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Tandem 22

  • Tandempartner 1: Daniel Myga
  • Tandempartner 2: Mujhem Maloul

Erster Text: Entwurfsfassung

Verhältnis Theorie-Gegenstand

In dieser Arbeit wird die Studie „Wie sich Schülerinnen und Schüler »Integration« vorstellen - Eine empirische Untersuchung zum Bürgerbewusstsein am Beispiel Migration“, welche von Andreas Lutter an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zur Erlangung des Doktors der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Dr. rer. pol.) vorgelegt wurde, analysiert.

Lutter beschreibt Problematiken der didaktischen Konzepte, wie sie in Schulen ihre Anwendung finden. Problematisiert wird dabei die Einordnung von Alltagswissen bzw. „weltlichen Schülervorstellungen“ (S. 8) der Schüler_innen in „Fehlkonzepte“ (siehe S. 8). Er bezieht sich auf frühere Untersuchungen von Schnotz (S. 7), welche sich mit der Frage des Verhaltens von schulischem - zu alltäglichem Wissen beschäftigen. Er spricht der subjektiven Seite des Lernens eine große Bedeutung zu, es lässt sich erahnen/vermuten, dass er einer lernpsychologischen Generalisierung von Lernen und Lerntypen nicht zustimmt. Für seine didaktische Theoriebildung forscht Lutter am praktischen Beispiel von Schüler_innenvorstellungen zum Thema Migration.

„Vielmehr ist für einen fruchtbaren Fachunterricht die subjektive Seite des Lernens und das Verhältnis zwischen lebensweltlichen Reflexionsmöglichkeiten der Schüler/Innen und der wissenschaftlichen Erklärungskonzepte von Bedeutung (vgl. Lutter 2007a, 77ff.; 2007b, 131ff.)“ (S. 8) Lutter verweist an dieser Stelle auf sich selbst, da er bereits im Vorfeld im Rahmen des Forschungsfeldes publiziert hat.

„Bislang fehlt jedoch eine systematische Forschung im Bereich der sozialwissenschaftlichen Fachdidaktik, die danach fragt, wie lebensweltliche Zugange mit wissenschaftlichen Erklärungskonzepten didaktisch fruchtbar vermittelt werden können und welche Lernwege dabei entdeckt werden können.“ – (S. 8)

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Bereits beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis der Studie wird deutlich, dass sich diese Studie dem zirkulären Modell qualitativer Sozialforschung bedient. Es werden Erkenntnisse verschiedener Bereiche gesammelt, welche sich stets zu neuen Fragestellungen entwickeln.

Lutter arbeitet mit dem Modell der Didaktischen Rekonstruktion, welches „ein systematisch angelegtes und interdisziplinär erprobtes Modell fachdidaktischer Lehr- und Lernforschung“ (S. 13) ist. Dieses Modell führt unterschiedliche (Teil-)Untersuchungen zusammen. Er nutzt dieses Modell um die Untersuchung wissenschaftlicher Theorien und die Ermittlung von Schülervorstellungen zu veknüpfen. (vgl S. 13) „Es werden Untersuchungsaufgaben zum Verhältnis lebensweltlicher und fachlicher Reflexionsformen explizit gemacht, um die spezifische Lernlogik der Schüler/Innen mit der Sachstruktur zu vermitteln, was insbesondere mit den Zielsetzungen der vorliegenden Studie korrespondiert.“ (S. 13)

Lutter ist bewusst, dass das Prinzip der Offenheit qualitativer Forschungsmethoden zur Einbuße mancher Informationen führen kann. Er betont die Wichtigkeit der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit seiner Erkenntnise und ist sich bewusst, dass seine Vorkenntnisse stets in die Interpretation mit einfließen können.

