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Tandem 36

  • Tandempartner 1: Vanessa Brandes
  • Tandempartner 2: Mischa Sill

Einleitung

Die folgende Analyse bezieht sich auf die Dissertation „Zur Effizienz handlungsorientierter Unterrichtssettings - Eine empirische Studie“ von Markus Schäfer aus dem Jahr 2012 an der Universität Siegen.

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Diese wissenschaftliche Dissertation untersucht die Frage „in wie weit Handlungsorientierung im Kontext von Schule und Unterricht unter den gegebenen curricularen und institutionellen Bedingungen die intendierte Produktivitätssteigerung erzeugen kann.“ (Schäfer 2012, S.14) Schäfer untersucht dafür die berufliche Erstausbildung im Bereich des KFZ-Gewerbes im dualen System. Als Forschungsdesign wählte Schäfer den Design-Based Research Ansatz. Dieses Forschungsdesign erlaubt die Daten klassisch zu erheben und auszuwerten. Der wichtigste Faktor dieses Designs sind die didaktischen Experimente, die die notwendigen Entwicklungs- und Implementierungsarbeiten bei der Feldstudie ermöglichen (Vgl. Schäfer 2012, S.116).

Annäherung ans Feld

Mit dem Begriff Feld kann nach Flick eine bestimmte Institution, eine Subkultur, eine Familie, eine spezifische Gruppe von Biographieträgern oder Entscheidungsträgern in Verwaltungen oder Unternehmen u.a. gemeint sein (Vgl. Flick 2007, S.143). Da einer der beiden Forscher auch der Klassenlehrer der beforschten Klasse war, musste während der Erhebung stets die Nähe und Distanz zum Feld kritisch und professionell hinterfragt werden. Um die Nähe zum Feld zu erlangen wurden die Beobachtungen in Form von Videoanalysen zeitversetzt zur Aufzeichnung dokumentiert. Schäfer schließt in diesem Sinne mit seinen Schülern einen mündlichen Vertrag, der vorsieht, dass die Erhebung weder positive noch negative Sanktionen nach sich zieht. Zusätzlich wurde die Einführung des Forschungsfeldes für die Beforschten von einem extern Wissenschaftler geleitet (Vgl. Schäfer 2012, S.133). Des Weiteren werden die Interviews und sämtliche Beobachtungen vertraulich behandelt. Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich Schäfer mit seiner Rolle im Feld kritisch auseinandersetzt und auch berücksichtigt, dass er indirekt durch die Kommunikation auf Prozesse im Unterricht Einfluss nimmt.

Sammlung der Daten

Die Datenerhebung erfolgte über einen Zeitraum von fast 12 Monaten an insgesamt 15 Unterrichtstagen, am Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn in 11 Experimenten, die sich in ihren didaktischen Settings unterschieden. Demzufolge führt der Autor eine Längsschnittbeobachtung durch. Dies bedeutet, dass die Experimente nicht unter Laborbedingungen stattfanden und das sich daraus eine Vielzahl von nicht kontrollierbaren Variablen, wie zum Beispiel Unterrichtsausfall, Krankheit und technische Störungen, ergab (Vgl. Schäfer 2012, S.132). Bei jedem Experiment wurden die Erkenntnisse aus dem vorhergegangen berücksichtigt. Gruppendiskussionen nach den Experimenten, mit den Lernenden wurden als ein wichtiges Feedbackinstrument genutzt. Um die Daten zu sammeln wurden insgesamt 1292 Minuten Filmmaterial von Gruppensituation einer Referenz- und Vergleichsgruppe und Klassenraumsituationen erstellt. Zu der Datensammlung gehören des Weiteren Interwies mit Ausbildern, Unternehmern und Auszubildenden des KFZ-Gewerbes, sowie Abschlussinterwies mit den Mitgliedern der Referenzgruppe. Dieses Material wurde Erkenntnisgeleitet und nach Kriterien der Qualität von den Forschern auf 812 gekürzt (Vgl. Schäfer 2012, S.152). Die Interwies waren Leitfadengestützt und wurden beabsichtigt nicht in der Schule oder den Betrieben durchgeführt um eine negative Konnotation zu verhindern (Vgl. Schäfer 2012, S. 154) In Bezug auf die Angemessenheit des Datenerhebungsverfahrens ist zu berücksichtigen, dass sich der interpretative Charakter von Videoaufzeichnung sehr gut für eine qualitative Forschung eignet.

