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lehre:sose2014:sozialwissmeth:analysen:tandem16



Tandem 16

  • Tandempartner 1: Ann-Christin Praast
  • Tandempartner 2: Kristina Prais

Erster Text: Entwurfsfassung

Einleitung

Die Dissertation „Wie sich Schülerinnen und Schüler »Integration« vorstellen - Eine empirische Untersuchung zum Bürgerbewusstsein am Beispiel Migration„ wurde 2009 von Andreas Lutter an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg verfasst. „Die vorliegende Untersuchung macht es sich daher zur Aufgabe, Schülerperspektiven - am Beispiel des interdisziplinären Sachgegenstandes Migration und Integration - mit der kritischen Untersuchung wesentlicher sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse und Theorien zum Thema in eine vermittlungswirksame Perspektive zu überführen“ (S.8).

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Zum Thema der Fragestellung ist anzufügen, dass hierbei die spontanen Assoziationen, Grundannahmen und Denkimpulse festgehalten werden sollten, die im Rahmen der Studie erfasst und analysiert werden. „Über welche Vorstellungen verfügen Schüler/innen zum Wort Integration im Zusammenhang mit Zuwanderung und Migration?“ (S.101). Bei dieser Studie handelt es sich um ein Model der „Didaktischen Rekonstruktion“. Dieses bietet die Möglichkeit das geschehen zu planen, durchzuführen, zu reflektieren und diese Ergebnisse fachdidaktisch auszuwerten. Hierbei wird die subjektive Wahrnehmung der Schüler unter dem Aspekt der Wahrheitsannahme beobachtet, die sich der objektiven Überprüfbarkeit entziehen (S. 15 ff.).

Der Forschungsausschnitt wird anhand der Forscher festgelegt und geschieht nach dem Prinzip des Dreieck- Modells (Abb. 1, S.18). Diese Abbildung erfasst das Wechselspiel zwischen den verschiedenen Ebenen und wie diese aufeinander einwirken. Hierbei wird versucht die Balance zwischen den pädagogischen Aspekten und der Vermittlung von Lehr- und Lerninhalten zu finden und diese schlussendlich zusammenzuführen (S.17 ff.). Warum sich Lutter für diese Form eines Forschungsmodells entschieden hat, wird in seiner Studie genau begründet und fachlich erklärt. Daher ist diese Studie transparent gestaltet worden. Des Weiteren wird erklärt auf welchen „Meta- Ebenen“ sich bewegt wird (Abb. 2, S. 20). Mit dem wechselnden Springen zwischen den Ebenen und dem erneuten Reflektieren dieser Ergebnisse, können „unzutreffende oder unzulässige Zuordnungen“ erkannt und durch dieses Model korrigiert werden (S. 19 ff.).

Annäherung ans Feld

Die zu befragenden Schüler wurden von den Lehrkräften einer Gesamtschule ausgewählt und zu ihrer Bereitschaft zu einem Interview befragt. Bei der Auswahl der Schüler/innen wurde darauf geachtet die Gruppe möglichst heterogen zusammenzustellen. Im Vorfeld wurde den Schülern/innen mitgeteilt, dass es sich hierbei um den Fachbereich der Sozialwissenschaften handelt und dieses Interview die Verbesserung des schulischen Unterrichts als Zielsetzung hat. Während des Interviews treten die Forscher in direkten Kontakt zu den Probanden. Die Forscher schaffen eine Grundvertrauensbasis, so dass sich die Schüler in einer entspannten Situation befinden. Im Vorfeld werden Formalitäten geklärt, die den Schüler/innen zusätzliche Sicherheit geben sollen. Hierunter fallen unter anderem die Wahrung der Privatsphäre, sowie der vertrauliche Umgang mit den gegebenen Angaben. Die Forscher fragen während des anderthalb Stunden langen Interview immer wieder nach, warum die Antwort so gegeben wurden und ob die Aussagen richtig verstanden wurden, um Unsicherheiten zu vermeiden. Die Frageweise soll sich möglichst an einem normalen Erzähl- und Argumentationsablauf orientieren.

