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Tandem 39

  • Tandempartner*in 1: Beißwenger; Maike Nadine
  • Tandempartner*in 2: Sander; Ann-Christin

Entwurfsfassung

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Die Dissertation „Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien“ von Iris Bockermann (2012) handelt von den Einstellungen und den Haltungen der befragten Lehrkräfte im Bezug auf die Digitalen Medien. Hierbei soll aufgezeigt werden, inwieweit die Digitalen Medien in die Handlungspraxen der Schulen integriert sind (vgl. Bockermann, 2012, S. 73). Dabei untersucht Bockermann, aus der Perspektive der Lehrkräfte, die Bildungsdienlichkeit der digitalen Medien deutlich zu machen (vgl. ebd., S. 74). Nach Flick versucht Bockermann, durch die Schule (institutionelles Feld) die Lehrkräfte (agierende Subjekte) besser zu verstehen (vgl. Flick, 1995, S. 152). Besonders handelt es hierbei von den Deutungs- und Orientierungsmuster der Lehrkräfte im Aspekt des Bildungskontexts (vgl. Bockermann, 2012, S. 74). Bockermann stellt hierfür folgende Leitfragen auf: „Worauf referenzieren Lehrkräfte, wenn sie Digitale Medien verorten und interpretieren? Welche Gründe sind für das besondere Verhältnis von LehrerInnen zu Digitalen Medien im schulischen Kontext konstitutiv? Gibt es verallgemeinerbare Orientierungs- und Deutungsmuster?“ (ebd. S. 74). Nach Flick stellt Bockermann, durch ihre konkreten Fragestellungen, bewusst wichtige Inhalte in den Vorder- aber auch weniger wichtige Inhalte in den Hintergrund (vgl. Flick, 1995, S. 152). Die Perspektive dieser Forschung zu dem Digitalen Divide bleibt offen, da es abhängig davon ist, wie die Lehrpersonen mit den digitalen Medien umgehen und welchen Einfluss die digitalen Medien auf den Unterricht haben (vgl. Bockermann, 2012, S. 69).

Annäherung ans Feld

Die Kapitel Zwei bis Vier dienen in dieser Dissertation als Grundlage bzw. als Einstieg in das behandelte Themenfeld der digitalen Medien (vgl. Bockermann, 2012, S. 7). In Kapitel Vier wird zunächst das Untersuchungsdesign und die Auswertungsmethoden dargelegt, um die Bedeutung von digitalen Medien im Bildungskontext zu klären (vgl. ebd., S. 7). Um sich an das Feld nähern zu können, dient die Vorstudie in Kapitel Fünf. Hierbei wird aufgezeigt, welche Haltung und Einstellung die Lehramtsstudierenden zu digitalen Medien allgemein haben und ob sie ihrer Sichtweise nach in die Schule gehören (vgl. ebd., S. 93). Bockermann führte diese Vorstudie mit den Studierenden in der Lehramtsausbildung anhand von Blogerhebungen durch und wertet diese zu einem späteren Zeitpunkt aus. Durch diese Blogerhebungen konnte ein vielseitiger und offener Austausch stattfinden, zudem wurden diese Erhebungen mit benutzerdefinierten Passwörtern geschützt, sodass die Anonymität gewährleistet wurde (vgl. Bockermann, 2012, S. 74f). Der Schwerpunkt bildet das Kapitel 6, welches auf die Ergebnisse der Studierenden aufbaut und diese spezifiziert und vertieft. Hierbei geht es um die Bedeutung von digitalen Medien, welche die Lehrkräfte im aktiven Schuldienst verbinden (vgl. ebd., S.108). Dabei fanden leitfadengestützte Interviews, mit 18 Lehrpersonen statt (vgl. ebd., S. 85). Hierfür wurden bewusst zwei junge Schulen ausgewählt, welche zwei verschiedene Schulkonzepte bilden. Die Schule Gant befindet sich erst in der Gründungsphase. Die Schule Omp wurde hingegen gezielt zu dem Zweck einer Medienorientierten Schule gebaut und ausgestattet (vgl. Bockermann, 2012, S. 108). Um die Bereitschaft für die Teilnahme an den Interviews zu erhöhen, wurde eine umfassende Anonymisierung gewährt (vgl. ebd., S. 86). Auch wurden die aufgezeichneten Interviews vollständig transkribiert und den Lehrpersonen erneut zur Autorisierung dargelegt (vgl. ebd., S. 86). Nach Flick wurden die wichtigsten Merkmale, wie Anonymität und Schutz der personenbezogenen Daten, welche eine qualitative Studie ausmachen, hierbei von Bockermann eingehalten (vgl. Flick, 1995, S. 155). In Kapitel Sieben werden die Ergebnisse nochmals genauer aufgegriffen (vgl. Bockermann, 2012, Kapitel 7).