Fixierung der Daten

Interpretation der Daten

Da es sich um eine qualitative Forschung handelt ist die Interpretation des Erhebungsmaterials, das aus teilnehmenden Beobachtungen und Befragungen stammt, hypothesengenerierend. Das kategorisierte Auswertungsverfahren das Schäfer für seine Studie verwendet ist in 3 Stufen unterteilt. In Stufe 1 wird durch die sequenzielle Fallrekonstruktion auf einen Zusammenhang geschlossen, der als Forschungsthese gedeutet werden kann. Mit dem neu erworbenen Wissen, werden weitere Fälle analysiert. Dabei hat die These solange bestand, bis diese widerlegt oder gesättigt, demnach als gesichert erachtet werden kann. Im Vordergrund der Interpretation der Fallrekonstruktion steht, dass was real passiert und sich somit protokolieren lässt. Es geht letztlich darum das Verhalten der Probanden, durch theoretische Regeln und Bezüge erklären zu können. In Stufe 2 werden die gewonnen Daten mit Hilfe einer Software, MAXQDA, analysiert. Ziel ist es phänomenologische Verdichtungen zu identifizieren und zu quantifizieren, demnach messbar zu machen. In Stufe 3 werden die gewonnen Erkenntnisse, aus den durchgeführten Experimenten, Befragungen und Beobachtungen inhaltsanalytisch erklärt (Vgl. Schäfer 2012, S.148). Um die oben genannten Auswertungsverfahren durchführen zu können griff Schäfer bei den Beobachtungen den Ansatz von Przyborski/Wohlrab-Sahr auf, der vorsieht die Feldnotizen in Spalten, Ort/Zeit, Beobachtungen, Kontextinformationen, methodische und theoretische Rollenreflexionen einzuteilen (Vgl. Przyborski, Wohlrab-Sahr 2008, S.63). Es wurden verschieden strukturierte Befragungen durchgeführt. Zum einen die mündlichen, wie Experteninterview, Gruppendiskussion (wenig strukturiert), Leitfadengespräch und Intensivinterview (teil strukturiert), die das erfassen qualitativer Aspekte erfassen. Zum anderen das Ausfüllen von Fragebögen (stark strukturiert), was die quantitativen Aspekte erfassen soll.

Geltungsbegründung

Schäfer untersucht nicht von Anfang an eine bestimmte Theorie, viel mehr entwickelt er im Laufe seiner Forschung verschiedene Thesen, die er entweder widerlegt oder so lang modifiziert bis sie als erwiesen gelten. Er ergänzt sein qualitatives Forschungsdesign durch quantitative Elemente. Zur qualitativen Forschung gehören die klassischen Gütekriterien, Reliabilität, Validität und Objektivität (Vgl. Flick 1995, S.167). Schäfer versucht die Objektivität seiner Forschung zu gewährleisten in dem er zum Beispiel die Videoanalysen zeitversetzt durchführt um die Beobachtungen nicht aus der Lehrerperspektive sondern aus der Forscherperspektive durchführen zu können und Interwies in neutralen Umgebungen durchführt. Dennoch erläutert er, dass er und der beteiligte Forscher immer eine bestimmte Rolle im Feld einnahmen und somit auch direkt bzw. indirekt Einfluss auf das Feld nahmen (Vgl. Schäfer 2012, S.122). Zusammenfassend ist zu sagen, dass Schäfer seine Hypothesen und Forschungsergebnisse sehr transparent in seiner Dissertation thematisiert. Auch werden die theoretischen Grundlagen der Forschung anhand von Modellabbildungen und Literaturverweisen sehr gut kenntlich gemacht.

Forschung als Diskurs

Literatur

  • Flick, Uwe. „Stationen des qualitativen Forschungsprozesses.“ Handbuch qualitative Sozialforschung: Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen 2 (1995). S. 148-173
  • Flick, Uwe (2007): Qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. 4. Auflage. Reinbek: Rowohlt.
  • Przyborski, Aglaja; Wohlrab-Sahr, Monika (2008): Qualitative Sozialforschung. München.
  • Schäfer, Markus (2012): Zur Effizienz handlungsorientierter Unterrichtssettings - Eine empirische Studie. Siegen.

