weg lassen, Jahreszahlen nicht vergessen) und auf Einhaltung der Zeitformen achten. Dem Tandem ist es gelungen fremdes Gedankengut deutlich von ihrem eigenen zu trennen. Bei der Sammlung von Daten sollte überprüft werden ob tatsächlich nur die Zufallsstichprobe angewendet wurde. Wir möchten hervorheben, dass Methoden ausführlich und verständlich erläutert wurden. Allerdings sollte erwähnt werden um welche Form des Leitfadeninterviews es sich handelt. Abschließend ist es dem Tandem gelungen die Studie zu analysieren und nicht nur zu beschreiben.

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