Sammlung der Daten

In der Studie „Wo verläuft der digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien“, werden Erhebungsverfahren in der Vor- als auch in der Hauptstudie durchgeführt. In der Vorstudie wurden hunderte Blogaussagen von Lehramtskräften inhaltlich ausgewertet (vgl. Bockermann, 2012, S. 75). Im Mittelpunkt der Hauptstudie standen die Lehrkräfte, welche als die sogenannten ExpertenInnen interviewt wurden (vgl. ebd, S. 76). Dazu wurden insgesamt 18 Lehrkräfte befragt: Sieben Lehrkräfte der Gant- Schule und 11 Lehrkräfte der Omp- Schule (vgl. ebd., S. 85). Bei der Auswahl der Befragten merkt Bockermann an, dass aufgrund der sozialtechnologisch gebildet und geschulten Lehrkräfte, es zu einer Verwerfung und Verzerrung kommen kann (vgl. Bockermann, 2012, S. 85). Die von Bockermann durchgeführten Interviews gehören nach Flick zu den rekonstruktiven Verfahren. Da auf weitere Eingriffe des Forschenden hierbei verzichtet wird, verfolgt dieses Verfahren dem „natürlichen Design“ (vgl. Flick, 1995, S. 156). Die Interviews dauerten durchschnittlich 70 Minuten, wobei das kürzeste 34 Minuten und das längste Interview 140 Minuten andauerte (vgl. Bockermann, 2012, S. 85). Die Lehrkräfte wurden in dieser Zeit von Bockermann zu ihren biografischen Daten sowie zu den Themenbereichen des Leitfadens befragt (vgl. ebd., S. 80).

Auswertungsverfahren und Interpretation der Daten

Das Auswertungsverfahren von Bockermann vollzieht sich in drei Schritten. Den ersten Schritt bildet die Transkription, bei dem Entscheidungen vorgenommen wurden, in welcher Art und Weise das Material bzw. die Studie aufbereitet wird. Im zweiten Schritt folgt die Analyse bei der spezielle Sachverhalte erforscht wurden. Der Abschluss bildet die Zusammenfassung der Ergebnisse (vgl. Bockermann, 2012, S. 89). Für die Transkription wurden alle Interviews vollständig angehört und ausgewertet. Bockermann war hierbei nur am gesamten Inhalt und nicht an dem Ko- Text interessiert. Die Ergebnisse sieht Bockermann hierbei als subjektive Momentaufnahmen (vgl. ebd., S. 89f). Im Allgemeinen entspricht dieses Verfahren dem Modell von Flick, da die Datenfixierung ebenso in drei Schritte einteilt wurde (vgl. Flick, 1995, S. 160). Die Software MaxQDA wurden als Hilfestellung angewendet um die einzelnen Interviews auszuwerten (vgl. Bockermann, 2012, S. 91). Für die Analyse des Materials hat Bockermann das induktive Verfahren gewählt „(…) als die Generierung von thematischen Codes durch das mehrmalige genaue Lesen und Prüfen.“ (Bockermann, 2012, S. 91, zitiert nach Mikos und Wegener 2005; 200ff.) Durch Nutzung bzw. Anwendung der Software MaxQDA wurde ermöglicht „(…) die Interviews nicht nur entlang der Fragen entsprechend zu sichten und zu codieren, sondern auch querliegende Stellungsnahmen zu berücksichtigen und übergreifende Stellungsnahmen über alle Interviews hinweg in Beziehung zueinander zu setzen, zu codieren und daraus Kategorien zu entwickeln.“ (Bockermann, 2012, S. 91, zitiert nach Rustemeyer 1992).