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Ranking: 1. Tandem 08; 2. Tandem 24; 3. Tandem 34;

Tandem Platz 1

Der Einstieg bzw. Einleitung ist sehr gut, ihr könntet lediglich das Datum und den Ort der Dissertation benennen. Die Fragestellung wurde sehr detailliert herausgearbeitet, nur die Forschungsperspektive ist etwas zu knapp. Die Annäherung an das Feld wurde sehr ausführlich beschrieben, falls ihr in der Endfassung Probleme mit der Wörterzahl bekommen solltet, könntet ihr hier etwas kürzen. Bei der Sammlung der Daten geht ihr unserer Meinung nach zu sehr auf die Interpretation ein, deshalb ist auch der Interpretationsteil sehr knapp, aber inhaltlich ist alles gut ausgearbeitet. Das Thema der Geltungsbegründung ist sehr gut beschrieben, aber auf das Thema der Theoriebildung könntet ihr noch eingehen. Sprachlich und inhaltlich hat uns eure Analyse sehr gut gefallen, daher haben wir euch auf Platz 1 gewählt.

Tandem Platz 2

Die Fragestellung ist inhaltlich sehr gut und verständlich ausgearbeitet. Um das ganze zu optimieren, wäre ein es gut kurz auf die Dissertation an sich einzugehen (Datum, Ort). Des Weiteren könntet ihr in der Endfassung, das Thema Forschungsperspektive ergänzen. Die Problemstellung des Feldzuganges ist von euch sehr verständlich und gut erklärt. Eure Kritik, dass in der Klasse keine Mädchen sind, finden wir nicht angemessen, da es sich um eine tatsächliche Klassensituation und nicht um eine künstliche Forschungsumgebung handelt. Die der Interpretation der Daten ist inhaltlich gut, nur geht ihr unseres Erachtens zu wenig auf die Videoaufzeichnungen und deren Auswertung ein. Die Geltungsbegründung ist sehr theoretisch gehalten, vielleicht könntet ihr in der Endfassung konkrete Beispiele aus Schäfers Dissertation nennen. Zusammenfassend finden wir eure Analyse bis auf die oben genannten Punkte inhaltlich sehr gut, aber Tandem 08 hat uns sprachlich mehr überzeugt.

Tandem Platz 3

Die Idee des Texteinstiges ist gut, könnte aber genauer sein bezüglich der Art und der Zeit der Arbeit. Die Fragestellung der Dissertation von Schäfer habt ihr gut wiedergegeben, aber das Thema Forschungsperspektive fehlt. Den letzten Satz: „Aufgrund seiner persönlichen […]“, empfinden wir als fraglich, da in der Dissertation der Grund seiner Überlegungen genau beschrieben steht. Euer Satz wirkt eher wie eine Mutmaßung eurerseits. Bei dem Thema des Feldzuganges fehlt der wichtige Punkt: Die Problematik Schäfers als Forscher und Lehrer gleichzeitig aufzutreten. Warum wurden bei den nächsten Punkten die Überschriften eines einheitlichen Wikis geändert? Dadurch wird es schwierig Vergleiche zu ziehen. Die Auswertungsverfahren und die Interpretation wurden inhaltlich gut beschrieben, besonders gut wurde auf Videoanalysen eingegangen. Euer letzter Satz: Zum Schluss möchten […]„, ist nicht Schäfer Fazit sondern sein Ausgangspunkt, zu finden auf Seite 16 in Schäfers Dissertation. Die Geltungsbegründung sollte inhaltlich genauer erläutert werden. Sprachlich solltet ihr eure Entwurfsfassung überarbeiten und darauf achten, auf Füllabschnitte wie zum Beispiel im ersten Abschnitt: „Unsere Aufgabe bestand darin […]“ zu verzichten.

Dritter Text: Endfassung

Einleitung

Die folgende Analyse bezieht sich auf die Dissertation „Zur Effizienz handlungsorientierter Unterrichtssettings - Eine empirische Studie“ von Markus Schäfer aus dem Jahr 2012 an der Universität Siegen.