In Bezug auf das hier herrschende Nähe- und Distanzverhältnisses sind sich die Forscher bewusst, dass wahrheitsgemäße Aussagen eher erfolgen, wenn für den Probanden keine Gefahr einer Sanktion besteht und dieser ein gewisses Grundvertrauen zu den Forschern aufgebaut hat. Gruppen Diskussionen wurden zugelassen und nur in Form von „ad-on-Protokollen“ subjektive Eindrücke und Empfindungen während der Forschung festgehalten. Durch diese Basis ist es den Forschern möglich Antworten zu hinterfragen und nicht verwertbare Aussagen so zu beeinflussen, dass diese zu einem verwertbaren Ergebnis kommen. Hier wird also bewusst das Nähe- und Distanzverhältnis beeinflusst, um an möglich objektive Forschungsergebnisse zu gelangen.

Sammlung der Daten

Die empirische Untersuchung nutzt zur Datensammlung das rekonstruktive Verfahren, da sich auf ein themenorientiertes Interviewverfahren bezogen wird (S.109). Zugleich weist die Befragung phasenweise narrative und gegenstandszentrierte Intervieweigenschaften auf (S.110). Die Forscher orientieren sich während ihrer Interviews an einem Leitfaden, welcher jedoch locker gehalten wird, damit sie offen und situationsangemessen auf nicht vorhersehbare situative Entwicklungen oder spontane Äußerungen der Befragten eingreifen und nachfragen können (S.109). Die dazu entwickelten Leitfragen decken wesentliche thematische Aspekte ab und dienen der Erzählaufforderung. Der verwendete Leitfaden wird zur Übersicht in der Dissertation tabellarisch dargestellt (S.117).

Das Verfahren der Datensammlung erscheint dem Gegenstand angemessen, da andere Verfahren nicht als zielführend angesehen werden können und hiermit „komplexe Vorstellungsbeziehungen“ entwickelt werden (S. 105 f.).

Fixierung der Daten

Die Daten der Interviews werden durch Tonaufzeichnungen fixiert, wobei darin die Gefahr besteht, dass der natürliche Gesprächsverlauf nicht mehr gegeben ist, da die Äußerungen der Beteiligten von der Tatsache ihrer Aufzeichnung beeinflusst sind (Flick 1995, S.161).

Zur Aufbereitung der Daten wird das Material durch Transkriptionsverfahren reduziert. Diese erfolgt in drei Schritten (S.120). Im ersten Schritt (Selegieren relevanter Aussagen) werden relevante Gesprächsabschnitte der Aufzeichnung herausgefiltert. Im nächsten Schritt (Wortprotokollierung) werden ausschließlich die als thematisch von Bedeutung erachteten Passagen in Schriftdeutsch überführt. Im dritten Schritt erfolgt die „Kommentierung“ (S.120 f.). Darüber hinaus werden die Transkriptionsdokumente in redigierte Aussagen durch: „Selegieren inhaltstragender Aussagen“, „Auslassen von Redundanzen und Füllseln“, „Überführung in eigenständige Aussagen“, und „Paraphrasieren“ überführt (S.121 ff). Da während dieser Arbeitsschritte zum Teil interpretiert wird, müssen die Forscher die redigierten Aussagen immer wieder mit den Inhalten des Transkripts überprüfen (S.122).

Interpretation der Daten

Die Dateninterpretation wird als „diskursive Form der Dateninterpretation“ beschrieben, da diese in Gruppen erfolgt (S.30). In einer „Expertenvalidierung“ sollen Experten in den Interpretationsprozess eingebunden werden. Des Weiteren „ werden die Interpretationsleistungen in regelmäßigen Abständen durch die Mitglieder der Doktorandenkolloquiums der Didaktik der Politischen Bildung an der Universität Oldenburg […] zur Diskussion gestellt“ (S. 31).

