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Tandem 03

  • Tandempartner*in 1: Plate Meneses; Jessica Carmen
  • Tandempartner*in 2: Birnbach; Eike

Entwurfsfassung

Einleitung:

Die Dissertation „Wo verläuft der Digitale Divide im Klassenraum? - Lehrerhandeln und Digitale Medien“ von Iris Bockermann wurde 2012 in der Universität Bremen veröffentlicht. Sie behandelt in dieser Studie den Einsatz Digitaler Medien durch Lehrer und Lehrerinnen in Schulen.

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Die Dissertation von Iris Bockermann behandelt die Fragestellung „Wo verläuft der Digitale Divide im Klassenraum?“. Bockermann analysiert dafür die Einstellung und Haltung der Lehrkräfte gegenüber Digitalen Medien und untersucht, inwiefern diese im schulischen Kontext eingesetzt werden (vgl. Bockermann, 2012, S. 73). Bockermann untersucht speziell die „[…] Bildungsdienlichkeit der Digitalen Medien aus der Perspektive der Lehrkräfte.“ (ebd., S. 74) Dafür formuliert sie folgende drei Leitfragen: „Worauf referenzieren sich Lehrkräfte, wenn sie Digitale Medien verorten und interpretieren? Welche Gründe sind für das besondere Verhältnis von LehrerInnen zu Digitalen Medien im schulischen Kontext konstitutiv? Gibt es verallgemeinbare Orientierungs- und Deutungsmuster?“ (ebd., S. 74).

Annäherung ans Feld

Digitale Medien sind in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und allgegenwärtig. Eine verbesserte Ausstattung an Schulen und die dazugehörigen Weiterbildungen im Bereich der Medienbildung wurden bereits 2008 (Länderkonferenz Medien Bildung 2008) gefordert und gewünscht (vgl. Bockermann S. 11). Trotz der Erteilung des Bildungsauftrages kommen in Schulen nur sehr selten Digitale Medien zum Einsatz. Iris Bockermann forscht in ihrer Studie über den Einsatz Digitaler Medien durch Lehrkräfte an Schulen. (vgl. Bockermann, 2012, S. 6). Um sich an das Feld ‚Haltung und Einstellungen’ anzunähern, wählt sie den Weg einer Vorstudie. Hierfür werden Studierende in der Lehramtsausbildung mit Hilfe einer Blog-Erhebung gezielt befragt (vgl. Bockermann, 2012, S.74). Damit ein offener Austausch zwischen den Studierenden stattfinden und die Privatsphäre eingehalten werden kann, ist der Blog mit einem Passwort gesichert (vgl. Bockermann, 2012, S. 75). Diese Befragung wird in ihrer eigenen Lehrveranstaltung durchgeführt (vgl. ebd., S. 75). Daraus lässt sich schließen, dass die Forscherin die Dozentin der Studierenden ist. Die Rolle der Forscherin sollte klar definiert werden, da ihre persönliche Haltung einen Einfluss auf die Teilnehmenden und somit auf Ihre Studie haben kann (vgl. Flick, 1995, S. 154). Leider geht Bockermann nicht auf ihre Rolle während der Forschung ein. Als zweites Erhebungs- und Auswertungsverfahren wählt Bockermann ein leitfadengestütztes Interview als Hauptstudie. Sie interviewt hierfür 18 Lehrkräfte aus 2 verschiedenen, stark medienorientierten Schulen (vgl. Bockermann, 2012, S. 79). Um ehrliche Antworten der sozialtechnologisch geschulten Lehrkräfte zu erhalten, sichert die Forscherin ihnen eine umfassende Anonymisierung zu (vgl. Bockermann, 2012, S. 76-86). Die Interviews werden vollständig transkribiert und allen Teilnehmenden zur Autorisierung nochmals vorgelegt (vgl. ebd., 2012, S. 86).