Geltungsbegründung

Nach Flick geht es in einer Studie darum, das Material durch den Forschenden nachvollziehbar zu machen. Hierbei werden zwei Strategien angewendet (vgl. Flick, 1995, S. 167). Nach Flick wird zu der Verfolgung eines Zieles versucht die Gütekriterien der Reliabilität, Validität und Objektivität, auf eine qualitative Forschung zu beziehen (vgl. ebd., S. 167). Die Studie von Bockermann zeigt aber hierbei diese Kriterien unzureichend auf. Flick verweist zudem auf eine weitere Strategie, bei der es um die Entwicklung und Anwendung von „methodenangemessener“ Gütekriterien geht und diese ebenso zu einer qualitativen Forschung führen (vgl. Flick, 1995, S. 167, zitiert nach Flick 1987). Im Bezug auf die Studie wird deutlich, dass Bockermann zwei Erhebungsverfahren/ Strategien verwendet um Daten und Ergebnisse zu erzielen (vgl. Bockermann, 2012, Kapitel 5/ 6). Die Vorstudie bezieht sich auf die Medienwelt aus der Sicht der Studierenden und deren Einstellungen und Haltungen im Hinblick auf die Nutzung von digitalen Medien. Hierzu wurden die Studierenden durch Blogerhebungen befragt und die Ergebnisse in Exel- Grafiken dargestellt (vgl. Bockermann, 2012, S. 91). Die Hauptstudie von Bockermann wird im Kapitel sechs näher erläutert und bildet den wichtigsten Abschnitt (vgl. ebd., S. 91). „Die Ergebnisse der Analyse werden in Form einer konzeptuellen Matrize visualisiert (vgl. Runkler 2010; Wollschläger 2010), um das entwickelte Kategorien- bzw. Referenzsystem entsprechend verdichtet darzustellen und die ‚innere Ordnung’ der Analyse sichtbar werden zu lassen.“ (ebd., S. 91f). Das siebte, letzte Kapitel umfasst die Zusammenfassung der verschiedenen erhobenen Datensammlungen. Dadurch wird ein guter Überblick über die Studie ermöglicht (vgl. Bockermann, 2012, Kapitel 7).

Forschung als Diskurs

Literatur

Bockermann, Iris (2012): Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien. Online verfügbar: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D1071992643(Stand: 6.06.2017).

Flick, Uwe (1995): Stationen des qualitativen Forschungsprozesses. In: Handbuch qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen. 2 Auflage. Weinheim: Beltz/ Psychologie Verlags Union. S. 148-173.

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Ranking: 1. Platz, 2. Platz, 3. Platz, 4. Platz (jeweils Tandem-Nummer eintragen)

Tandem 03, Platz 1

Das Tandem 03 bewerten wir mit Platz 1. Die Analyse von Bockermann wurde verständlich dargelegt. Des Weiteren finden wir die Einleitung als auch die Fragestellungen sehr gelungen, da sie einen guten Überblick über die Studie bietet. Auch sind die Sätze kurz gehalten, wodurch die Analyse angenehm zu lesen war. Dennoch ist uns aufgefallen, dass Satzzeichen (Punkte) teilweise falsch gesetzt wurden. Ein Beispiel hierfür liefert: „Bockermann untersucht speziell die „[…] Bildungsdienlichkeit der Digitalen Medien aus der Perspektive der Lehrkräfte.“ (ebd., S. 74) “. Ebenso wurde des Öfteren die Angabe „(vgl. Bockermann, 2012, S. 89, zitiert nach: Goodmann, 1994, S. 235)“ verwendet. Hierbei muss man sich aber nur auf den eigentlichen Autor, hier: Bockermann beziehen. Die wichtigsten Inhalte wurden in dieser Analyse gut vermittelt und durch die zusätzliche Literatur konnten die Aussagen bestärkt werden.

Tandem 22, Platz 2

Das Tandem 22 bewerten wir mit Platz 2. Die Analyse zu der Studie „Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien“ empfanden wir als sehr angenehm zu lesen. Die Sätze waren kurz und verständlich formuliert, wodurch diese gut zu lesen waren und die wichtigsten Inhalte vermittelt wurden. Allerdings ist uns aufgefallen, dass zu Beginn der Studie, bei den Literaturverweisen römische Zahlen verwendet wurden „(Vgl.Bockermann,2012,S.II)“. Dabei ist zu empfehlen „vergleiche“ klein zu schreiben und sich zu Beginn auf einheitliche Zahlen zu beschränken. Zudem kann „Zit“ bei den direkten Literaturverweisen weggelassen werden. Ebenso ist uns aufgefallen, dass das Themenfeld „Geltungsbegründung“ fehlt. Trotz allem hat uns die ausgearbeitete Analyse allgemein gut gefallen.