„Die Einzigartigkeit von Untersuchungsdesign, Situationsgebundenheit und die spezifischen Bedingungen der Offenheit des gesamten Forschungsprozesses qualitativer Exploration verschließen sich zumeist Bemühungen identischer Replikation.“ (S. 30)

Annäherung ans Feld

Die methodische Vorgehensweise von Lutter beginnt zunächst mit der Untersuchung fachlicher Ansätze in Bezugnahme auf Originalliteratur aus dem näheren Forschungsfeld. Diese Literatur wird von Lutter hermeneutisch-analytisch nach dem Prinzip der Qualitativen Inhaltsanalyse untersucht. (S. 56) Nach intensivem Vergleich mehrerer sozialwissenschaftlicher Originaldokumente (siehe S. 94) werden gesellschaftspolitische Herausforderungen der Integration thematisiert. (siehe S. 95) Innerhalb seiner Erhebungen beschäftigt sich Lutter mit dem allgemeinen - und mit dem sozialwissenschaftlichen Verständnis von Integration. Für diese Analysen ergeben sich neue Fragestellungen, mit denen Lutter weiterarbeitet. (vgl Kapitel 3.3.1 und 3.4.1) Die Zirkularität des qualitativen Forschungsprozess lässt sich erkennen.

Die Erhebung von Schülervorstellungen - Stichprobe

„Es interessiert besonders, wie sich Schüler/Innen eine ‚gelungene Integration‘ vorstellen und auf welchen Grundannahmen diese beruht.“ (S. 100) Lutter formuliert seine Untersuchungsaufgabe aus einer Fragestellung in verschiedene Leitfragen mit offener Gestaltung. (vgl S. 101)

Lutter thematisiert explizit die Herstellung des Gegenstandes, welche erst durch die Interaktion des Forschers mit den „Beforschten“ selbst entsteht. (vgl S. 106)

Die zugrundeliegende Sampling-Strategie bezieht Lernende mit und ohne Migrationshintergrund ein. (vgl S. 13) Trotz der Diversität der Schüler_innen soll versucht werden mit der Stichprobe eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Schüler_innen möglich zu machen, während diese Stichprobe zugleich heterogen sein soll. (vgl S. 111) Lutter schreibt, dass eine bewusste Wahl von Schüler_innen einer Gesamtschule erfolgt, da er die Heterogenität innerhalb der Bildungsbiografien dort für am stärksten ausgeprägt vermutet. (vgl S. 111)

Sammlung der Daten

Bevor Lutter auf einen konkreten Interviewtyp eingeht, erläutert er die unterschiedlichen Interviewtypen und wie sie zueinander stehen. Bereits dort verweist er darauf, dass der verwendete Interviewtyp auf seine Gegenstandsangemessenheit entfaltet werden soll. (vgl S. 107)

Die Methode der Erhebung wird von Lutter als themenorientiertes Interview bezeichnet, welches sowohl Aspekte des von ihm beschriebenen narrativem Interview und der Gegenstandszentrierung fokussierter Interviewvarianten. (vgl S. 110) „Die lebensweltlichen Erfahrungen der Befragten ‒ beispielsweise Migrationserfahrungen im Elternhaus oder der Peergroup – spielen eine gewichtige Rolle für das Verständnis individueller Modelle von Zuwanderung und Integration, daher werden umsichtige Anregungen zu freier Erzählung erlebter lebensweltlicher Situationen integriert (…)“ (S. 110)

Die Interviews werden in Tonaufzeichnungen festgehalten, welche im Nachhinein in Schriftform gebracht werden. Lutter betont an dieser Stelle jedoch, dass „bei jedem Aufbereitungsschritt die Tonaufzeichnung als maßgeblich anzusehen“ (S. 120) ist. (vgl S. 120)

Um allerdings Daten erheben zu können bedarf es dem Zugang zum Untersuchungsfeld, welchem Lutter eine große Bedeutung zuschreibt. Die Beforschten wurden vom Lehrpersonal ausgewählt, nachdem dieses Kriterien von Lutter bekam, nach denen die Schüler_innen ausgewählt werden sollten.

Fixierung der Daten

Die aus den Interfiews gewonnenen Daten werden in eine schriftliche Form überführt. Lutter verweist hier auf eine Reduktion des Materials, im Zweifesfall sei jedoch die Tonaufzeichnung als entscheidend zu betrachten. (vgl S. 120)

Aus den Aufzeichnungen der Interviews werden „ausschließlich die als thematisch von Bedeutung erachteten Passagen (…) in Schriftdeutsch überführt.“ (S. 121) Hier lässt sich erkennen, dass eine mögliche Verzerrung entstehen kann, obwohl Lutter im Verlauf seiner Studie beschrieb, welchen Stellenwert das sprachliche, freie und persönliche Interview hat, da dort die freie Sprache möglich ist. (siehe S. 110)