Erhebungsverfahren / Sammlung der Daten

Für die Ergebung ihrer Daten stellt Bockermann Studenten und Studentinnen in der Lehramtsausbildung allgemeine Fragen zu Digitalen Medien und Medienbildung in der Schule. Diese Art ihrer Vorstudie läuft über einen Blog im Internet (vgl. Bockermann, 2012, S. 74). Im Fokus der Hauptstudie stehen 18 Lehrkräfte, die durch ein leitfadengestütztes Interview als ExpertInnen interviewt werden (vgl. Bockermann, 2012, S. 77). Diese Erhebungsverfahren sind nach Flick rekonstruktive Verfahren (vgl. Flick, 1995, S. 156). Hier stellen die Ergebnisse der Befragung, jeweils zu dem untersuchenden Sachverhalt in der Erhebungssituation, eine Rekonstruktion dar (vgl. Flick, 1995, S.156). Die Interviews sind narrativ fundiert, sie sollen über die Handlungsorientierung einen Zugang zu der Handlungspraxis ergeben (vgl. Bockermann, 2012, S. 79). Die Interviews orientieren sich an einem Leitfaden der acht professionsorientierte Themenbereiche abdeckt (vgl. Bockermann, 2012, S. 80). Bockermann stellt fest, dass die Rolle der von ihr gewählten ExpertInnen (Lehrkräfte) zu Verzerrungen der Auswertung führen könnte, da die Lehrkräfte sozialtechnologisch geschult sind (vgl. Bockermann, 2012, S. 76). Nach Flick ist die Entscheidung einer direkten Befragung in einem Interview eng damit verbunden die Gefahr der ‚Lüge’ in Kauf zu nehmen (vgl. Flick, 1995, S.157). Denn hier könnten die Fragen an subjektiven und objektiven Relevanzstrukturen vorbei zielen (vgl. ebd., S.157). Die Methode der Arbeitsweise ist nach Flick eine teilweise Strukturierung der Datensammlung durch Subjekt und Forscher (vgl. Flick, 1995, S.158). Hier wird die Datensammlung eng damit verbunden, dass die Haupttätigkeit des Forschers darin liegt, die Äußerungsinteressen der befragten ExpertInnen, die Zeit des Interviews und die Struktur des Leitfadens zu koordinieren (vgl. Flick, 1995, S.158).

Auswertungsverfahren und Interpretation

Die Forscherin hat sich für ein inhaltsanalytisches Verfahren entschieden. Bei diesem wird eher paraphrasierend und nicht wie in der von ihr ebenfalls geprüften ‚Grounded Theory‘ theoriegenerierend, codiert. (vgl. Bockermann, 2012, S. 90). Bockermann sieht ihre Ergebnisse als subjektive Momentaufnahme und versucht diese neutral zu behandeln (vgl. ebd., S. 89). Das Material wird zuerst transkribiert, anschließend analysiert und abschließend werden die Ergebnisse systematisiert (vgl. Bockermann, 2012, S. 89, zitiert nach: Goodmann, 1994, S. 235). Für die Analyse wählt sie ein induktives Verfahren (vgl. Bockermann, S. 91). Dies geschieht über „[…] die Generierung von thematischen Codes durch das mehrmalige genau Lesen und Prüfen“ (ebd. S. 91, zitert nach: Mikos und Wegener 2005, S.200ff). Sie nutzt die Software `MaxQDA’ als Hilfestellung um „[…] auch querliegende Stellungnahmen zu berücksichtigen und übergreifende Stellungnahmen über alle Interviews hinweg in Beziehung zueinander zu setzen, zu codieren und daraus Kategorien zu entwickeln“. (Bockermann, 2012, S. 91, zitiert nach: Rustemeyer, 1992).