Tandem 37, Platz 3

Das Tandem 37 bewerten wir mit Platz 3. Insgesamt lässt sich die Analyse gut lesen. Die Zitierweise ist bis auf wenige Fehler z.B. „(vgl. Bockermann, 2012, S.74; Flick, 1995, S.135)“ gelungen. Auch die Ausdrucksweise empfanden wir als sehr angenehm. Uns ist dennoch aufgefallen, dass teilweise römische als auch natürliche Zahlen verwendet wurden. Auch wurde zu viel direkt zitiert, sodass ein entsprechender Zusammenhang nicht deutlich wurde. Genügend Beispiele befinden sich in „Sammlung der Daten“. Auch fehlt in dieser Analyse leider die Geltungsbegründung.

Tandem 02, Platz 4

Das Tandem 02 bewerten wir mit Platz 4. Wir finden die Analyse von Iris Bockermann gut strukturiert wodurch sich ein „roter Faden“ erkennen lässt. Außerdem finden wir es sehr positiv, dass zusätzliche Literatur für die Analyse hinzugezogen wurde. Dennoch sind formale Fehler vorzufinden, die sich teilweise durch die gesamte Analyse ziehen. Ein Beispiel bietet die Einleitung: „(…) und Digitale Medien„ befasst sich mit dem speziellen Verhältnis von LehrerInnen zu Digitalen Medien im Schulalltag. (Vgl. Bockermann, 2012, S. 6) “. Die Anführungszeichen sind hierbei falsch gesetzt und auch die Punkte, welche den Satz beenden, sollten hinter dem Literaturverweis stehen. Zudem ist uns aufgefallen, dass nach ausformulierten Sätzen zum Teil nach Bockermann als auch Flick zitiert wurde, sodass nicht ersichtlich war, von wem die Aussage stammt. Auch würden wir dem Tandem 02 empfehlen, weniger ebenda zu benutzen um besser ersichtlich zu machen, ob ein direktes oder indirektes Zitat vorliegt. Trotzdem fanden wir die Analyse inhaltlich sehr gelungen und gerade die Geltungsbegründung hat uns gut gefallen.

Dritter Text: Endfassung

Einführung in das Themengebiet „Digitale Medien“

Die Schule muss neben dem Erziehungs- und Bildungsauftrag auch dem technischen Wandel gerecht werden. Jedoch wie die digitalen Medien verwendet werden, ist von der Lehrkraft abhängig (vgl. Petko, 2013, S.7). Hierbei könnte man darauf schließen, dass die Nutzung von digitalen Medien im Unterricht unerlässlich geworden ist. Schon konnte in der Vorlesung „Pädagogik der neuen Medien“ der Stellenwert der digitalen Medien in der Schule aufgezeigt werden. Daher ist es aus unserer Sicht wichtig, die Medien in den Schulunterricht angemessen einzusetzen und zu integrieren um die SchülerInnen für die Lerninhalte zu motivieren. Im Folgenden wird die Studie von Iris Bockermann „Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien“ anhand von verschiedenen Forschungsfeldern näher erläutert.

Einleitung

Die Dissertation „Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien“ von Iris Bockermann, welche an der Universität Bremen im Jahr 2012 publiziert wurde, handelt von den Einstellungen und den Haltungen der befragten Lehrkräfte im Bezug auf den Einsatz der Digitalen Medien. Es soll aufgezeigt werden, inwieweit die Digitalen Medien in die Handlungspraxen der Schulen integriert sind (vgl. Bockermann, 2012, S. 73).