Wortlaute dieser Aussagen werden jedoch explizit übernommen und nur von ihrem Dialekt „bereinigt“. (vgl S. 121)

Nachdem dieser Prozess abgeschlossen ist, werden die Aussagen in den Transkriptionen in „Redigierte Aussagen“ überführt. Bei dieser Methode stützt sich Lutter erneut auf Gropengießer, dessen Postulate er bereits für die Interpretation der Interviews erwähnte. (vgl S. 121)

Interpretation der Daten

In Kapitel 4.5.5 der Studie stützt sich Lutter auf Postulate, welche von Gropengießer 2001 formuliert wurden und zur Interpretation des Interviews genutzt werden. (vgl S. 119)

Lutter führt 4 Arbeitsweisen an, in denen die Aussagen der Interviewpartnen auf literarischer Grundlage Gropengießers ausgewertet werden soll. (vgl S. 124) Nach Einordnung der Aussagen führt Lutter diese auf eine Ebene mit den vorher erhobenen Daten, die er aus der qualitativen Inhaltsanalyse fachlicher Literatur gewonnen hat.

Geltungsbegründung

Lutters These, in der es um die subjektive Seite des Lernens in Bezug auf die Integrations- und Migrationsthematik ging, wird laut durch ihn selbst im Ergebnisteil seiner Studie bestätigt.

„Zuwanderung und Integration bedingen – auch und gerade unter Gesichtspunkten der Vermittlung – den Einbezug der individuellen Perspektiven und Sichtweisen der Subjekte. Integration geht nicht in der Vermittlung von Integrationskonzepten auf, sondern erfordert die Beachtung der subjektiven Relevanz, die in lebenssituativen Kontexten der Schüler/Innen gründen und dort alltäglicher Sinnstiftung unterliegen.“ (S. 227)

Lutter beschreibt Wechselwirkungen und Differenzen von sozialwissenschaftlichem Fachwissen und lebensweltichen Vorstellungen. (S. 232)

Die von Lutter formulierten Gütekriterien wirken äußerst professionell. Seine Zwischenergebnisse werden stets von Mitgliedern des Doktorandenkolloquiums zur Diskussion gestellt. Außerdem werden Experten, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten in den Forschungsprozess eingegliedert. (vgl S. 31)

Lutter thematisiert Probleme innerhalb seiner Forschungsarbeit offen und wirkt äußerst transparent. In seinem Punkt 2.4.6. „Reflektierte Subjektivität“ thematisiert er seine subjektiven Implikationen in den Forschungsprozess und beim Eintreten in das Forschungsfeld. (vgl S. 34)

Forschung als Diskurs

Fazit

Innerhalb des gesamten von Lutter beschriebenen Forschungsprozess waren seine Analysen und seine Arbeit stets transparent.

Auffallend ist, dass sich Lutter ausschließlich den Analyse- und Interpretationsmethoden von Gropengießer zugewandt hat und ihn in dieser Hinsicht als Kern seiner Gütekriterien nutzt.

Erst spät in Kapitel 8 seiner Studie geht Lutter auf die Grenzen seiner Studie ein und zieht diese bei der Vermittlungsperspektive, die wie er behauptet, spezifisch ausgearbeitet werden muss. Seine Ergebnisse seien als Leitfaden für die Unterrichtskonzeption zu sehen und im Unterrichtsprozess zu präzisieren. (S. 280)

Literatur

Lutter, Andreas: Wie sich Schülerinnen und Schüler 'Integration' vorstellen. Eine empirische Untersuchung zum Bürgerbewusstsein am Beispiel Migration. Online verfügbar unter: http://oops.uni-oldenburg.de/913/1/lutwie09.pdf 2009

Flick, Uwe: Stationen des qualitativen Forschungsprozesses; In: Flick/Kardoff/Rosenstiel/Wolff 1995, Seite 147-173

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Platz 1 Tandem 16

Tandem 16 (Stand 2014/06/06 09:41) steht in unserem Ranking auf dem ersten Platz, da in dieser Studienanalyse ein klarer, roter Faden zu erkennen ist. In dieser Studienanalyse wurde systematisch mit Belegen zur Studie Lutters gearbeitet, jedoch fehlen im Punkt „Annäherung an das Feld“ hinreichende Belege zu dieser. Trotz kleinerer Rechtschreibfehler ist die Studienanalyse auf einem sprachlich angemessenen Niveau und für Außenstehende trotz Unkenntnis der Studie nachvollziehbar.