Geltungsbegründung und Gütekriterien

Die Bezeichnung der Geltungsbegründung umfasst verschiedene Ansätze. Dabei werden Kriterien formuliert, die verhelfen sollen die Beurteilung / Qualität einer Forschung zu überprüfen (vgl. Flick, 1995, S.167). Somit kann die Geltungsbegründung als eine Analyse des Forschungsprozesses verstanden werden (vgl. Flick, 2011, S. 485). Die drei zentralen Gütekriterien sind Validität, Reliabilität und Objektivität. Diese stehen in einer nicht voneinander trennbaren Beziehung zueinander: „Die drei Gütekriterien […] stehen in einem hierarchischen Verhältnis. Objektivität ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung der Reliabilität. Die Reliabilität ist wiederum eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung der Validität.“ (Diekmann, 1995, S. 227) Ziel sollte das Erzielen von Validität sein (vgl. ebd., S. 227). In der Studie von Iris Bockermann werden diese drei Gütekriterien jedoch nicht detailliert beachtet. Flick erläutert jedoch eine Alternative dazu: „Eine andere Strategie ist die Entwicklung und Anwendung „methodenangemessener“ Gütekriterien für qualitative Forschung“. (Flick, 1995, S. 167, zitiert nach: Flick, 1987) In ihrer Vorstudie, welche für eine erste Orientierung sorgt, führt sie eine Datenerhebung via Blog mit Studierenden durch. Als Art der Darstellung ihrer Blogergebnisse wählt Bockermann Excel-Tabellen (vgl. Bockermann, 2012, S. 91), was nach Flick ein Problem der Vermittlung von Interpretations- und Verallgemeinerungsprozessen der Komplexität darstellen könnte (vgl. Flick, 1995, S. 169). Ihre Hauptuntersuchung ergibt sich aus den oben genannten Interviews. (vgl. Bockermann, 2012, S. 75). Bockermann teilt diesem Verfahren der Auswertung mehr Gewichtung zu, da Lehrkräfte durch ihre Berufserfahrung erfahrener sind (vgl. Bockermann, 2012, S. 90f). Die Forscherin beachtet in ihrer Arbeit verschiedene Aspekte der Auswertung. In Kapitel 7 widmet sie sich der Analyse, der Kontextualisierung ihrer Datensammlung und versucht diese Ergebnisse zusammengefasst vorzustellen (vgl. Bockermann, 2012, S. 159). Laut Flick ist es das Ziel, aus den gesammelten Daten eine Theorie und aus begründeten Strukturen eine Verallgemeinerung zu bilden (vgl. Flick, 1995, S. 168).

Literatur

Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendung. Rowohlt: Reinbek bei Hamburg. (2007).

Flick, Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. 4. Auflage, Rowohlt: Reinbek bei Hamburg.(2011).

Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien [Elektronische Ressource] / Iris Bockermann - 219 Seiten: http://elib.suub.uni-bremen.de/edocs/00102499-1.pdf

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Ranking:

1.Platz: Tandem 39 / 2. Platz: Tandem 02 / 3.Platz: Tandem 22 / 4.Platz: Tandem 37

1.Platz Tandem 39:

Der Aufbau eurer Studienanalyse gefällt uns sehr gut. Ihr gebt die Inhalte in einer einfachen und verständlichen Sprache wieder, was das Lesen und Verstehen der Inhalte vereinfacht. Verbesserungswürdig ist jedoch eine Einleitung, da diese dem Leser einen leichteren Einstieg in die Studienanalyse gewährt. Wortwahl, Grammatik und Leertastensetzung solltet ihr teilweise überprüfen. Die Zitierweise ist einheitlich und weitgehend korrekt. Im Fall von Sekundärzitaten solltet ihr allerdings wissenschaftlicher zitieren. Bsp.: „(…), bei der es um die Entwicklung und Anwendung von „methodenangemessener“ Gütekriterien geht und diese ebenso zu einer qualitativen Forschung führen (vgl. Flick, 1995, S. 167, zitiert nach Flick 1987).“ Schaut euch hierzu Folie 10 des Seminars „Sozialwissenschaftliche Methoden“ bei Moodle an. Bitte achtet darauf die verwendete Literatur in einem Literaturverzeichnis anzugeben.

2.Platz Tandem 02:

Die Einleitung gewährt dem Leser einen sehr guten Einstieg in die Analyse. Sie umfasst wichtige Kernpunkte und ist leicht verständlich. Die grundlegenden Verfahren qualitativer Sozialforschung wurden identifiziert und mit Hilfe von forschungsmethodischer Literatur sinnvoll erläutert. Jedoch sind Defizite bei der Zitierweise zu erkennen. Besser ist es, direkte (wörtliche) Zitate aus Primär- und Sekundärliteratur immer durch Anführungszeichen kenntlich zu machen: „…“. Rechtschreibung, Ausdruck sowie Inhalte weisen nur minimale Schwächen auf. Der letzte Abschnitt „Geltungsbegründungen“ ist durch lange Sätze schwer verständlich und sollte dem Schreibstil der vorherigen Abschnitte angepasst werden.