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Schäfer leitet die wissenschaftlichen Fragestellungen zu seiner Dissertation aus alltagspraktischen Beobachtungen und kritischen Reflexionen der unterrichtlichen Praxis an einer Berufsschule in dem Bildungsgang des Kraftfahrzeuggewerbes ab (Vgl. Schäfer 2012, S. 15). Es bezieht sich demnach auf das duale System im Rahmen der beruflichen Erstausbildung. Er hinterfragt kritisch das didaktische Paradigma der Handlungsorientierung, welches schulisches Theoriewissen mit betrieblichen Praxiswissen verknüpfen soll (Vgl. Schäfer 2012, S. 13). Beobachtungen der Abschlussprüfung der KFZ-Mechatronikerinnen ergaben, dass diese Verknüpfung eher zufällig als systematisch erfolgte (Vgl. Schäfer 2012, S. 16). Schäfers Forschung entwickelt sich durch seine Arbeit als Lehrkraft und durch kritische Auseinandersetzungen mit vorliegenden Theorien der Berufspädagogik.

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Schäfers Erkenntnissinteresse lässt sich grob zu der Frage verdichten inwieweit didaktische Elemente der Handlungsorientierung auf die kognitive Entwicklung der Lernenden Einfluss nehmen können (Vgl. Schäfer 2012, S.112). Durch die weitere Forschung entsteht die Leitfrage dieser wissenschaftliche Dissertation: „In wie weit kann Handlungsorientierung im Kontext von Schule und Unterricht unter den gegebenen curricularen und institutionellen Bedingungen die intendierte Produktivitätssteigerung erzeugen.“ (Schäfer 2012, S.14) Schäfer untersucht dafür die berufliche Erstausbildung im Bereich des KFZ-Gewerbes im dualen System. Als Forschungsdesign wählte Schäfer den Design-Based Research Ansatz. Dieses Forschungsdesign erlaubt die Daten klassisch zu erheben und auszuwerten. Der wichtigste Faktor dieses Designs sind die didaktischen Experimente, die die notwendigen Entwicklungs- und Implementierungsarbeiten bei der Feldstudie ermöglichen (Vgl. Schäfer 2012, S.116).

Annäherung ans Feld

Mit dem Begriff Feld kann nach Flick eine bestimmte Institution, eine Subkultur, eine Familie, eine spezifische Gruppe von Biographieträgern oder Entscheidungsträgern in Verwaltungen oder Unternehmen u.a. gemeint sein (Vgl. Flick 2007, S.143). Da Schäfer als einer der beiden Forscher auch der Klassenlehrer der beforschten Klasse war, musste während der Erhebung stets die Nähe und Distanz zum Feld kritisch und professionell hinterfragt werden. Um die Distanz zum Feld zu erlangen wurden die Beobachtungen in Form von Videoanalysen zeitversetzt zur Aufzeichnung dokumentiert. Schäfer schließt in diesem Sinne mit seinen Schülern einen mündlichen Vertrag, der vorsieht, dass die Erhebung weder positive noch negative Sanktionen nach sich zieht. Zusätzlich wurde die Einführung des Forschungsfeldes für die Beforschten von einem extern Wissenschaftler geleitet (Vgl. Schäfer 2012, S.133). Des Weiteren werden die Interviews und sämtliche Beobachtungen vertraulich behandelt. Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich Schäfer mit seiner Rolle im Feld kritisch auseinandersetzt und auch berücksichtigt, dass er indirekt durch die Kommunikation Prozesse im Unterricht Einfluss nimmt.