Platz 2 Tandem 01

Auf Platzierung 2 unseres Rankings steht Tandem 01 (Stand 2014/06/06 19:06) aufgrund der starken sprachlichen Ausformulierung und der eindeutigen Struktur. Ausschlaggebend dafür, dass Tandem 01 nicht auf Platz 1 unseres Rankings steht, ist die Tatsache, dass das methodische Vorgehen Lutters zwar genauestens analysiert wurde aber jedoch der tatsächliche Inhalt der Studie (Wie Schüler_innen sich Integration vorstellen) verloren geht.

Platz 3 Tandem 05

Tandem 05 (Stand 2014/06/06 14:08) ist unserem Ranking auf dem 3. Platz, da das sprachliche Niveau dieser Studienanalyse wechselhaft ist und nicht konstant auf einem Level bleibt. Strukturell gibt es für uns nichts zu kritisieren und es fällt auf, dass das Tandem dieser Studienanalyse eine stärkere Quellenvielfalt hat, da sich in dieser Analyse auch auf Tandems der Universität Potsdam bezogen wird.

Platz 4 Tandem 06

Auf dem vierten Platz des Rankings steht Tandem 06 (Stand 2014/06/06 18:36), welches im sprachlichen Niveau ebenfalls durch sprachliche Diskontinuität auffällt. In dieser Analyse sind Grammatik- und Rechtschreibfehler vorhanden. Diese Analyse ist dennoch gut strukturiert und es ist positiv anzumerken, dass mehrfach auf die Transparenz von Lutters Arbeit eingegangen wird.

Platz 5 Tandem 18

Da die Studienanalyse von Tandem 18 (Stand 2014/06/06 13:17) in seiner Ausarbeitung stellenweise für uns nicht nachvollziehbare Formulierungen und/oder Satzabbrüche beinhaltet, welche den objektiven Sinn verzerren, steht dieses auf Platz 5 in unserem Ranking. Anzumerken ist jedoch, dass eine klare Struktur in dieser Analyse vorhanden ist und jedoch nicht ausreichend ausformuliert wurde.

Letztendlich ist anzumerken, dass es uns schwer gefallen ist die Studienanalysen der anderen Tandems zu bewerten, da es schwierig ist unsere subjektiven Maßstäbe zu objektivieren. Aus diesem Grund müssen wir uns ständig die Frage stellen, inwiefern wir legitime Aussagen über die Ausarbeitung der anderen Tandems treffen können.

Dritter Text: Endfassung

Einleitung

In dieser Arbeit wird die Studie „Wie sich Schülerinnen und Schüler »Integration« vorstellen - Eine empirische Untersuchung zum Bürgerbewusstsein am Beispiel Migration“, welche von Andreas Lutter an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zur Erlangung des Doktors der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Dr. rer. pol.) vorgelegt wurde, analysiert. Die Wichtigkeit, eine Studienanalyse im Kontext des Studiums der Pädagogik durchzuführen erscheint uns als besonders wichtig, nicht um bloß ein Gefühl dafür zu bekommen, wie repräsentativ eine Studie sein kann, sondern vor allem auch um auf kritische Art und Weise die Arbeit des Autors zu prüfen.

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Lutter beschreibt Problematiken der didaktischen Konzepte, wie sie in Schulen ihre Anwendung finden. Problematisiert wird dabei die Einordnung von Alltagswissen bzw. „weltlichen Schülervorstellungen“ (Lutter 2009, S. 8) der Schüler_innen in „Fehlkonzepte“ (vgl. Lutter 2009, S. 8). Er bezieht sich auf frühere Untersuchungen von Schnotz (vgl. Lutter 2009, S. 7), welche sich mit der Frage des Verhaltens von schulischem - zu alltäglichem Wissen beschäftigen. Er spricht der subjektiven Seite des Lernens eine große Bedeutung zu und es lässt sich erahnen/vermuten, dass er einer lernpsychologischen Generalisierung von Lernen und Lerntypen nicht zustimmt. Für seine didaktische Theoriebildung forscht Lutter am praktischen Beispiel von Schüler_innenvorstellungen zum Thema Migration. „Vielmehr ist für einen fruchtbaren Fachunterricht die subjektive Seite des Lernens und das Verhältnis zwischen lebensweltlichen Reflexionsmöglichkeiten der Schüler/Innen und der wissenschaftlichen Erklärungskonzepte von Bedeutung (…)“ (Lutter 2009, S. 8). Lutter verweist an dieser Stelle auf sich selbst (vgl. Lutter 2007a, 77ff.; 2007b, 131ff.), da er bereits im Vorfeld im Rahmen des Forschungsfeldes publiziert hat.