Platz 3: Tandem 22

Ihr geht gut auf die Inhalte der Studienanalyse ein. Leider habt ihr nicht alle Anforderungen abgegeben. Obwohl ihr den Abschnitt „Geltungsbegründung“ nicht abgegeben habt, wurden mehr Wörter verwendet als vorgegeben. Der Lesefluss wird durch lange Sätze und die im Text eingefügten Zitierweisen stark gestört. Hier ist evtl. darauf zu achten ein Zitat einzufügen, wenn der Satz beendet wurde. Die Zitate wirken einheitlich, jedoch ist uns die Kennzeichnung „Zit“ nicht bekannt. Unserer Meinung nach ist es verständlicher, direkte Zitate aus Primär- und Sekundärliteratur immer durch Anführungszeichen kenntlich zu machen: „…“. Die kurze Einleitung hat uns sehr gut gefallen. Sie ermöglicht dem Leser einen leichten Einstieg in die Analyse. Es sind minimale Grammatik- und Rechtschreibfehler vorhanden, welche überarbeitet werden sollten. Ebenso könnten die vielen Absätze in der Entwurfsfassung überdacht werden, da diese den Lesefluss stören.

Platz 4: Tandem 37

Es ist schwer einen Zugang zur Studienanalyse von Tandem 37 zu erlangen. Dies liegt an den vielen direkten Zitaten, welche besser durch eigene Worte ersetzt werden sollten. Die Texte wirken aufgrund dessen unverständlich, obwohl die Inhalte richtig scheinen. Bei der Zitierweise sind nur geringe Mängel vorhanden. Erst ab Mitte der Analyse verwendet ihr die Abkürzung „Ebd“, wenn aus der direkt zuvor bereits vorhergehenden Veröffentlichung zitiert wurde. Dieses Vorgehen solltet ihr in der gesamten Analyse vereinheitlichen. Die vielen Zeitformen sowie Rechtschreibfehler sollten ebenfalls überarbeitet werden. Leider habt ihr, wie Tandem 22 auch, den Abschnitt „Geltungsbegründung“ nicht bearbeitet.

Dritter Text: Endfassung

Einleitung

Die Dissertation „Wo verläuft der Digitale Divide im Klassenraum? - Lehrerhandeln und Digitale Medien“ von Iris Bockermann wurde 2012 in der Universität Bremen veröffentlicht. Sie behandelt in dieser Studie den Einsatz Digitaler Medien durch Lehrer und Lehrerinnen in Schulen.

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Den Hauptuntersuchungsgegenstand der vorliegenden Studie bilden leitfadengestützte Interviews mit Lehrkräfte. Im Fokus steht dabei der Einsatz digitaler Medien im schulischen Kontext (vgl. Bockermann, 2012, S. 73f).

Bereits in Bockermanns Einleitung thematisiert sie erste Hypothesen: “ […] welche Gründe für das besondere Verhältnis von LehrerInnen zu Digitalen Medien im schulischen Kontext konstitutiv sind. Des Weiteren gehe ich der Frage nach, worauf Lehrkräfte referenzieren, wenn sie Digitale Medien verorten und interpretieren, und ob es verallgemeinerbare Orientierungs- und Deutungsmuster gibt.“ (Bockermann, 2012, S. 6) Zu diesen Hypothesen wird eine zentrale Fragestellung gebildet, implizite Hypothesen werden abgeleitet und dadurch neue Fragen geformt (vgl. Bockermann, 2012, S. 74f). Dieses Verfahren ist der Grounded Theory zuzuordnen (vgl. Flick. 1995, S.150f). Der Bezug von Bockermanns empirischer Forschungsarbeit zu bereits existierenden Forschungsergebnissen auf diesem Gebiet ist uns nicht ersichtlich. So orientiert sie sich bei der Durchführung und Auswertung beispielsweise an verschiedenen Theorien qualitativer Forschung von “[…] Kommer (2010, SchülerInnen und Lehramtsstudierende), Biermann (2010, Studierende mehrerer Hochschulstandorte) und Meurer (2006, Grundschullehrkräfte) […]“. (Bockermann, 2012, S. 69) Während bei Bockermann der Schwerpunkt auf der Befragung von Lehrkräften liegt, steht bei den eben genannten, von ihr referenzierten Studien primär die Befragung von Studierenden im Mittelpunkt (vgl. Bockermann, 2012, S. 69).