Sammlung der Daten

Die Datenerhebung erfolge über einen Zeitraum von fast 12 Monaten an insgesamt 15 Unterrichtstagen, am Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn in 11 Experimenten, die sich in ihren didaktischen Settings unterschieden. Demzufolge führt der Autor eine Längsschnittbeobachtung durch. Dies bedeutet, dass die Experimente nicht unter Laborbedingungen stattfanden und das sich daraus eine Vielzahl von nicht kontrollierbaren Variablen, wie zum Beispiel Unterrichtsausfall, Krankheit und technische Störungen, ergab (Vgl. Schäfer 2012, S.132). Bei jedem Experiment wurden die Erkenntnisse aus dem vorhergegangen berücksichtigt. Gruppendiskussionen nach den Experimenten, mit den Lernenden wurden als ein wichtiges Feedbackinstrument genutzt. Um die Daten zu sammeln wurden insgesamt 1292 Minuten Filmmaterial von Gruppensituation einer Referenz- und Vergleichsgruppe und Klassenraumsituationen erstellt. Zu der Datensammlung gehören des Weiteren Interwies mit Ausbildern, Unternehmern und Auszubildenden des KFZ-Gewerbes, sowie Abschlussinterwies mit den Mitgliedern der Referenzgruppe. Dieses Material wurde Erkenntnisgeleitet und nach Kriterien der Qualität von den Forschern auf 812 gekürzt (Vgl. Schäfer 2012, S.152). Die Interwies waren Leitfadengestützt und wurden beabsichtigt nicht in der Schule oder den Betrieben durchgeführt um eine negative Konnotation zu verhindern. In Bezug auf die Angemessenheit des Datenerhebungsverfahrens ist zu berücksichtigen, dass sich der interpretative Charakter von Videoaufzeichnung sehr gut für eine qualitative Forschung eignet.

Fixierung der Daten

Video- und Tonaufzeichnungen können in einer niedergeschrieben wissenschaftlichen Arbeit nicht gezeigt werden, daher ist die Fixierung der Daten, also das Auswerten und Niederschreiben einer Aufzeichnung ein wichtiger Bestandteil der qualitativen Sozialforschung, der heute einer immer wichtigere Rolle einnimmt. Dadurch wird die Interpretation des Forschers nachvollziehbar und belegbar. Somit trägt die Transkription der Videoaufzeichnungen einen großen Teil zur Validität der Forschung bei (Vgl. Moritz 2014, S.65-66). Schäfer nutzt zur Transkription seiner Videoaufzeichnungen, wie bereits bei Interpretation der Daten das Programm MAXQDA. Schäfer transkriptiert bis auf wenige Ausnahmen alle seine Video- bzw. Tonaufzeichnungen von Experimenten und Interviews (Vgl. Schäfer 2012, S.152 ff.). Den Aspekt das durch den geschriebenen Text eine neue Realität entsteht, reflektiert Schäfer in seiner Dissertation nicht.

Interpretation der Daten

Da es sich um eine qualitative Forschung handelt ist die Interpretation des Erhebungsmaterials, das aus teilnehmenden Beobachtungen und Befragungen stammt, hypothesengenerierend. Das kategorisierte Auswertungsverfahren das Schäfer für seine Studie verwendet ist in 3 Stufen unterteilt. In Stufe 1 wird durch die sequenzielle Fallrekonstruktion auf einen Zusammenhang geschlossen, der als Forschungsthese gedeutet werden kann. Mit dem neu erworbenen Wissen, werden weitere Fälle analysiert. Dabei hat die These solange bestand, bis diese widerlegt oder gesättigt, demnach als gesichert erachtet werden kann. Im Vordergrund der Interpretation der Fallrekonstruktion steht, dass was real passiert und sich somit protokolieren lässt. Es geht letztlich darum das Verhalten der Probanden, durch theoretische Regeln und Bezüge erklären zu können. In Stufe 2 werden die gewonnen Daten mit Hilfe einer Software, MAXQDA, analysiert. Ziel ist es phänomenologische Verdichtungen zu identifizieren und zu quantifizieren, demnach messbar zu machen. In Stufe 3 werden die gewonnen Erkenntnisse, aus den durchgeführten Experimenten, Befragungen und Beobachtungen inhaltsanalytisch erklärt (Vgl. Schäfer 2012, S.148). Um die oben genannten Auswertungsverfahren durchführen zu können griff Schäfer bei den Beobachtungen den Ansatz von Przyborski/Wohlrab-Sahr auf, der vorsieht die Feldnotizen in Spalten, Ort/Zeit, Beobachtungen, Kontextinformationen, methodische und theoretische Rollenreflexionen einzuteilen (Vgl. Przyborski, Wohlrab-Sahr 2008, S.63). Es wurden verschieden strukturierte Befragungen durchgeführt. Zum einen die mündlichen, wie Experteninterview, Gruppendiskussion (wenig strukturiert), Leitfadengespräch und Intensivinterview (teil strukturiert), die das erfassen qualitativer Aspekte erfassen. Zum anderen das Ausfüllen von Fragebögen (stark strukturiert), was die quantitativen Aspekte erfassen soll (Vgl. Schäfer 2012, S.136).