„Bislang fehlt jedoch eine systematische Forschung im Bereich der sozialwissenschaftlichen Fachdidaktik, die danach fragt, wie lebensweltliche Zugange mit wissenschaftlichen Erklärungskonzepten didaktisch fruchtbar vermittelt werden können und welche Lernwege dabei entdeckt werden können“ (Lutter 2009, S. 8).

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Bereits beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis der Studie wird deutlich, dass sich diese Studie dem zirkulären Modell qualitativer Sozialforschung bedient. Es werden Erkenntnisse verschiedener Bereiche gesammelt, welche sich stets zu neuen Fragestellungen entwickeln (vgl. Flick 2009, S. 75).

Lutter arbeitet mit dem Modell der Didaktischen Rekonstruktion, welches „ein systematisch angelegtes und interdisziplinär erprobtes Modell fachdidaktischer Lehr- und Lernforschung“ (Lutter 2009, S. 13) ist. Dieses Modell führt unterschiedliche (Teil-)Untersuchungen zusammen. Er nutzt dieses Modell um die Untersuchung wissenschaftlicher Theorien und die Ermittlung von Schülervorstellungen zu veknüpfen (vgl. Lutter 2009, S. 13). „Es werden Untersuchungsaufgaben zum Verhältnis lebensweltlicher und fachlicher Reflexionsformen explizit gemacht, um die spezifische Lernlogik der Schüler/Innen mit der Sachstruktur zu vermitteln, was insbesondere mit den Zielsetzungen der vorliegenden Studie korrespondiert“ (Lutter 2009, S. 13). Dem Forschenden ist bewusst, dass das Prinzip der Offenheit qualitativer Forschungsmethoden zur Einbuße mancher Informationen führen kann, da die „verzögerte Strukturierung“ (Flick 1995, S. 150) dazu führen könnte, wesentliche Informationen unter der Menge der Informationen zu übersehen. Er betont die Wichtigkeit der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit seiner Erkenntnise und ist sich bewusst, dass seine Vorkenntnisse stets in die Interpretation mit einfließen können.

„Die Einzigartigkeit von Untersuchungsdesign, Situationsgebundenheit und die spezifischen Bedingungen der Offenheit des gesamten Forschungsprozesses qualitativer Exploration verschließen sich zumeist Bemühungen identischer Replikation“ (Lutter 2009, S. 30).

Methodik

Die methodische Vorgehensweise von Lutter beginnt zunächst mit der Untersuchung fachlicher Ansätze in Bezugnahme auf Originalliteratur aus dem näheren Forschungsfeld. Diese Literatur wird von Lutter hermeneutisch-analytisch nach dem Prinzip der Qualitativen Inhaltsanalyse untersucht (vgl Lutter 2009, S. 56). Nach intensivem Vergleich mehrerer sozialwissenschaftlicher Originaldokumente (vgl. Lutter 2009 S. 94) werden gesellschaftspolitische Herausforderungen der Integration thematisiert (vgl. Lutter 2009, S. 95). Innerhalb seiner Erhebungen beschäftigt sich Lutter mit dem allgemeinen - und mit dem sozialwissenschaftlichen Verständnis von Integration. Für diese Analysen ergeben sich neue Fragestellungen, mit denen Lutter weiterarbeitet (vgl. Lutter 2009, Kapitel 3.3.1 und 3.4.1). Besonders an dieser Stelle lässt sich die Zirkularität des qualitativen Forschungsprozess, im Gegensatz zur linearen Logik quantitativer und standardisierter Forschung, erkennen (vgl. Flick 2009, S. 74/75).