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Die Dissertation von Iris Bockermann behandelt die Fragestellung „Wo verläuft der Digitale Divide im Klassenraum?“. Bockermann analysiert dafür die Einstellung und Haltung der Lehrkräfte gegenüber Digitalen Medien und untersucht, inwiefern diese im schulischen Kontext eingesetzt werden (vgl. Bockermann, 2012, S. 73). Bockermann untersucht speziell die „[…] Bildungsdienlichkeit der Digitalen Medien aus der Perspektive der Lehrkräfte.“ (ebd., S. 74) Dafür formuliert sie folgende drei Leitfragen: „Worauf referenzieren sich Lehrkräfte, wenn sie Digitale Medien verorten und interpretieren? Welche Gründe sind für das besondere Verhältnis von LehrerInnen zu Digitalen Medien im schulischen Kontext konstitutiv? Gibt es verallgemeinbare Orientierungs- und Deutungsmuster?“ (ebd., S. 74).

Annäherung ans Feld

Digitale Medien sind in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und allgegenwärtig. Eine verbesserte Ausstattung an Schulen und die dazugehörigen Weiterbildungen im Bereich der Medienbildung wurden bereits 2008 (Länderkonferenz Medien Bildung 2008) gefordert und gewünscht (vgl. Bockermann S. 11). Trotz der Erteilung des Bildungsauftrages kommen in Schulen nur sehr selten Digitale Medien zum Einsatz. Iris Bockermann forscht in ihrer Studie über den Einsatz Digitaler Medien durch Lehrkräfte an Schulen (vgl. Bockermann, 2012, S. 6). Um sich an das Feld ‚Haltung und Einstellungen’ anzunähern, wählt sie den Weg einer Vorstudie. Hierfür werden Studierende in der Lehramtsausbildung mit Hilfe einer Blog-Erhebung gezielt befragt (vgl. Bockermann, 2012, S.74). Damit ein offener Austausch zwischen den Studierenden stattfinden und die Privatsphäre eingehalten werden kann, ist der Blog mit einem Passwort gesichert (vgl. Bockermann, 2012, S. 75). Diese Befragung wird in ihrer eigenen Lehrveranstaltung durchgeführt (vgl. ebd., S. 75). Daraus lässt sich schließen, dass die Forscherin die Dozentin der Studierenden ist. Die Rolle der Forscherin sollte klar definiert werden, da ihre persönliche Haltung einen Einfluss auf die Teilnehmenden und somit auf Ihre Studie haben kann (vgl. Flick, 1995, S. 154). Leider geht Bockermann nicht auf ihre Rolle während der Forschung ein. Als zweites Erhebungs- und Auswertungsverfahren wählt Bockermann ein leitfadengestütztes Interview als Hauptstudie. Sie interviewt hierfür 18 Lehrkräfte aus 2 verschiedenen, stark medienorientierten Schulen (vgl. Bockermann, 2012, S. 79). Um ehrliche Antworten der sozialtechnologisch geschulten Lehrkräfte zu erhalten, sichert die Forscherin ihnen eine umfassende Anonymisierung zu (vgl. Bockermann, 2012, S. 76-86). Die Interviews werden vollständig transkribiert und allen Teilnehmenden zur Autorisierung nochmals vorgelegt (vgl. ebd., 2012, S. 86).