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Den Hauptteil in der Studie von Iris Bockermann bilden die LehrerInnen, welche leitfadenunterstützt interviewt werden. Hierbei sind die LehrerInnen die ExpertenInnen (vgl. Bockermann, 2012, S. 76). In diesem empirischen Teil der Studie von Bockermann werden die privaten und beruflichen Erfahrungen der LehrerInnen im Bezug auf die Mediennutzung untersucht (vgl. ebd., S. 69). Neben dieser Hauptstudie gibt es eine Vorstudie, welche Blogerhebung mit Studierenden in der Lehramtsausbildung enthält (vgl. ebd., S. 74). Des Weiteren nimmt Bockermann „(…) die schulische Medienpraxis in den Blick, im Hinblick auf gewählte und mögliche Unterrichtsarrangements, die Rolle der Medientechnologien in diesem Set und den Einbezug der SchülerInnen in den Unterricht.“ (Bockermann, 2012, S. 69). Ein Zusammenhang zwischen der Analyse und bereits bestehenden Forschungsbefunden ist nicht beobachtbar. Da kein Modell zuvor existiert, ist die Inspektion der Studie nicht möglich. Ersichtlich in der Studie ist, dass zunächst Hypothesen ausgelassen wurden, da diese erst ausgearbeitet werden müssen. Die Studie dient daher der Entwicklung eines Modells (vgl. Flick, 1995, S. 150). Auch kann aufgezeigt werden, dass Bockermann sich in ihrer Durchführung an bestimmten Theorien der qualitativen Forschung anlehnt.

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Bockermann untersucht aus der Perspektive der Lehrkräfte die Bildungsdienlichkeit der digitalen Medien (vgl. Bockermann, 2012, S. 74). Nach Flick versucht Bockermann, durch die Schule (institutionelles Feld), die Lehrkräfte (agierende Subjekte) besser zu verstehen (vgl. Flick, 1995, S. 152). Besonders handelt es hierbei von den Deutungs- und Orientierungsmuster der Lehrkräfte im Aspekt des Bildungskontexts (vgl. Bockermann, 2012, S. 74). Iris Bockermann stellt hierfür folgende Leitfragen auf: „Worauf referenzieren Lehrkräfte, wenn sie Digitale Medien verorten und interpretieren? Welche Gründe sind für das besondere Verhältnis von LehrerInnen zu Digitalen Medien im schulischen Kontext konstitutiv? Gibt es verallgemeinerbare Orientierungs- und Deutungsmuster?“ (Bockermann, 2012, S. 74). Nach Flick stellt Bockermann, durch ihre konkreten Fragestellungen, bewusst wichtige Inhalte in den Vorder- aber auch weniger wichtige Inhalte in den Hintergrund (vgl. Flick, 1995, S. 152). Die Perspektive dieser Forschung zu dem Digitalen Divide bleibt offen, da es abhängig davon ist, wie die Lehrpersonen mit den digitalen Medien umgehen und welchen Einfluss die digitalen Medien auf den Unterricht haben (vgl. Bockermann, 2012, S. 69).

Annäherung ans Feld

Die Kapitel Zwei bis Vier dienen in dieser Dissertation als Grundlage beziehungsweise als Einstieg in das behandelnde Themenfeld der digitalen Medien (vgl. Bockermann, 2012, S. 7). In Kapitel Vier wird zunächst das Untersuchungsdesign und die Auswertungsmethoden dargelegt um die Bedeutung von digitalen Medien im Bildungskontext zu klären (vgl. ebd., S. 7). Um sich an das Feld nähern zu können, dient die Vorstudie in Kapitel Fünf. Hierbei wird aufgezeigt, welche Haltung und Einstellung die Lehramtsstudierenden zu digitalen Medien im Allgemeinen haben und ob sie ihrer Sichtweise nach in die Schule gehören (vgl. ebd., S. 93). Bockermann führt diese Vorstudie mit den Studierenden in der Lehramtsausbildung anhand von Blogerhebungen durch und wertet diese zu einem späteren Zeitpunkt aus. Durch diese Blogerhebungen konnte ein vielseitiger und offener Austausch stattfinden. Zudem wurden diese Erhebungen mit benutzerdefinierten Passwörtern geschützt, sodass die Anonymität gewährleistet wurde (vgl. Bockermann, 2012, S. 74 f). Der Schwerpunkt bildet das Kapitel 6, welches auf die Ergebnisse der Studierenden aufbaut und diese spezifiziert und vertieft. Hierbei geht es um die Bedeutung von digitalen Medien, welche die Lehrkräfte im aktiven Schuldienst verbinden (vgl. ebd., S.108). Dabei finden leitfadengestützte Interviews mit 18 Lehrpersonen statt (vgl. ebd., S. 85). Hierfür wurden bewusst zwei junge Schulen ausgewählt, welche zwei verschiedene Schulkonzepte aufweisen. Die Schule Gant befindet sich erst in der Gründungsphase. Die Schule Omp wurde hingegen gezielt zu dem Zweck einer Medienorientierten Schule gebaut und ausgestattet (vgl. Bockermann, 2012, S. 108). Um die Bereitschaft für die Teilnahme an den Interviews zu erhöhen wurde eine umfassende Anonymisierung gewährleistet (vgl. ebd., S. 86). Auch wurden die aufgezeichneten Interviews vollständig transkribiert und den Lehrpersonen erneut zur Autorisierung dargelegt (vgl. ebd., S. 86). Nach Flick wurden die wichtigsten Merkmale wie die Anonymität und der Schutz der personenbezogenen Daten, welche eine qualitative Studie ausmachen, hierbei von Bockermann eingehalten (vgl. Flick, 1995, S. 155). In Kapitel Sieben werden die Ergebnisse nochmals genauer aufgegriffen (vgl. Bockermann, 2012, Kapitel 7).