Die Aussagen der Beforschten werden thematischen Bereichen zugeordnet. Hierbei soll in sprachlicher Hinsicht der Schüler deren Denkgebäude veranschaulicht werden. Diese werden anschließend in einem Fließtext dargestellt (S.124). Daraufhin folgt der Schritt der „Explikation“. Dabei werden „Charakteristika des Verständnisses erschlossen“, „sprachliche Aspekte ausgelegt“, „Brüche und bestehende Probleme identifiziert“. Im nächsten Schritt schließt sich die „Einzelstrukturierung zu Konzepten“ an, dabei werden Konzepte identifiziert und formuliert. Mittels Kategorienbildung erfolgt eine „Verallgemeinerung der Einzelstrukturierung“ und das „Zusammenstellen der Kategorien von Vorstellungen zu Denkstrukturen“ (S.126, Tab.10).

Geltungsbegründung

Die Gütekriterien werden in einem eigenen Kapitel zusammengefasst und deren Rahmenbedingungen ausführlich erklärt. In diesem Kapitel geht Lutter genauer auf die Rahmenpunkte seiner Studie, im Sinne der Gütekriterien, z.B. Indikation, empirische Verankerung, Limitation, reflektierte Subjektivität und die Relevanz ein.

Die Indikationen des Forschungsprozesses beziehen sich auf die interaktiven Forschungsentscheidungen und deren Weiterführung bei der Auswertung der zu ermittelnden Daten. Wohingegen sich die empirische Verankerung auf die Verhältnisse der wechselseitigen Reflexion von Theorie und Empirie und das „In-Beziehung-Setzen“ beziehen, nach dem Modell der didaktischen Rekonstruktion (S.31 f.). Bei der Frage der Limitation stellt sich das Problem der Verallgemeinerung dar. Für ein hohes Maß an vergleichbaren Ergebnissen ist es nicht relevant alle Daten lückenlos zu erfassen, sondern die Kategorien herauszufiltern und die Daten breitgefächert und mehrstufig zu betrachten. Im Rahmen der Relevanz wird das Zusammenspiel von unterrichtspraktischen und lebenssituativen Zusammenhängen reflektiert und im Rahmen einer unterrichtlichen Leitlinie formuliert. Dies geschieht in Form eines „Primat der Vermittlungsabsicht“. Dies bedeutet, dass Theorie und Empirie wechselseitig aufeinander einwirken und sich ergänzen (S. 34 f.).

Fazit

Es ist positiv anzumerken, dass die Studie zu jedem Arbeitsschritt transparent gestaltet ist und sich selbst in ihrem Tun kontrolliert und reflektiert. Die Form der Dokumentation ist in verschiedenen Ebenen festgehalten worden. Diese umfassen sowohl Audio-Aufnahmen, wie auch schriftliche Dokumentationsformen.

Aus der Studie ist nicht nachvollziehbar, ob und wann die Schüler/innen über die Ergebnisse der Studie informiert worden sind. Für uns war es schwer eine klare Line in der gegeben Studie zu erkennen, da viele Themenbereiche mehrfach aufgegriffen oder beschrieben wurden und diese sich an verschiedensten Stellen wiederfanden.

Literatur

Flick, Uwe; Sozialforschung. Methoden und Anwendungen; Ein Überblick für die BA-Studiengänge; 2. Auflage; Rowohlt Verlag; Reinbek; 2009.

Flick, Uwe; Stationen des qualitativen Forschungsprozesses; In: Flick/Kardoff/Rosenstiel/Wolff 1995, Seite 147-173.

Lutter, Andreas (2009): Wie sich Schülerinnen und Schüler 'Integration' vorstellen. Eine empirische Untersuchung zum Bürgerbewusstsein am Beispiel Migration. Online verfügbar unter: http://oops.uni-oldenburg.de/913/1/lutwie09.pdf

Seminar, Sozialwissenschaftliche Methoden EW 2014 – „07 Sitzung moodle: Analysieren einer Studie“ (SoSe 2014) Prof. Dr. Petra Grell; 28.05.2014.

Zweiter Text: Begründete Einschätzung anderer Analysen

Uns ist es sehr schwer gefallen die einzelnen Tandems zu bewerten und einzuschätzen, da viele sich in ihrer Schreibweise und ihrem Stil sehr ähnlich sind. Unser Ranking ist aufgrund unseres subjektiven Empfindens beim Lesen des Textes entstanden.