Sammlung der Daten

Für die Ergebung ihrer Daten stellt Bockermann Studenten und Studentinnen in der Lehramtsausbildung allgemeine Fragen zu Digitalen Medien und Medienbildung in der Schule. Diese Art ihrer Vorstudie läuft über einen Blog im Internet (vgl. Bockermann, 2012, S. 74). Im Fokus der Hauptstudie stehen 18 Lehrkräfte, die durch ein leitfadengestütztes Interview als ExpertInnen interviewt werden (vgl. Bockermann, 2012, S. 77). Diese Erhebungsverfahren sind nach Flick rekonstruktive Verfahren (vgl. Flick, 1995, S. 156). Hier stellen die Ergebnisse der Befragung, jeweils zu dem untersuchenden Sachverhalt in der Erhebungssituation, eine Rekonstruktion dar (vgl. Flick, 1995, S.156). Die Interviews sind narrativ fundiert, sie sollen über die Handlungsorientierung einen Zugang zu der Handlungspraxis ergeben (vgl. Bockermann, 2012, S. 79). Die Interviews orientieren sich an einem Leitfaden der acht professionsorientierte Themenbereiche abdeckt (vgl. Bockermann, 2012, S. 80). Bockermann stellt fest, dass die Rolle der von ihr gewählten ExpertInnen (Lehrkräfte) zu Verzerrungen der Auswertung führen könnte, da die Lehrkräfte sozialtechnologisch geschult sind (vgl. Bockermann, 2012, S. 76). Nach Flick ist die Entscheidung einer direkten Befragung in einem Interview eng damit verbunden die Gefahr der ‚Lüge’ in Kauf zu nehmen (vgl. Flick, 1995, S.157). Denn hier könnten die Fragen an subjektiven und objektiven Relevanzstrukturen vorbei zielen (vgl. ebd., S.157). Die Methode der Arbeitsweise ist nach Flick eine teilweise Strukturierung der Datensammlung durch Subjekt und Forscher (vgl. Flick, 1995, S.158). Hier wird die Datensammlung eng damit verbunden, dass die Haupttätigkeit des Forschers darin liegt, die Äußerungsinteressen der befragten ExpertInnen, die Zeit des Interviews und die Struktur des Leitfadens zu koordinieren (vgl. Flick, 1995, S.158).

Fixierung der Daten

Bockermann beginnt das Auswertungsverfahren ihrer Studie mit einer Transkription und orientiert sich dabei an dem Modell von Edwards und Lampert (vgl. Bockermann, 2012, S.89). Die von ihr angewandten Transkriptionsregeln beschreibt sie dabei im Anhang ihrer Studie (vgl. Bockermann 2012, S.207). Im analytischen Teil ihrer Ausführungen thematisiert und untersucht sie die für ihre Arbeit relevanten Sachverhalte. Schlussendlich erfolgt die Zusammenstellung ihrer Ergebnisse (vgl. Bockermann, 2012, S.89f). Bei einer Transkription ist das Setzen inhaltlicher Schwerpunkte von zentraler Bedeutung (vgl. Flick, 1995, S.162). Bockermann konzentriert sich hier auf eine vollständige Transkription und lässt paraverbale Elemente dabei außen vor (vgl. Bockermann, 2012, S.90). Ob das Material auf Tonband aufgenommen wurde, ist der Studie nicht zu entnehmen.

Interpretation der Daten

Die Forscherin hat sich für ein inhaltsanalytisches Verfahren entschieden. Bei diesem wird eher paraphrasierend und nicht wie in der von ihr ebenfalls geprüften ‚Grounded Theory‘ theoriegenerierend, codiert (vgl. Bockermann, 2012, S. 90). Bockermann sieht ihre Ergebnisse als subjektive Momentaufnahme und versucht diese neutral zu behandeln (vgl. ebd., S. 89). Das Material wird zuerst transkribiert, anschließend analysiert und abschließend werden die Ergebnisse systematisiert (vgl. Bockermann, 2012, S. 89). Für die Analyse wählt sie ein induktives Verfahren (vgl. Bockermann, S. 91). Dies geschieht über „[…] die Generierung von thematischen Codes durch das mehrmalige genaue Lesen und Prüfen“. (ebd. S. 91) Sie nutzt die Software `MaxQDA’ als Hilfestellung um „[…] auch querliegende Stellungnahmen zu berücksichtigen und übergreifende Stellungnahmen über alle Interviews hinweg in Beziehung zueinander zu setzen, zu codieren und daraus Kategorien zu entwickeln“. (Bockermann, 2012, S. 91)