Sammlung der Daten

In der Studie „Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien“, werden Erhebungsverfahren in der Vor- als auch in der Hauptstudie durchgeführt. In der Vorstudie wurden hunderte Blogaussagen von Lehramtskräften inhaltlich ausgewertet (vgl. Bockermann, 2012, S. 75). Im Mittelpunkt der Hauptstudie standen die Lehrkräfte, welche als die sogenannten ExpertenInnen interviewt wurden (vgl. ebd., S. 76). Dazu wurden insgesamt 18 Lehrkräfte befragt: Sieben Lehrkräfte der Gant- Schule und 11 Lehrkräfte der Omp- Schule (vgl. ebd., S. 85). Bei der Auswahl der Befragten merkt Bockermann an, dass aufgrund der sozialtechnologisch gebildet und geschulten Lehrkräfte, es zu einer Verwerfung und Verzerrung kommen kann (vgl. Bockermann, 2012, S. 85). Die von Bockermann durchgeführten Interviews gehören nach Flick zu den rekonstruktiven Verfahren. Da auf weitere Eingriffe des Forschenden hierbei verzichtet wird, verfolgt dieses Verfahren dem „natürlichen Design“ (vgl. Flick, 1995, S. 156). Die Interviews dauerten durchschnittlich 70 Minuten, wobei das kürzeste 34 Minuten und das längste Interview 140 Minuten andauerte (vgl. Bockermann, 2012, S. 85). Die Lehrkräfte wurden in dieser Zeit von Bockermann zu ihren biografischen Daten sowie zu den Themenbereichen des Leitfadens befragt (vgl. ebd., S. 80).

Fixierung der Daten

Das Auswertungsverfahren von Bockermann vollzieht sich in drei Schritten. Den ersten Schritt bildet die Transkription, bei dem Entscheidungen vorgenommen wurden, in welcher Art und Weise das Material bzw. die Studie aufbereitet wird. Im zweiten Schritt folgt die Analyse bei der spezielle Sachverhalte erforscht wurden. Der Abschluss bildet die Zusammenfassung der Ergebnisse (vgl. Bockermann, 2012, S. 89). Für die Transkription wurden alle Interviews vollständig angehört und ausgewertet. Bockermann war hierbei nur am gesamten Inhalt und nicht an dem Ko- Text interessiert. Die Ergebnisse sieht Bockermann hierbei als subjektive Momentaufnahmen (vgl. ebd., S. 89 f). Im Allgemeinen entspricht dieses Verfahren dem Modell von Flick, da die Datenfixierung ebenso in drei Schritte einteilt wurde (vgl. Flick, 1995, S. 160). Die Software MaxQDA wurden als Hilfestellung angewendet um die einzelnen Interviews auszuwerten (vgl. Bockermann, 2012, S. 91).