Platz 1 - Tandem 22 (Version 2014/06/05 20:18):

Für uns ist dieses Tandem auf dem ersten Platz, da uns die Form und die sprachliche Ausarbeitung am meisten angesprochen hat. Dennoch hätten wir uns gewünscht, dass manche Formulierungen vereinfachter dargestellt worden wären, um den Lesefluss beibehalten zu können. Des Weiteren ist positiv anzumerken, dass der Text gut strukturiert ist und alle Angaben belegt und nachvollziehbar sind. Jedoch sind einige der Zitierweisen nicht fachlich korrekt. Negativ ist uns aufgefallen, dass der Punkt „Forschung als Diskurs“ nicht bearbeitet worden ist, dieser stellt aber einen eigenen Abschnitt der Aufgabenstellung dar.

Platz 2 - Tandem 05 (Version 2014/06/06 14:08):

Tandem 05 sehen wir auf dem zweiten Platz. Dies begründen wir damit, dass eine klare Linie im Text zu erkennen ist und dieser leicht und nachvollziehbar ist. Weiterhin ist uns positiv aufgefallen, dass die Literaturliste sehr ausführlich angegeben worden ist. Zu bemängeln ist, dass durch die kurze Schreibform einige Punkte zwar in der Überschrift genannt werden, jedoch im Text dann nicht genauer erläutert werden. Die Einleitung ist sehr ähnlich mit Tandem Nr. 16, was bei uns zur Verwirrung führte. Bei dem Punkt „Forschung als Diskurs“ fiel uns auf, dass dieser in Form einer Zusammenfassung geschrieben worden ist.

Platz 3 - Tandem 06 (Version 2014/06/06 18:36):

Wir sehen Tandem 06 direkt hinter Tandem 05, da sich diese sehr ähnlich sind aber sich im Detail unterscheiden. Der Text ist ebenfalls verständlich und nachvollziehbar verfasst worden. Auch hier ist ein roter Faden erkennbar. Im Punkt „Fazit“ wurden Angaben und Vermutungen angegeben, die nicht mit dem Ursprungstext belegt worden sind, dies fiel uns negativ auf. Im Literaturverzeichnis wurde Wikipedia als Quelle angegeben, was uns sehr verwunderte, da Wikipedia nur als grobe Orientierung dienen kann aber nicht als Fachliche Quelle.

Platz 4 - Tandem 01 (Version 2014/06/06 19:06):

Tandem 01 hatte als einzige Gruppe zu Beginn eine Gliederung, die leider nicht übersichtlich angegeben worden ist. Der Text ist vom Schreibstil, wie auch vom Inhalt gut zu erfassen und durch die Verweise zum Ursprungstext auch nachvollziehbar. Uns ist aufgefallen, dass die Fragestellung der Studie nicht bearbeitet worden ist. Des Weiteren wurde die Form der Vorgegebenen Wiki- Seite nicht eingehalten. Die Verweise zur Studie wurden nicht korrekt angegeben, hier finden sich Klammern mit Seitenangaben, die nicht eindeutig einem bestimmten Satz zugeordnet werden können.

Platz 5 - Tandem 18 (Version 2014/06/06 13:17):

Dieser Text ist ebenfalls gut verständlich und strukturiert geschrieben, so dass man diesen gut durcharbeiten kann. Dennoch ist uns aufgefallen, dass der inhaltliche Umfang nicht ausreichend beschrieben ist, dass ein Außenstehender diesen Text ohne Hilfsmittel verstehen könnte. In der Form des Zitierens ist uns keine einheitliche Anwendung aufgefallen und einige Verweise zum Text schienen zusammenhanglos im Text platziert zu sein.

Dritter Text: Endfassung

Verhältnis Theorie-Gegenstand

Die vorliegende Studienanalyse befasst sich mit der Dissertation „Wie sich Schülerinnen und Schüler »Integration« vorstellen - Eine empirische Untersuchung zum Bürgerbewusstsein am Beispiel Migration“, die 2009 von Andreas Lutter an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg verfasst wurde.

Der Untersuchungsgegenstand dieser qualitativen Studie bezieht sich darauf, „die kritische Untersuchung wesentlicher sozialwissenschaftlicher Begriffe und Theorien am Beispiel von Zuwanderung und Integration – mit der Analyse von Schülervorstellungen zum Thema in eine didaktisch motivierte Perspektive der Vermittlung zu überführen“ (S. 14).