Geltungsbegründung

Schäfer untersucht nicht von Anfang an eine bestimmte Theorie, viel mehr entwickelt er im Laufe seiner Forschung verschiedene Thesen, die er entweder widerlegt oder so lang modifiziert bis sie als erwiesen gelten. Er ergänzt sein qualitatives Forschungsdesign durch quantitative Elemente. Zur qualitativen Forschung gehören die klassischen Gütekriterien, Reliabilität, Validität und Objektivität (Vgl. Flick 1995, S.167). Schäfer versucht die Objektivität seiner Forschung zu gewährleisten in dem er zum Beispiel die Videoanalysen zeitversetzt durchführt um die Beobachtungen nicht aus der Lehrerperspektive sondern aus der Forscherperspektive durchführen zu können und Interwies in neutralen Umgebungen durchführt. Dennoch erläutert er, dass er und der beteiligte Forscher immer eine bestimmte Rolle im Feld einnahmen und somit auch direkt bzw. indirekt Einfluss auf das Feld nahmen (Vgl. Schäfer 2012, S.122). Zusammenfassend ist zu sagen, dass Schäfer seine Hypothesen und Forschungsergebnisse sehr transparent in seiner Dissertation thematisiert. Auch werden die theoretischen Grundlagen der Forschung anhand von Modellabbildungen und Literaturverweisen sehr gut kenntlich gemacht.

Forschung als Diskurs

Schäfer kommt in seiner Forschung zu dem eindeutigen Ergebnis: „Die Handlungsorientierung ist im Kontext von Schule und Unterricht unter den gegebenen curricularen und institutionellen Bedingungen im dualen System der beruflichen Erstausbildung im Kfz-Gewerbe nicht systematisch dazu geeignet eine interindividuelle Produktivitätssteigerung in der kognitiven Entwicklung zu bewirken.“ (Schäfer 2012, S.328) Schäfers Schlägt im Bezug auf Diskrepanz von Theorie und Praxis Kopplung, eine besser Integration von E-Learning Angeboten vor. (Vgl. Schäfer 2012, S.337). In Schäfers Dissertation ist nicht ersichtlich, ob und wie er den Beforschten Rückmeldungen über seine Ergebnisse liefert.

Literatur

  • Flick, Uwe. „Stationen des qualitativen Forschungsprozesses.“ Handbuch qualitative Sozialforschung: Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen 2 (1995). S. 148-173
  • Flick, Uwe (2007): Qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. 4. Auflage. Reinbek: Rowohlt.
  • Moritz, Christine (2014): Transkription von Video- und Filmdaten in der qualitativen Sozialforschung. Wiesbaden.
  • Przyborski, Aglaja; Wohlrab-Sahr, Monika (2008): Qualitative Sozialforschung. München.
  • Schäfer, Markus (2012): Zur Effizienz handlungsorientierter Unterrichtssettings - Eine empirische Studie. Siegen.

Kommentare

Diskussion

Dagmar Heiß, 2015/07/03 01:24, 2015/07/03 09:30

Eintrag/Bewertung von Tandem 24 an Tandem 36:

Die Analyse ist nur sehr knapp hinter der von Tandem 08 einzuordnen. Als positiv anzusehen ist, dass neben den Vergleichen zur Dissertation von Schäfer auch Vergleiche zu dem Text von Flick gewählt wurden. Zudem enthält die Analyse die wichtigsten Inhalte und erläutert diese weitgehend präzise.

Im Bereich der „Fragestellung, Forschungsperspektive“ könnte noch kurz auf die Verdichtung der Fragestellung von Schäfer (S.112) eingegangen werden.