Interpretation der Daten

Das inhaltsanalytische Auswertungsverfahren hat Bockermann in ihrer Studie angewendet. Zusätzlich prüfte die Forscherin auch weitere Auswertungsverfahren. Für die Untersuchung des Materials wurden Einstellungen und Fakten ausgearbeitet um von den Lehrpersonen den Orientierungs-, Deutungs-, und Handlungsrahmen einzubeziehen (vgl. Bockermann, 2012, 90 f). Für die Analyse des Materials hat Bockermann das induktive Verfahren gewählt „(…) als die Generierung von thematischen Codes durch das mehrmalige genaue Lesen und Prüfen.“ (Bockermann, 2012, S. 91). Durch die Nutzung beziehungsweise die Anwendung der Software MaxQDA wurde ermöglicht „(…) die Interviews nicht nur entlang der Fragen entsprechend zu sichten und zu codieren, sondern auch querliegende Stellungsnahmen zu berücksichtigen und übergreifende Stellungsnahmen über alle Interviews hinweg in Beziehung zueinander zu setzen, zu codieren und daraus Kategorien zu entwickeln.“ (Bockermann, 2012, S. 91).

Geltungsbegründung

Nach Flick geht es in einer Studie darum, das Material durch den Forschenden nachvollziehbar zu machen. Hierbei werden zwei Strategien angewendet (vgl. Flick, 1995, S. 167). Nach Flick wird zu der Verfolgung eines Zieles versucht die Gütekriterien der Reliabilität, Validität und Objektivität auf eine qualitative Forschung zu beziehen (vgl. ebd., S. 167). Die Studie von Bockermann zeigt aber hierbei diese Kriterien unzureichend auf. Flick verweist zudem auf eine weitere Strategie bei der es um die Entwicklung und Anwendung von „methodenangemessener“ Gütekriterien geht und diese ebenso zu einer qualitativen Forschung führen (vgl. Flick, 1995, S. 167). Im Bezug auf die Studie wird deutlich, dass Bockermann zwei Erhebungsverfahren/ Strategien verwendet um Daten und Ergebnisse zu erzielen (vgl. Bockermann, 2012, Kapitel 5/ 6). Die Vorstudie bezieht sich auf die Medienwelt aus der Sicht der Studierenden und deren Einstellungen und Haltungen im Hinblick auf die Nutzung von digitalen Medien. Hierzu wurden die Studierenden durch Blogerhebungen befragt und die Ergebnisse in Exel- Grafiken dargestellt (vgl. Bockermann, 2012, S. 91). Die Hauptstudie von Bockermann wird im Kapitel Sechs näher erläutert und bildet den wichtigsten Abschnitt (vgl. ebd., S. 91). „Die Ergebnisse der Analyse werden in Form einer konzeptuellen Matrize visualisiert (vgl. Runkler 2010; Wollschläger 2010), um das entwickelte Kategorien- bzw. Referenzsystem entsprechend verdichtet darzustellen und die ‚innere Ordnung’ der Analyse sichtbar werden zu lassen.“ (Bockermann, 2012, S. 91f). Das siebte, letzte Kapitel umfasst die Zusammenfassung der verschiedenen erhobenen Datensammlungen. Dadurch wird ein guter Überblick über die Studie ermöglicht (vgl. Bockermann, 2012, Kapitel 7).

Forschung als Diskurs

Abschließend ist aus der Studie von Bockermann nicht ersichtlich, ob die Forscherin die befragen Studierenden als auch Lehrkräfte über ihre Forschung, sowie deren festgestellten Ergebnisse informiert hat (vgl. Flick, 1955, S. 170). Wie schon in den zuvor aufgezeigten Feldern (siehe Verhältnis Theorie Gegenstand; Annäherung an der Feld; Sammlung der Daten) näher erläutert, lässt sich die Studie von Bockermann in eine Vor- und Hauptstudie unterteilen. Dabei liegt wie schon beschrieben der Fokus auf der Hauptstudie. Durch das Vorgehen von Bockermann in ihrer Studie hat sie sich eine direkte Interaktion mit den Befragten verschafft (vgl. Bockermann, 2012, S. 159). Hierbei ist positiv anzumerken, dass sich Bockermann kritisch mit ihren gesammelten Ergebnissen auseinandersetzt (vgl. ebd., S. 159).

Literatur

Bockermann, Iris (2012): Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien. Online verfügbar: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D1071992643 (Stand:12.09.2017).

Flick, Uwe (1995): Stationen des qualitativen Forschungsprozesses. In: Handbuch qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen. 2 Auflage. Weinheim: Beltz/ Psychologie Verlags Union. S. 148-173.

Petko, Dominik (2013): Einführung in die Mediendidaktik. Weinheim. Basel. S. 7.

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