Lutter geht auf die Problematik ein, dass selbst nach Jahren systematischen Unterrichts Alltagswissen und Schulwissen oft unverbunden nebeneinander stehen (S. 7). Dabei „ist für einen fruchtbaren Fachunterricht die subjektive Seite des Lernens und das Verhältnis zwischen lebensweltlichen Reflexionsmöglichkeiten der Schüler/innen und der wissenschaftlichen Erklärungskonzepte von Bedeutung“ (S. 8). Daher bezieht Lutter sich in seiner Studie auf die Fragen, welche spezifischen lebensweltlichen und fachlichen Vorstellungen über Integration verfügbar gemacht werden können und welche didaktischen Konsequenzen für unterrichtliche Vermittlungsprozesse daraus ersichtlich werden (S. 11).

Fragestellung, Forschungsperspektiven

Zum Thema der Fragestellung ist anzufügen, dass hierbei die spontanen Assoziationen, Grundannahmen und Denkimpulse festgehalten werden sollten, die im Rahmen der Studie erfasst und analysiert werden. Dabei formulierte Lutter folgende Fragestellung: „Über welche Vorstellungen verfügen Schüler/innen zum Wort Integration im Zusammenhang mit Zuwanderung und Migration?“ (S. 101). Bei dieser Studie handelt es sich um ein Model der „Didaktischen Rekonstruktion“. Dieses bietet die Möglichkeit das Geschehen zu planen, durchzuführen, zu reflektieren und diese Ergebnisse fachdidaktisch auszuwerten. Hierbei wird die subjektive Wahrnehmung der Schüler unter dem Aspekt der Wahrheitsannahme beobachtet, die sich der objektiven Überprüfbarkeit entziehen (S. 15 ff.).

Der Forschungsausschnitt wird anhand der Forscher festgelegt und geschieht nach dem Prinzip des Dreieck- Modells (Abb. 1, S. 18). Diese Abbildung erfasst das Wechselspiel zwischen den verschiedenen Ebenen und wie diese aufeinander einwirken. Hierbei wird versucht die Balance zwischen den pädagogischen Aspekten und der Vermittlung von Lehr- und Lerninhalten zu finden und diese schlussendlich zusammenzuführen (S. 17 ff.). Warum sich Lutter für diese Form eines Forschungsmodells entschieden hat, wird in seiner Studie genau begründet und fachlich erklärt. Daher ist diese Studie transparent gestaltet worden. Des Weiteren wird erklärt auf welchen „Meta- Ebenen“ sich bewegt wird (Abb. 2, S. 20). Mit dem wechselnden Springen zwischen den Ebenen und dem erneuten Reflektieren dieser Ergebnisse, können „unzutreffende oder unzulässige Zuordnungen“ erkannt und durch dieses Model korrigiert werden (S. 19 ff.).

Annäherung ans Feld

Im Rahmen der empirischen Untersuchung wurden die zu befragenden Schüler von den Lehrkräften einer Gesamtschule ausgewählt und zu ihrer Bereitschaft zu einem Interview befragt. Dabei waren diese sechs ausgewählten Schüler/innen zwischen 17 und 19 Jahre alt (S. 112 f.). Bei der Auswahl der Schüler/innen wurde darauf geachtet die Gruppe möglichst heterogen zusammenzustellen. Im Vorfeld wurde den Schülern/innen mitgeteilt, dass es sich hierbei um den Fachbereich der Sozialwissenschaften handelt und dieses Interview die Verbesserung des schulischen Unterrichts als Zielsetzung hat. Während des Interviews treten die Forscher in direkten Kontakt zu den Probanden. Die Forscher schaffen eine Grundvertrauensbasis, so dass sich die Schüler in einer entspannten Situation befinden. Im Vorfeld werden Formalitäten geklärt, die den Schüler/innen zusätzliche Sicherheit geben sollen. Hierunter fallen unter anderem die Wahrung der Privatsphäre, sowie der vertrauliche Umgang mit den gegebenen Angaben. Die Forscher fragen während des anderthalb Stunden langen Interview immer wieder nach, warum die Antwort so gegeben wurden und ob die Aussagen richtig verstanden wurden, um Unsicherheiten zu vermeiden. Die Frageweise soll sich möglichst an einem normalen Erzähl- und Argumentationsablauf orientieren.