Die Erhebung von Schülervorstellungen - Stichprobe

„Es interessiert besonders, wie sich Schüler/Innen eine ‚gelungene Integration‘ vorstellen und auf welchen Grundannahmen diese beruht.“ (Lutter 2009, S. 100) Lutter formuliert seine Untersuchungsaufgabe aus einer Fragestellung in verschiedene Leitfragen mit offener Gestaltung (vgl. Lutter 2009, S. 101) und verweist explizit auf die Herstellung des Untersuchungsgegenstandes, welche erst durch die Interaktion des Forschers mit den „Beforschten“ möglich wird (vgl. Lutter 2009, S. 106).

Die zugrundeliegende Sampling-Strategie bezieht Lernende mit und ohne Migrationshintergrund ein (vgl. Lutter 2009, S. 13). Trotz der Diversität der Schüler_innen soll versucht werden mit der Stichprobe eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Schüler_innen möglich zu machen, während diese Stichprobe zugleich heterogen sein soll (vgl. Lutter 2009, S. 111). Lutter schreibt, dass eine bewusste Wahl von Schüler_innen einer Gesamtschule erfolgt, da er die Heterogenität innerhalb der Bildungsbiografien dort für am stärksten ausgeprägt vermutet (vgl. Lutter 2009, S. 111).

Sammlung der Daten

Bevor Lutter auf einen konkreten Interviewtyp eingeht, erläutert er die unterschiedlichen Interviewtypen und wie sie zueinander stehen. Bereits dort verweist er darauf, dass der verwendete Interviewtyp auf seine Gegenstandsangemessenheit entfaltet werden soll (vgl. Lutter 2009, S. 107). Die Methode der Erhebung wird von Lutter als themenorientiertes Interview bezeichnet, welches sowohl Aspekte des von ihm beschriebenen narrativem Interview und der Gegenstandszentrierung fokussierter Interviewvarianten enthält (vgl. Lutter 2009, S. 110). „Die lebensweltlichen Erfahrungen der Befragten ‒ beispielsweise Migrationserfahrungen im Elternhaus oder der Peergroup – spielen eine gewichtige Rolle für das Verständnis individueller Modelle von Zuwanderung und Integration, daher werden umsichtige Anregungen zu freier Erzählung erlebter lebensweltlicher Situationen integriert (…)“ (Lutter 2009, S. 110).

Aufzeichnung und Annäherung ans Forschungsfeld

Die Interviews werden in Tonaufzeichnungen festgehalten, welche im Nachhinein in Schriftform gebracht werden. Lutter betont an dieser Stelle jedoch, dass „bei jedem Aufbereitungsschritt die Tonaufzeichnung als maßgeblich anzusehen“ (Lutter 2009, S. 120) ist, um allerdings Daten erheben zu können bedarf es dem Zugang zum Untersuchungsfeld, welchem Lutter eine große Bedeutung zuschreibt. Die Beforschten wurden vom Lehrpersonal ausgewählt, nachdem dieses Kriterien von Lutter bekam, nach denen die Schüler_innen ausgewählt werden sollten.

Fixierung der Daten

Die aus den Interviews gewonnenen Daten werden in eine schriftliche Form überführt. Lutter verweist hier auf eine Reduktion des Materials, dessen Tonaufzeichnung im Zweifelsfall jedoch als entscheidend zu erachten ist (vgl. Lutter 2009, S. 120). Aus den Aufzeichnungen der Interviews werden „ausschließlich die als thematisch von Bedeutung erachteten Passagen (…) in Schriftdeutsch überführt“ (Lutter 2009, S. 121). Hier lässt sich erkennen, dass eine mögliche Verzerrung entstehen kann, obwohl Lutter im Verlauf seiner Studie beschrieb, welchen Stellenwert das sprachliche, freie und persönliche Interview hat, da dort die freie Rede möglich ist (vgl. Lutter 2009, S. 110). Wortlaute dieser Aussagen werden jedoch explizit übernommen und nur von ihrem Dialekt „bereinigt“ (Lutter 2009, S. 121).

Nachdem dieser Prozess abgeschlossen ist, werden die Aussagen in den Transkriptionen in „Redigierte Aussagen“ überführt. Bei dieser Methode stützt sich Lutter erneut auf Gropengießer, dessen Postulate er bereits für die Interpretation der Interviews erwähnte (vgl. Lutter 2009, S. 121).