Geltungsbegründung

Die Bezeichnung der Geltungsbegründung umfasst verschiedene Ansätze. Dabei werden Kriterien formuliert, die verhelfen sollen die Beurteilung / Qualität einer Forschung zu überprüfen (vgl. Flick, 1995, S.167). Somit kann die Geltungsbegründung als eine Analyse des Forschungsprozesses verstanden werden (vgl. Flick, 2011, S. 485). Die drei zentralen Gütekriterien sind Validität, Reliabilität und Objektivität. Diese stehen in einer nicht voneinander trennbaren Beziehung zueinander: „Die drei Gütekriterien […] stehen in einem hierarchischen Verhältnis. Objektivität ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung der Reliabilität. Die Reliabilität ist wiederum eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung der Validität.“ (Diekmann, 1995, S. 227) Ziel sollte das Erzielen von Validität sein (vgl. ebd., S. 227). In der Studie von Iris Bockermann werden diese drei Gütekriterien jedoch nicht detailliert beachtet. Flick erläutert jedoch eine Alternative dazu: „Eine andere Strategie ist die Entwicklung und Anwendung „methodenangemessener“ Gütekriterien für qualitative Forschung“. (Flick, 1995, S. 167) In ihrer Vorstudie, welche für eine erste Orientierung sorgt, führt sie eine Datenerhebung via Blog mit Studierenden durch. Als Art der Darstellung ihrer Blogergebnisse wählt Bockermann Excel-Tabellen (vgl. Bockermann, 2012, S. 91). Dies könnte ein Problem der Vermittlung von Interpretations- und Verallgemeinerungsprozessen der Komplexität darstellen (vgl. Flick, 1995, S. 169). Ihre Hauptuntersuchung ergibt sich aus den oben genannten Interviews (vgl. Bockermann, 2012, S. 75). Bockermann teilt diesem Verfahren der Auswertung mehr Gewichtung zu, da Lehrkräfte durch ihre Berufserfahrung erfahrener sind (vgl. Bockermann, 2012, S. 90f). Die Forscherin beachtet in ihrer Arbeit verschiedene Aspekte der Auswertung. In Kapitel 7 widmet sie sich der Analyse, der Kontextualisierung ihrer Datensammlung und versucht diese Ergebnisse zusammengefasst vorzustellen (vgl. Bockermann, 2012, S. 159). Laut Flick ist es das Ziel, aus den gesammelten Daten eine Theorie und aus begründeten Strukturen eine Verallgemeinerung zu bilden (vgl. Flick, 1995, S. 168).

Forschung als Diskurs

Bockermann führt in ihrer eigenen Lehrveranstaltung zunächst eine Vorstudie mit den teilnehmenden Studierenden durch (vgl. Bockermann, 2012, S.74). Die Basis der ebenfalls von ihr persönlich durchgeführten Hauptstudie bilden leitfadengestützte Interviews mit Lehrkräften (vgl. Bockermann, 2012, S.76). Im Anschluss an die Transkription der Ergebnisse wurden diese den befragten Lehrkräften nochmals vorgelegt (vgl. Bockermann 2012, S.86). In diesem Kontext kann von einer Form der kommunikativen Validierung gesprochen werden (vgl. Flick 1995, S.170). Eine Rückmeldung der Befragten nach Abschluss des Forschungsprozesses ist Bockermanns Ausführungen jedoch nicht explizit zu entnehmen. Da sie allerdings die Transkription ihrer Ergebnisse, wie bereits erwähnt, von den Probanden kommunikativ hat validieren lassen, ist laut Flick ein weiterer Beleg nicht notwendig (vgl. Flick 1995, S. 170).

Literatur

Bockermann, Iris (2012): Wo verläuft der Digital Divide im Klassenraum? Lehrerhandeln und Digitale Medien. Online publiziert auf dem Server der Deutschen Nationalbibliothek: http://d-nb.info/1071992643 (Letzter Zugriff: 26.08.2017).

Diekmann, Andreas (2007): Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendung. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Flick, Uwe (2014): „Sozialforschung. Methoden und Anwendungen Ein Überblick für die BA Studiengänge“. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Flick, Uwe (2011): Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. 4. Auflage, Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Flick, Uwe (1995): „Stationen des qualitativen Forschungsprozesses“. In: Handbuch qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen. 2 Auflage. Weinheim: Beltz/ Psychologie Verlags Union. S. 148-173.

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