In Bezug auf das hier herrschende Nähe- und Distanzverhältnisses sind sich die Forscher bewusst, dass wahrheitsgemäße Aussagen eher erfolgen, wenn für den Probanden keine Gefahr einer Sanktion besteht und dieser ein gewisses Grundvertrauen zu den Forschern aufgebaut hat. Gruppendiskussionen wurden zugelassen und nur in Form von „ad-on-Protokollen“ wurden subjektive Eindrücke und Empfindungen während der Forschung festgehalten. Durch diese Basis ist es den Forschern möglich Antworten zu hinterfragen und nicht verwertbare Aussagen so zu beeinflussen, dass diese zu einem verwertbaren Ergebnis kommen. Hier wird also bewusst das Nähe- und Distanzverhältnis beeinflusst, um an objektive Forschungsergebnisse zu gelangen.

Sammlung der Daten

Die empirische Untersuchung nutzt zur Datensammlung das rekonstruktive Verfahren, da sich auf ein themenorientiertes Interviewverfahren bezogen wird (S. 109). Zugleich weist die Befragung phasenweise narrative und gegenstandszentrierte Intervieweigenschaften auf (S. 110). Die Forscher orientieren sich während ihrer Interviews an einem Leitfaden, welcher jedoch locker gehalten wird, damit sie offen und situationsangemessen auf nicht vorhersehbare situative Entwicklungen oder spontane Äußerungen der Befragten eingreifen und nachfragen können (S. 109). Die dazu entwickelten Leitfragen decken wesentliche thematische Aspekte ab und dienen der Erzählaufforderung. Der verwendete Leitfaden wird zur Übersicht in der Dissertation tabellarisch dargestellt (S. 117).

Das Verfahren der Datensammlung stellt sich dem Gegenstand angemessen dar, da andere Verfahren nicht als zielführend angesehen werden können und hiermit „komplexe Vorstellungsbeziehungen“ entwickelt werden (S. 105 f.).

Fixierung der Daten

Die Daten der Interviews werden durch Tonaufzeichnungen fixiert, wobei darin die Gefahr besteht, dass der natürliche Gesprächsverlauf nicht mehr gegeben ist, da die Äußerungen der Beteiligten von der Tatsache ihrer Aufzeichnung beeinflusst sind (Flick 1995, S. 161).

Zur Aufbereitung der Daten wird das Material durch Transkriptionsverfahren reduziert. Diese erfolgt in drei Schritten (S. 120). Im ersten Schritt (Selegieren relevanter Aussagen) werden relevante Gesprächsabschnitte der Aufzeichnung herausgefiltert. Im nächsten Schritt (Wortprotokollierung) werden ausschließlich die als thematisch von Bedeutung erachteten Passagen in Schriftdeutsch überführt. Im dritten Schritt erfolgt die „Kommentierung“ (S. 120 f.). Darüber hinaus werden die Transkriptionsdokumente in redigierte Aussagen durch: „Selegieren inhaltstragender Aussagen“, „Auslassen von Redundanzen und Füllseln“, „Überführung in eigenständige Aussagen“, und „Paraphrasieren“ überführt (S. 121 ff). Da während dieser Arbeitsschritte zum Teil interpretiert wird, müssen die Forscher die redigierten Aussagen immer wieder mit den Inhalten des Transkripts überprüfen (S. 122).

Interpretation der Daten

Die Dateninterpretation wird als „diskursive Form der Dateninterpretation“ beschrieben, da diese in Gruppen erfolgt (S. 30). In einer „Expertenvalidierung“ sollen Experten in den Interpretationsprozess eingebunden werden. Des Weiteren „werden die Interpretationsleistungen in regelmäßigen Abständen durch die Mitglieder der Doktorandenkolloquiums der Didaktik der Politischen Bildung an der Universität Oldenburg […] zur Diskussion gestellt“ (S. 31).