Interpretation der Daten

In Kapitel 4.5.5 der Studie stützt sich Lutter auf Postulate, welche von Gropengießer 2001 formuliert wurden und zur Interpretation des Interviews genutzt werden (vgl. Lutter 2009, S. 119). Lutter führt 4 Arbeitsweisen an, in denen die Aussagen der Interviewpartnen auf literarischer Grundlage Gropengießers ausgewertet werden soll (vgl. Lutter 2009, S. 124). Nach Einordnung der Aussagen führt Lutter diese auf eine Ebene mit den vorher erhobenen Daten, die er aus der qualitativen Inhaltsanalyse fachlicher Literatur gewonnen hat.

Geltungsbegründung

Lutters bekräftigende These für die Relevanz der subjektiven Seite des Lernens in Bezug auf die Integrations- und Migrationsthematik wird durch ihn selbst im Ergebnisteil seiner Studie bestätigt.

„Zuwanderung und Integration bedingen – auch und gerade unter Gesichtspunkten der Vermittlung – den Einbezug der individuellen Perspektiven und Sichtweisen der Subjekte. Integration geht nicht in der Vermittlung von Integrationskonzepten auf, sondern erfordert die Beachtung der subjektiven Relevanz, die in lebenssituativen Kontexten der Schüler/Innen gründen und dort alltäglicher Sinnstiftung unterliegen“ (Lutter 2009, S. 227). Auf dieser Basis beschreibt er Wechselwirkungen und Differenzen von sozialwissenschaftlichem Fachwissen und lebensweltichen Vorstellungen (vgl. Lutter 2009, S. 232).

Forschung als Diskurs

Die von Lutter formulierten Gütekriterien wirken äußerst professionell. Seine Zwischenergebnisse werden stets Mitgliedern des Doktorandenkolloquiums zur Diskussion gestellt und somit die Diskursivität Lutters Forschung gewährleistet. Außerdem werden Experten, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten in den Forschungsprozess eingegliedert (vgl. Lutter 2009, S. 31).

Lutter thematisiert Probleme innerhalb seiner Forschungsarbeit offen und wirkt äußerst transparent. In seinem Punkt 2.4.6. „Reflektierte Subjektivität“ thematisiert er seine subjektiven Implikationen in den Forschungsprozess und beim Eintreten in das Forschungsfeld (vgl. Lutter 2009, S. 34).

Fazit

Innerhalb des gesamten von Lutter beschriebenen Forschungsprozess waren seine Analysen und seine Arbeit stets transparent. Auffallend ist jedoch, dass sich Lutter ausschließlich den Analyse- und Interpretationsmethoden von Gropengießer zugewandt hat und ihn in dieser Hinsicht als Kern seiner Gütekriterien nutzt.

Erst spät in Kapitel 8 seiner Studie geht Lutter auf die Grenzen seiner Studie ein und zieht diese Grenzen bei der Vermittlungsperspektive, die wie er behauptet, spezifisch ausgearbeitet werden muss. Seine Ergebnisse seien als Leitfaden für die Unterrichtskonzeption zu sehen und im Unterrichtsprozess zu präzisieren (vgl. Lutter 2009, S. 280).

Die Arbeit mit einer Studie der qualitativen Sozialforschung ist durch die Detailliertheit der Daten und der Analyse des Forschenden attraktiv für die Bearbeitung, durch die Zirkularität und die damit fehlende Linearität wirkt diese Studie jedoch an mancher Stelle sehr unübersichtlich. In der Arbeit mit dieser Studie kam es an mancher Stelle vor, sich selbst in dieser Studie zu verlieren und vom Wesentlichen abzukommen. Trotz der geäußerten Kritik lässt sich zusammenfassend jedoch sagen, dass die qualitative Sozialforschung besonders am Beispiel der Studie Lutters wunderbare Einblicke in die lebensweltliche Realität der beforschten Menschen geben kann.

Literatur

Lutter, Andreas: Wie sich Schülerinnen und Schüler 'Integration' vorstellen. Eine empirische Untersuchung zum Bürgerbewusstsein am Beispiel Migration. Online verfügbar unter: http://oops.uni-oldenburg.de/913/1/lutwie09.pdf 2009

Flick, Uwe: Stationen des qualitativen Forschungsprozesses; In: Flick/Kardoff/Rosenstiel/Wolff 1995, Seite 147-173

Flick, Uwe: Sozialforschung. Methoden und Anwendungen. Ein Überblick für die BA-Studiengänge. Hamburg: Rowohlt. S. 62-101

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