Bei der „Annäherung ans Feld“ sollte hinzugefügt werden, dass Schäfer derjenige ist, der Lehrer und Forscher zugleich ist. Außerdem wird beschrieben, dass die Beobachtungen in Form von Videoanalysen dokumentiert wurden, „um die Nähe zum Feld zu erlangen“ (Zeile 6). Wir sind der Auffassung, dass die Videoanalysen für Schäfer eher dazu dienen, eine Distanz herzustellen und durch diese neutraler analysieren zu können. Die genannte Vergleichsquelle in Zeile 10 schließt zudem nicht alle genannten Faktoren des Absatzes mit ein, es könnten demnach noch weitere Verweise hinzugefügt werden. Die Grammatik des letzten Satzes “…dass er indirekt durch die Kommunikation Prozesse im Unterricht Einfluss nimmt„ sollte nochmals überprüft werden (eventuell fehlt nur das Wort „auf“).

Im Absatz „Sammlung der Daten“ ist anzunehmen, dass das dritte Wort „erfolgte“ und nicht „erfolge“ heißen sollte. Es könnten Verweise hinzugefügt werden, welche die Aussagen der ersten 4 Zeile belegen. Die weitere Ausführung dieses Absatzes ist sehr gut fomuliert. Für die letzten 5 Zeilen fehlen allerdings abermals die Quellenangaben.

Ebenso sind die Verleiche/Quellenangaben zum Text im Bereich der „Interpretation der Daten“ etwas rar (nur 1 Vergleich zu Schäfer innerhalb von 23 Zeilen); dies könnte nochmals genauer untersucht werden. Die Ausführungen sind dennoch inhaltlich exakt und verständlich erläutert.

Quellen könnten außerdem in den ersten 4 sowie den letzten beiden Zeilen der „Geltungsbegründung“ hinzugefügt werden. Die Erläuterung “…,dass er und der beteiligte Forscher immer eine Rolle im Feld einnahmen…„ könnte auch oder anstelle dessen in der „Annäherung ans Feld“ erwähnt werden.

Viele Grüße, Dagmar und Philipp

Kübra Balci, 2015/07/03 16:40

Bewertung von Tandem 34:

Die Tandem Gruppe 36 belegt aufgrund seiner detaillierten und sorgfältigen Ausarbeitung den ersten Platz.

Durch eine kurze „Einleitung“ verschaffen die Tandempartner einen kurzen Überblick in die Analyse von Markus Schäfer. Dies wiederum erleichtert Leser/innen das Verständnis.

Im Abschnitt „Fragestellung und Forschungsperspektive“ fielen vorwiegend positive Punkte auf. Die Fragestellung wurde richtig rausgesucht und unklare wurden Fachbegriffe erklärt. Alle Abschnitte werden mit einem kurzen und aussagekräftigen Satz eingeführt. Zu Beginn nahm die Gruppe eine Begriffsdefinition durch, welches mit Uwe Flicks Aussage unterstützt wird und somit nachvollziehbar ist. Als Leser/in wird man gut in die unterschiedlichen Oberthemen eingeführt und erkennt einen Roten Faden in der Ausarbeitung. Zum Beispiel wird durch Zeitangaben im Abschnitt vier, „Sammlung der Daten“ ein besseres Verständnis ermöglicht. Bei der „Interpretation der Daten“ wurde das kategorisierte Auswertungsverfahren, welches Schäfer für seine Studie verwendet sehr verständlich beschrieben. Alle drei Stufen wurden aufgezählt und erläutert.

Auch bei der „Geltungsbegründung“ ist eine ordentliche Erarbeitung erkennbar. Da sie beschreiben, dass Schäfer sein qualitatives Forschungsdesign durch quantitative Elemente ergänzt. Auch die Reliabilität, Validität und Objektivität nach Flick wird beschrieben. Außerdem verwendet diese Gruppe als einzige drei Literaturen und setzt diese an sehr passenden Themengebieten ein. Damit eine bessere Übersicht des Textes verschafft wird, sollte man die nicht verwendeten Überschriften löschen.

Im Allgemeinen trifft die Tandem Gruppe die Kernaussagen des Schäfer Textes und ist für uns die beste Ausarbeitung. Es ist wirklich eine gute Ausarbeitung und anschaulich dargestellt.

Liebe Grüße Kübra und Medine

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