Die Aussagen der Beforschten werden thematischen Bereichen zugeordnet. Hierbei soll in sprachlicher Hinsicht der Schüler deren Denkgebäude veranschaulicht werden. Diese werden anschließend in einem Fließtext dargestellt (S. 124). Daraufhin folgt der Schritt der „Explikation“. Dabei werden „Charakteristika des Verständnisses erschlossen“, „sprachliche Aspekte ausgelegt“, „Brüche und bestehende Probleme identifiziert“. Im nächsten Schritt schließt sich die „Einzelstrukturierung zu Konzepten“ an, dabei werden Konzepte identifiziert und formuliert. Mittels Kategorienbildung erfolgt eine „Verallgemeinerung der Einzelstrukturierung“ und das „Zusammenstellen der Kategorien von Vorstellungen zu Denkstrukturen“ (S. 126, Tab. 10).

Geltungsbegründung

Die Gütekriterien werden in einem eigenen Kapitel zusammengefasst und deren Rahmenbedingungen ausführlich erklärt. In diesem Kapitel geht Lutter genauer auf die Rahmenpunkte seiner Studie, im Sinne der Gütekriterien, z.B. Indikation, empirische Verankerung, Limitation, reflektierte Subjektivität und die Relevanz ein.

Die Indikationen des Forschungsprozesses beziehen sich auf die interaktiven Forschungsentscheidungen und deren Weiterführung bei der Auswertung der zu ermittelnden Daten. Wohingegen sich die empirische Verankerung auf die Verhältnisse der wechselseitigen Reflexion von Theorie und Empirie und das „In-Beziehung-Setzen“ beziehen, nach dem Modell der didaktischen Rekonstruktion (S. 31 f.). Bei der Frage der Limitation stellt sich das Problem der Verallgemeinerung dar. Für ein hohes Maß an vergleichbaren Ergebnissen ist es nicht relevant alle Daten lückenlos zu erfassen, sondern die Kategorien herauszufiltern und die Daten breitgefächert und mehrstufig zu betrachten. Im Rahmen der Relevanz wird das Zusammenspiel von unterrichtspraktischen und lebenssituativen Zusammenhängen reflektiert und im Rahmen einer unterrichtlichen Leitlinie formuliert. Dies geschieht in Form eines „Primat der Vermittlungsabsicht“. Dies bedeutet, dass Theorie und Empirie wechselseitig aufeinander einwirken und sich ergänzen (S. 34 f.).

Fazit

Abschließend ist der Studie von Lutter anzumerken, dass es einerseits positiv zu erachten ist, dass die Studie zu jedem Arbeitsschritt transparent gestaltet ist und sich selbst in ihrem Tun kontrolliert und reflektiert. Die Form der Dokumentation ist in verschiedenen Ebenen festgehalten worden. Diese umfassen sowohl Audio-Aufnahmen, wie auch schriftliche Dokumentationsformen.

Andererseits ist es für den Leser schwer eine klare Line in der gegeben Studie zu erkennen, da viele Themenbereiche mehrfach aufgegriffen oder beschrieben werden und diese sich an verschiedensten Stellen wiederfinden. Außerdem ist aus der Studie nicht nachvollziehbar, ob und wann die Schüler/innen über die Ergebnisse der Studie informiert worden sind.

Literatur

Flick, Uwe; Sozialforschung. Methoden und Anwendungen; Ein Überblick für die BA-Studiengänge; 2. Auflage; Rowohlt Verlag; Reinbek; 2009.

Flick, Uwe; Stationen des qualitativen Forschungsprozesses; In: Flick/Kardoff/Rosenstiel/Wolff 1995, Seite 147-173.

Lutter, Andreas (2009): Wie sich Schülerinnen und Schüler 'Integration' vorstellen. Eine empirische Untersuchung zum Bürgerbewusstsein am Beispiel Migration. Online verfügbar unter: http://oops.uni-oldenburg.de/913/1/lutwie09.pdf

Seminar, Sozialwissenschaftliche Methoden EW 2014 – „07 Sitzung moodle: Analysieren einer Studie“ (SoSe 2014) Prof. Dr. Petra Grell; 28.05.2014.

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